BATHORY - BLOOD FIRE DEATH


Label:UNDER ONE FLAG
Jahr:1988
Running Time:44:53
Kategorie: Classics
 
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Wenn es um Black Metal und Viking Metal geht, dann kommt man an Bathory gar nicht vorbei. Börje „Quorthon“ Forsberg gründete die Kultband als Soloprojekt im Jahr 1983, klaute Riffs und Textzeilen von Venom, zog alles durch den Staubsauger und erzeugte einen primitiven, mehr schlecht als recht gespielten Krach, der eine Vorreiterrolle im skandinavischen Black Metal innehaben sollte. 1984 klangen Bathory schon so, wie es dann erst Darkthrone und Konsorten Anfang der Neunziger zum Markenzeichen machen sollten, welches bis heute Bestand hat. Größtenteils betrieb Quorthon, der 2004 aufgrund eines Herzfehlers mit nur 38 Jahren gestorben ist, im Alleingang. Doch Ende der Achtziger vollzog sich ein kräftiger Umschwung im Bathory-Lager. Quorthon fehlte der Bezug zum ursprünglich eingeschlagenen Satanismus. Er stammte aus dem hohen Norden. Und was sollte sich da besser eignen, als Vikingertexte zu epischer Musik? Nach dem dritten Album „Under The Sign Of The Black Mark“, welches 1987 erschien und allgemein als sein finsterstes Werk gilt, schlug Quorthon eine andere Richtung ein. Er hat den Kultstatus des dritten Albums nie verstanden und sogar in einigen Interviews behauptet, dass er sowohl Gitarren als auch Schlagzeug hier nur auf einem Keyboard eingespielt hatte und es deshalb unehrlich war. Für „Blood Fire Death“ suchte er sich erstmals eine richtige Besetzung zusammen. Kothaar spielte Bass und Paul Pålle „Vvornth“ Lundberg, der schon auf „Under The Sign Of The Black Mark“ mit an Bord war, spielte Schlagzeug. In den Texten begann Quorthon sich mehr und mehr mit der Nordischen Mythologie zu befassen. Dennoch konnte er sich so manche satanische Botschaft nicht verkneifen. So ergaben die Anfangsbuchstaben aller Zeilen von „The Golden Walls Of Heaven“ jeweils das Wort „Satan“. Wenn man alles Anfangsbuchstaben jeder Zeile von „Dies Irae“ runtergelesen hat, ergab dies den Slogan „Christ, The Bastard Son Of Heaven“; ein wahrer Geniestreich, der jeden Zufall ausschließt. Die Musik war jedoch anders als zuvor, wie bereits die ersten Töne des dreiminütigen Intros „Odens Ride Over Nordland“ zeigten. Keyboards und Pferdewiehern erzeugten sofort einen Soundtrack für einen epischen Vikinger-Film. Der Übergang in den richtigen Opener „A Fine To Day“ mit seinen schönen Akustikgitarren und den harmonischen Chören ist fließend. Aber danach bricht das Inferno aus! Brutales Geballer dröhnt aus den Boxen. Und wie! Der Sound war viel sauberer, das Schlagzeug viel tighter runtergebolzt als noch auf den holprigen Erstwerken. Sogar der Gesang, der dieses Mal nicht verzerrt war, klang viel verständlicher, aber auch fieser als jemals zuvor. Zusammen dauern „Odens Ride Over Nordland“ und „A Fine Day To Die“, welche zusammenhängend geschlagene elf Minuten! Das muss erst mal verdaut werden. Aber Verschnaufpausen gibt es nicht. „The Golden Walls Of Heaven“ ist arschtightes Geballer pur und kommt praktisch ohne Taktwechsel aus. Auch „Pace Till Death“ und „Holocaust“ schlagen in dieselbe Kerbe und haben mit der neuen Epik noch nicht allzu viel zu tun. „For All Those Who Died“ ist ein Midtempo-Kracher, der auch auf dem dritten Album hätte stehen können. Der verkommene, abgefuckte Gesang ebnet den Weg, den zum Beispiel Nocturno Culto von Darkthrone später auf deren „Panzerfaust“-Album (1995) ablieferte. Der Text ist einem Gedicht von Erica Jong entnommen, welches in dem Buch „Witches“ („Hexen“) veröffentlicht wurde. Zum Schluss gibt es Flammenrauschen zu hören, die die totale Zerstörung noch einmal unterstreichen. Mit „Dies Irae“ gibt es noch einmal geballte Hochgeschwindigkeit, die präzise runtergehobelt wird. Dert heisrere Kreischgesang klingt richtig fies angepisst. Kein Wunder, denn schließlich bedeutet der lateinische Titel auf Deutsch „Tag des Zorns“ Hier klingt sogar das scheinbar gar nicht enden wollende Gitarrensolo furios und mitreißend. Im Mittelteil folgt nochmal ein Midtempo-Riff mit ganz viel Druck, bevor man wieder der wütenden Raserei ausgesetzt wird. Der Kreis schließt sich letztendlich beim achten und letzten Track, dem epischen Titeltrack „Blood Fire Death“, der mit über zehn Minuten ähnlich lang ist wie der Opener, ebenfalls mit Akustikgitarren und Chören glänzt und wie ein Rahmen erscheint, der die fünf brutalen Prügelorgien des Albums quasi einkesselt. Hier klingt der Gesang sogar etwas melodisch, obwohl Quorthon auch hier ein fieses Organ vorweisen konnte. Das Cover zierte das Gemälde „Åsgårdsreien“ von Peter Nicolai Arbo aus dem Jahr 1872, welches eine Schlachtszene zeigt, die man sich schon beim Hören des Intros vorgestellt hat. Es gab von da an sehr viele Bands, die Bathory kopierten, aber „Blood Fire Death“ ist auch nach knapp dreißig Jahren immer noch unerreicht; die perfekte Symbiose aus schierer Brutalität und epischem Bombast. Besser geht es nicht! 

Tracklist:
Seite 1:
Odens Ride Over Nordland
A Fine Day To Die
The Golden Walls Of Heaven
Pace ´Till Death
Holocaust
 
Seite 2:
For All Those Who Died
Dies Irae
Blood Fire Death
 
Line-Up:
Börje "Quorthon" Forsberg (R.I.P. 2004!) - Guitars, Vocals, Percussion, Effects
Kothaar - Bass
Paul Pålle „Vvornth“ Lundberg - Drums
 

Note: 10 von 10 Punkten
Autor: Daniel Müller


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