TRANCE - THE LOSER STRIKES BACK


Label:ROCKPORT
Jahr:2017
Running Time:56:19
Kategorie: Neuerscheinung
 
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Überraschend in die Finger gekriegt, nix erwartet und voll verblasen worden. Klar, der Name Trance (nicht Trancemission) fiel dieser Tage öfter und das Comeback wurde hoch angepriesen, aber Father Bull lässt es lieber gemächlich angehen und genießt dann in vollen Zügen. Die Älteren unter uns, sowie Metaller der ersten Stunde, sollten die in 1977 Gegründeten damals zumindest im Augenwinkel bemerkt haben, denn hier steht Gründerzeitmetal in Härtegraden des Hardrocks auf dem Plan. Es ist das achte Studioalbum von Trance und das erste seit "Die Hard" aus 1996. Dass Manilla Road und Roxxcalibur Drummer Neudi hier an den Kesseln sitzt, zieht natürlich. Und man darf in diesem Fall selbstredend mit erstklassigem Drumsound rechnen, so wie Neudi den haben will. "Thunderbird Rising" ist keine hohle Phrase, sondern der erwartete druckvolle Opener. Sieht so aus, als hätten wir es hier mit einer klasse Scheibe zu tun. "I Want To Live" groovt gleich hinterher, kaum einen Tacken langsamer, aber dafür mit eingängigem Refrain. Wer es noch nicht wusste, wird es spätestens in "Star Invaders" bemerken, wer hier trommelt. Das quasi-Titelstück "Loser", eine Neuaufnahme nah am 1982er Original vom "Break Out" Album, breitet sich selbstbewusst im Midtempo aus und steigert sich so geil, wie das Scorpions in den Siebzigern konnten ("We'll Burn The Sky" lebt!). Die Vocals können alles, man achte mal auf Anleihen eines jungen Dirkschneiders, hörbar in jeder Roughness. Danach zündet der Trennschleifriffer "Live And Heavy" als die Granate für alle Metaller, die genau wissen, worum es im Metal überhaupt geht. Aaaargh, wie geil ist das denn bloß? Müßig zu erwähnen, dass das Titelstück auch alles kann. Denn jetzt glaubt doch eh keiner mehr an einen Qualitätseinbruch, der auch nicht folgt. Vielmehr geht Herzschlagsong "Open Skies" tief rein und verleitet zum Träumen, dabei gehen die Rheinland Pfälzer keinen Deut mit Druck oder dem Tempo runter. Das ist große Kunst, alle Daumen hoch! Das tun sie lieber im Vorspann des Elfminüters nach Axel Rudi Pell-Handschrift "Trust And Glory", denn das soll auch balladesk sein. Die späteren Abschnitte erheben sich zu einem Epos nach Maß, mit Narratorsamples und einer sprechenden Gitarre. Selbst die eigentliche Ballade "Finding You" haut im Finale dermaßen ins Mett, dass sie noch als Rocker durchgeht und beschließt damit eine Platte, die eigentlich jeder abfeiern sollte, der sich Metaller schimpft. Ja, eigentlich. Denn die Printmagazine urteilen über diese Art von Musik sehr unterschiedlich, dass der Verdacht entstehen könnte, solche Scheiben wie diese würde polarisieren. Leider ist es eher so, dass für Heavy Metal der ersten Stunde nur noch wenige Schreiber Ohren haben. Also Gehirn eingeschaltet und Ohren auf für "The Loser Strikes Back", ihr werdet nicht enttäuscht werden. Nur Gutes verdient den Namen Heavy Metal!

Note: 8.5 von 10 Punkten
Autor: Joxe Schaefer


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