THERION - THE BELOVED ANTICHRIST


Label:NUCLEAR BLAST
Jahr:2018
Running Time:183:26
Kategorie: Neuerscheinung
 
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Therion wurden 1988 von Christofer Johnsson gegründet und gingen aus seiner 1987er-Band Blitzkrieg heraus, die ursprünglich als Megatherion gegründet wurde. Anfangs noch dem Death-Metal zugewandt, entwickelte sich Therion immer mehr zu einer Symphonic-Metal-Band und ist hier stellenweise auch federführend. Der Wendepunkt wird in etwa auf den Release des fünften Albums "Theli", von 1996 geschoben. "Les Fleur Du Mal" von 2012, war der vierzehnte und bislang letzte Output der schwedischen Orchestralmetaller. Es wurde von der Band selbst veröffentlicht und enthält ausschließlich Cover-Tracks französischer Lieder. Therion sind derzeit auf Tour. Sie werden aber kaum Songs vom neuen Album performen, welches als Metaloper in drei Akten mit einer Spieldauer von mehr als drei Stunden und mit insgesamt sechsundvierzig Songs konzipiert wurde. "Beloved Antichrist" wurde inspiriert von Vladimirs Soloviovs "Kurze Erzählung vom Antichrist" und es dürfte der große Traum von Christofer sein, dieses Mammutwerk mit den unterschiedlichsten Charakteren, irgendwann auch live in entsprechenden Opernhäusern der Welt vorzustellen. Es dürfte hier den Rahmen sprengen, wenn ich im Nachfolgenden auf jeden einzelnen Track des Opus eingehen würde. So beschränke ich mich auf eine Auswahl: Der Opener "Turn From Heaven", eröffnet dunkel und düster, ehe einem monumentale Orchestraleinsätze, unterstützt durch Bläser und die so typischen, hellen Chöre einfach wegblasen. Schleppend folgt dann das groß angelegte und hymnische  "Where Will You Go", in dem sich ein Tenor und die gewaltigen Chöre die Hand reichen. Dunkle Stimmen und tiefe Bläser künden vom Grauen. Eine engelsgleiche Stimme erklingt bei "Through Dust, Through Rain", begleitet von sanften Klaviertasten. "The Crowning Of Splendour" geht mit einer fast cineastischen Eröffnung rein, dann übernehmen aufwendigste Percussions und verschiedenen, männliche Stimmen das Ruder, begleitet von knallharten, rasenden, schwarzmetallischen Gitarren. Violinen, ausufernde Chöre und ein unglaublicher Sopran mit filigransten Spielereien, erfreuen uns bei "The Palace Ball", während beim derben "Night Reborn" wieder die metallischen Klampfen zuschlagen und Tenor, Sopran und Chöre um die Wette die Mikros malträtieren.

Groß gefächerte Klavier-Passagen gibt es beim nachfolgenden "Dagger Of God", garniert mit einem tirilierenden Organ und über alles walken dumpfe Saiten und schwarze Streicher dahin. Wiedermal eröffnen Bläser das riesengroß angelegte und überhymnische "The Lions Roar", während es bei "Remaining Silent" mit ordentlich Groove und rasend schnell zur Sache geht. Dunkle Riffer zum Abwinken und ein richtig fordernder Tenor, zeichnen das metallischen "Cursed By The Fallen" aus. Bei "Thy Will Be Done!" überwiegt eine doomige Grundstimmung mit zunächst sich sehr zurückhaltenden Streichern, Bläsern und Tenören, während "Shoot Them Down" mit Anleihen im True Heavy Metal alles wegbläst. Nach dem zaghaften und kurzen "Prelude To War" geht es bei "Day Of Wrath" mit typischen Therion-Kompositionen, sprich orchestraler Dramatik, Sopran und Tenor im Wechsel, galoppierenden Gitarren und großartigen Chören weiter. Glocken, spritzige Tasten und Bombast-Symphonic läuten bei "Theme Of Antichrist" das Ende des Monumental-Epos ein. In "Beloved Antichrist" packen Therion alle Erfahrungen und Ergüsse ihrer langjährigen Karriere rein und spannen so einen Bogen über ihre gesamte, jüngere Schaffensperiode bis "Theli" aus 1996. Herausgekommen ist ein Meisterwerk des symphonischen Metals, das als quasi Blaupause für alle künftigen Veröffentlichungen des Genre herhalten kann. Ob Nightwish, Epica, Within Temptation, Xandria, After Forever oder sonst eine hier nicht genannte Band des Genre. Sie alle finden sich in dem dreistündigen Monumentalwerk wieder und zwar in einer Form, die sie selbst nie hätten kreieren könnten. Christofer Johnsson ist ein Tausendsassa und einfach ein magischer Komponist und Songwriter. Ich wünsche ihm alles Glück dieser Welt, um diesen epochalen Erguss livehaftig auf den Bühnen dieser Welt zu installieren.

Note: 10 von 10 Punkten
Autor: Andreas Gey


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