LYCANTHROPY - A.V.R.E.I.L.


Label:LOWER SILESIAN STRONGHOLD
Jahr:2017
Running Time:30:06
Kategorie: Import
 
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Zwischen der Gründung der russisch-ukrainischen Black-/Death Metal-Horde Lycanthropy im Jahr 2007 und ihrer letzten EP „Operation Werwolf“ im Jahr 2014 gab es haufenweise Veröffentlichungen dieser Band; vier Demos, vier EPs und fünf Alben nämlich. In den letzten drei Jahren ist es aber ruhig um die Horde geworden. Jetzt kommen sie völlig überraschend mit einem neuen Album, ihrem insgesamt sechsten, daher, welches es - neben der herkömmlichen CD - auch als auf hundert Exemplare limitierte Kassettenversion über dasselbe polnische Label gibt. Und die lange Wartezeit hat ihnen hörbar gut getan. Hier ist für jeden etwas dabei. Der Opener „Dark Triad Of Animal In Me“ ist ein rasend schneller Black Metal-Song in bester Enthroned-, Mayhem- und Dark Funeral-Manier, das kurze „Porn Cunning Bastard“ bietet brutales Death Metal-Geknüppel. Mit „Self-Absorption“ beginnen sie melancholisch in Burzum-Tradition, steigern sich im weiteren Verlauf aber mit rasender Wut. Dabei erinnert der kranke, wehleidige Gesang am Schluss etwas an Abruptum. „Sexual Sadism“ ist wieder schneller, nordisch geprägter Black Metal, der an Marduk oder Dark Funeral erinnert. „Directive Voices In Head“ ist wieder schleppender und groovt ordentlich. Hier sind wieder tiefe Death Metal-Growls angesagt, die bei Lycanthropy auch schon in der Vergangenheit immer wieder auftauchten. Mit vielen wirren Breaks wird „My Delusions“ eingeleitet, das zwar anfangs etwas chaotisch klingt, aber auch technischen Anspruch unter Beweis stellt, was bei derartig hohem Tempo und der ansonsten simpel gehaltenen Musik schon beeindruckend ist. „Black Lightning“ kommt bedrückend mit gedrosseltem Tempo daher und verbreitet eine depressive Grundstimmung, bevor auch hier wieder Raserei an der Tagesordnung steht. „Bondage Slave Bitch“ groovt wieder mit ordentlich Dampf, bevor Lycanthropy wieder in Geballer ausarten. Mit Wind und Meeresrauschen beginnt der Raushauer „In The Middle Of Nowhere“ verträumt. Aber natürlich lassen auch hier die Blastbeats nicht lange auf sich warten und man bietet wieder wütenden Black Metal in Reinkultur. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass sich Lycanthropy immer mehr vom Death Metal entfernen und den nordischen Black Metal in den Vordergrund stellen. Die Musiker zeigen ein ausgereiftes Zusammenspiel. Der Gesang, egal ob geschrien oder gegrowlt, klingt immer wütend, hasserfüllt und angepisst. Die Produktion ist dünn, vermittelt die Kälte und den Hass aber perfekt. Unterm Strich war die lange Pause nicht zu lang, denn hier handelt es sich definitiv um das bislang ausgereifteste Werk des infernalischen russisch-ukrainischen Trios!     

Note: 8.5 von 10 Punkten
Autor: Daniel Müller


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