BLACK STAR RIDERS - HEAVY FIRE


Label:NUCLEAR BLAST
Jahr:2017
Running Time:40:18
Kategorie: Neuerscheinung
 
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Das Jahr 2017 hat gerade mal angefangen und schon rast die neue Scheibe, die da titelt "Gods Of Violence" der deutschen Thrash Metal Institution Kreator an die Spitze der deutschen Charts. Und Nuclear Blast haben noch so einige Pferdchen im Stall, deren neue Longrillen mit ähnlichen Avancen auf den Markt kommen. Auch zum Beispiel die der Black Star Riders, den legitimen Nachfolger der irischen Rocker Thin Lizzy, die mich 2015 mit ihrem zweiten Album "The Killer Instinct" so richtig von den Socken hauten, bringen Anfang Februar nun ihre dritte Longrille raus. Zehn Songs mit einer Gesamtdauer von knapp vierzig Minuten haben die Mannen um den ex-The Almighty Shouter Ricky Warwick und die beiden Ausnahmegitarristen Scott Gorham und Damon Johnson in die Waagschale geworfen. Selbige zogen im Sommer 2016 noch als Thin Lizzy sechs Gigs, unter anderem im Vorprogramm von Rainbow, bei den wiederbelebten Monsters Of Rock durch. Am Bass allerdings mit Tom Hamilton von Aerosmith und hinter der Schießbude kein Geringerer als Scott Travis von Judas Priest. Üblicherweise sind für die Rhythmusfraktion bei den Black Star Riders, Robbie Crane (Bass) und Jimmy DeGrasso (Drums) zuständig. Und wie bereits beim Vorgänger, war auch wieder Nick Raskulinecz (Foo Fighters, Rush, Mastodon, Alice in Chains) als Produzent tätig.

Die Platte eröffnet gleich mit dem Titeltrack und bereits mit "Heavy Fire" wird klar, dass die Riders, anders als noch in 2015 mit "The Killer Instinct" an gleicher Stelle, den ursprünglichen Thin Lizzy Schatten nun vollends abgelegt haben und offensichtlich ganz frisch und frei nun richtig losrocken können. Sie klingen nun wesentlich heftiger, rockiger und einfach moderner ohne allerdings zunächst einmal auf die so typischen Twins und diese einmaligen Riffs zu verzichten. Und inmitten der Nummer quasi ein Stilbruch mit derbe bluesigen, sleazigen Ansätzen und einer richtig harten Gitarre. Knallige Riffs und ganze Arbeit von Jimmy DeGrasso dann bei "When The Night Comes In", welches insbesondere im Refrain mit hier teils mehrstimmigen und auch femalen Backings überzeugen kann. Fast schon spielerische Gitarren zu Beginn von "Dancin With The Wrong Girl", die auch im weiteren Verlauf des Songs immer mal wieder zum Vorschein kommen. Der Song wie der Text irgendwo zwischen treibender Fröhlichkeit und dunkleren, ja vielleicht eher unsicheren Momenten schwankend und toll vom Sänger interpretiert. Und wieder diese rockig-sleazige, leicht schräge Note beim sehr treibenden und derbe rockenden "Who Rides The Tiger", welches vielleicht am besten die neuen Black Star Riders beschreibt, die da auf, für sie, ganz neuen Classic Rock Pfaden wandeln. Auch "Cold War Love" wartet mit irgendwie für Riders Verhältnisse recht neuen Gitarren und ziemlich poppiger Note auf, die Herr Warwick im Wechsel zwischen bluesiger Ballade und kräftigeren Ausbrüchen aber locker meistert. Ein bisschen Feeling der alten Zeiten dann doch wieder bei "Testify Or Say Goodbye". So ganz ohne die typischen Riffer mit den klasse mitnehmenden Melodien geht es ja eigentlich auch nicht. Die Nummer wird bei den alten Fans mit Sicherheit bald eine Vormachtstellung einnehmen und ist eigentlich auch bei künftigen Konzerten kaum wegzudenken. "Thinking About You Could Get Me Killed" wechselt zwischen moderneren Tönen, sehr kräftigen Riffs und eher typischen Black Star Riders-Arrangements hin und her. "True Blue Kid" wirkt anfangs wie eine Erzählung wenn Ricky singt "...Ladies and Gentlemen, hope you enjoy the show..." und überrascht mit Tempiwechseln und hier und da etwas funkigen Spielereien. "Ticket To Rise" glänzt mit einem ganz coolen, saulässigen Groove und weiblichen Soulteilen im Chorus. Das ist schon eine ziemlich ungewöhnliche Nummer und Ricky versucht sich auch mal an ganz anderen Tönen. Wie zur Versöhnung zum Ende nochmal Riffs zum Abwinken mit schönen Mitmachteilen beim Rauswerfer "Letting Go Of Me".

Mit "Heavy Fire" haben sich Black Star Riders den Wurzeln ihrer Vergangenheit nahezu vollständig entledigt und ein neues, frisches und teils sehr modernes Rockfeeling kreiert. Für alteingesessene Thin Lizzys und Liebhaber der ersten beiden Alben wirkt dieser neue Schritt sicherlich ziemlich gewöhnungsbedürftig, so er sich auf dem zweiten Album in dieser Form noch nicht angekündigt hatte. Ricky Warwicks klasse Stimme, die weiterhin tollen Gitarristen, auch wenn selbige teils ihrer Twins merklich beraubt wurden und die starke Rhythmussektion werden die Fans allerdings auch weiterhin bei der Stange halten und sicherlich werden die Riders mit dem frischen Wind einige Fans dazu gewinnen. Insofern eigentlich alles richtig gemacht. Kein Überalbum, aber eine gute Rockscheibe.

Note: 7.5 von 10 Punkten
Autor: Andreas Gey


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