SEX, DRUGS, RATT & ROLL - MY LIFE IN ROCK - von Stephen Pearcy & Sam Benjamin


Label:GALLERY BOOKS
Jahr:2013
Running Time:320 Seiten
Kategorie: Neuerscheinung
 
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Während ich diese Biografie gelesen habe, lief das Ganze unter dem Titel "Im Bett mit Stephen", denn ich konnte das Buch nicht mehr weglegen und hatte einige schlaflose Nächte mit ihm. Ich mochte Stephen Pearcy nie. Ich fand ihn immer arrogant und ich bin immer noch beleidigt, weil zwei Tourneen unter fadenscheinigen Gründen abgesagt wurden. Das Buch ist anders als ich erwartet hatte. Er ist anders als ich ihn mir vorgestellt hatte. Jetzt mag ich Stephen Pearcy…er kommt sehr sympathisch rüber. Wer Skandale und wilde Geschichten à la "The Dirt" erwartet, dem wird das zwar auch geboten aber in einer ganz anderen Art und Weise - es steht nicht im Vordergrund. Der Traum auf großen Bühnen zu spielen stand im Fokus seines Lebens und diesen Traum verfolgte er hartnäckig. Als Kind zog Stephen von Los Angeles nach San Diego und verbrachte dort seine Jugend. Zuerst war er noch froh über den Umzug, denn in L.A. ging es an der Schule schon ganz schön zur Sache, natürlich mit Drogen. Er staunte nicht schlecht, als er feststellte, dass es in San Diego fast noch schlimmer war. Die Kids betranken sich dort schon vor der Schule. In dieser Stadt lernte er mit siebzehn Jahren auch seinen späteren Weggefährten Robbin Crosby kennen. Allerdings spielten sie zunächst noch in unterschiedlichen Bands. Mit seiner ersten Truppe "Mickey Ratt", spielte er auf Schulabschlussbällen und Geburtstagen. Allerdings wurde ihm schnell klar, dass das hippieeske San Diego nicht der richtige Ort war um seinem Traum näher zu kommen. Exakt am 1. Januar 1980, zog er mit zwei Freunden nach L.A.. Das war einer von vielen Schlüsselmomenten, die ich beim Lesen hatte: zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Oder doch nicht? Denn zunächst mussten sie sich einige Jahre zu dritt in einer Garage durchschlagen. Diese Garage war Proberaum und Wohnung zugleich – Glamour sieht anders aus. Die Szene am Sunset Strip und in den einschlägigen Clubs in L.A., wurde akribisch unter die Lupe genommen. Stephen wusste sehr genau was man tun muss und wen man kennen musste um an Auftrittsmöglichkeiten zu kommen.

Dabei ging es nicht nur um die Musik, sondern im L.A. der 80er-Jahre natürlich auch um die Optik und das richtige Outfit. Es wurde nichts dem Zufall überlassen. Nachdem es Ratt dann endlich geschafft hatten und den langersehnten Plattenvertrag unterschrieben, ging es los: touren, touren, touren - das war ab sofort Alltag. Und wenn sie mal nicht „On The Road“ waren, dann musste eine neue Scheibe komponiert werden. Das Label quetschte ohne Gnade alles aus der Band raus. Dieser Druck war letztendlich auch der Anfang vom Ende, denn jetzt entstand immer öfter Streit unter der sonst gut miteinander funktionierenden Band. Mit dem Erfolg kam immer mehr Sex und Dekadenz ins Spiel. Stephen beschreibt sehr genau wie es Backstage zuging und was die Damenwelt so unternahm um dorthin zu kommen - hüstel... Wortspiel: So ein Roadie war nicht nur für den Auf- und Abbau der Bühne zuständig. Bei Ratt suchten sie im Publikum zwanzig oder mehr der schönsten Ladies, statteten diese mit Ausweisen aus und präsentierten sie der Band. Die musste sich nur noch wie an einem Buffet bedienen. Nach dem Lesen dieses Buches wird man nie wieder ein Drum Solo ansehen können ohne zu grinsen. Warum? Das will ich nicht verraten, denn es war einer meiner Aha-Momente. Den will ich den zukünftigen Lesern nicht nehmen. Drogen spielten natürlich eine Rolle, werden aber zum Glück nicht übermäßig ausgeschlachtet. Als alle anderen auf Drogen waren, begnügte Stephen sich lange Zeit nur mit Alkohol und Gras. Komischerweise wurde er relativ spät doch noch heroinsüchtig, nämlich erst gegen Ende der 90er-Jahre. Das ging einige Zeit so dahin, bis er in einem lichten Moment erkannte, dass er - inzwischen Ehemann und Vater - nicht so weiter machen konnte und sich selbst in eine Entzugsklinik einwies. Im Großen und Ganzen geht es um den Aufstieg und das Ende von Ratt. Aber es gibt auch einige Anekdoten über mehr oder weniger Bekannte aus der Rockszene - zum Beispiel Eddie Van Halen, mit dem er sich gleich in seinen Aufgangstagen in Los Angeles anfreundete. Was mir wirklich imponiert, ist nicht nur die Ausdauer die er an den Tag legte, sondern auch dass er sich nicht zu schade war ganz klein anzufangen. Er hat nie darauf gehofft durch Glück und Zufall entdeckt zu werden, sondern er hatte einen ganz genauen Plan, wie man sich von den kleinsten Clubs hoch spielt um bekannter zu werden. Er schreckte dabei auch nicht davor zurück, sich quasi in einen der Clubs rein zu schlafen.

 

ISBN-10: 1451694563

ISBN-13: 978-1451694567

Note: Keine Wertung
Autor: Susanne Hentschel


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