DORO - FOREVER WARRIORS, FOREVER UNITED


Label:NUCLEAR BLAST
Jahr:2018
Running Time:118:22
Kategorie: Neuerscheinung
 
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So, lange wurde gerätselt, wie das kommende Doppel-Album unserer Metal-Queen klingen würde, jetzt kann man in die Vollen gehen. Wahlweise als Doppel-CD oder wie in diesem Falle als zweimal Doppel-Vinyl, gibt es fünfundzwanzig Tracks auf die Omme. Obschon einiges an Material ins Balladeske abdriftet. Klar oder? Fangen wir mit dem geilen Artwork an. Wer Schallplatte gewählt hat bekommt leider zweimal dasselbe, nur mit farblich unterschiedlichen Nuancen. Doro ist wieder zwanzig Jahre jünger und die Totenkopf-Fahne war in ähnlicher Form vor ein paar Wochen bereits auf dem aktuellen Frei.Wild Cover abgelichtet. Auf dem Doppel-Vinyl sind jeweils drei Seiten bespielt und auf der vierten gibt es ein Pic. Klappt man die Hüllen auf, gibt es eine Handvoll Fotos und als Inlet, pro Album ein Textblatt. So weit so gut. Natürlich geht es lyrisch bei der Rock-Sängerin um die üblichen Themen: Liebe, Freundschaft, Familie, Zusammenhalt, Musik und Party. Da hat sich, sechs Jahre nach dem letzten Release von „Raise Your Fist“, nicht viel geändert…außer…das Doro´s Stimme besser geworden ist und die Songs etwas besser zünden als die letzten Veröffentlichungen es konnten, zumindest für mich. Da wurden auch jede Menge Gäste eingeladen.

Der Opener „All For Metal“ ist eine Standard-Hymne und haut mich noch nicht wirklich aus den Shorts. Mit dabei ein Team, das sich The Gods Of Metal nennt (Featuring: Mille, Johan Hegg, Sabaton, Chuck Billy, Warrel Dane, Jeff Waters, Ross The Boss, Rock ´n´ Rolf, DeTraktor, Tommy Bolan und Andy Brings And The Ultimate Doro Clan). Die meisten Leser werden die Beteiligten kennen. Wenn nicht ist Internet-Research angesagt, haha. Das Up-Tempo-Stück „Bastardos“, ist schon ein anderes Kaliber und wird live die Bude abfackeln. Da kommt eine Affinität zu Motörhead“ durch. Der erste Hammer ist das Duett mit Johan Hegg, aus dem Hause Amon Amarth, mit „If I Can´t Have You – No One Will“. Das geht runter wie Öl. Nächste Breitseite ist „Blood, Sweat And Rock ´n´ Roll“. Eine typische Doro-Nummer voller Esprit. Und Zack…kommt die erste Cover-Version um die Ecke: „Don´t Break My Heart Again“, im Original von Whitesnake. Gar nicht übel Frau Pesch…gar nicht übel. Mit einer solch gelungenen Ausgabe hätte ich nicht gerechnet. „Love´s Gone To Hell“, hat irgendwie einen Déjà-vu Effekt. Da hat die Lady bereits Ähnliches von sich gegeben. „Freunde Fürs Leben“, ist einer dieser typischen Doro-Klischee Songs, mit Pathos und Plattitüden. Als Nicht-Fan kann so etwas schon weh tun. „Backstage To Heaven“, offeriert tatsächlich eine Saxophon-Einlage von Komik-Kasper Helge Schneider. Na zumindest bleibt uns sein Gesang erspart.

Die Ballade „Black Ballad“, in der fast nur die zwei Worte wiederholt werden (bis auf eine Strophe), verstehe ich nicht so ganz und packe sie mal, trotz des Gitarren-Solos unter „fetter Filler“ ins Archiv. Eine Fremdkomposition aus der Feder des Schweizer Rockbarden Luke Gasser, macht den Abschluss des ersten Doppeldeckers. Geschrieben wurde das Stück für den Film „Anouk III: Die Dunkle Flut / The Dark Flood“. Natürlich wieder eine Ballade. Leider nicht das beste Stück. Kommt irgendwie direkt nach „Black Ballad“. Der zweite Teil des Releases, ist für viele wahrscheinlich der schwächere Part, da einfach zu balladesk. Nach dem Mattenschüttler „Résistance“, geht es in den Mid-Tempo-Bereich, beziehungsweise mit Power-Balladen-Gesang weiter: „Lift Me Up“. „Heartbroken“…nein…ist keine Herz-Schmerz-Attacke, haha. Zumindest nicht im musikalischen Sinne. Doug Aldrich von The Dead Daisies liefert hier ein ordentliches Gast-Solo an der Gitarre ab. Mit „It Cuts So Deep“ huscht Doro knapp am Rock-Schlager (samt Bonnie Tyler Stimme) vorbei. „Love Is A Sin“ ist simpel in seiner Struktur, kann sich aber gut durchsetzen. Mit „Living Life To The Fullest“, huldigt Doro ihren guten Freund und leider bereits verstorbenen Basser und Sänger von Motörhead, Lemmy Kilmister. Ein kerniger Stampfer. „1000 Years“ oder „Tausend Mal Gelebt“??? Ich höre da keinen Unterschied. „Fight Through The Fire“ wurde von Doro´s Basser Nick Douglas komponiert. Ein echter Dampfhammer. Vielleicht hätte Madame ihn etwas öfter zum Zuge kommen lassen. Gehört zum Besten was es auf dem Album zu hören gibt. Ein zweiter nachgespielter Song ist „Lost In The Ozone“, von Motörhead. Und ich bin ehrlich, ich gehörte nie zu den Anhängern der Band…folglich ist Doro´s Variante für persönlich schmackhafter.

Und dann kommt „Caruso“! Wie geil ist das denn! Damit blastet Doro alle Unkenrufe über ihre Stimme ins Jenseits. In Italienisch gesungen, musikalisch im klassisch-symphonischen Korsett. Eine Rock-Arie. Unheimlich emotional und ergreifend. I love it!!! „Tra Como E Coriovallum“, gibt es noch ein Instrumental, das die Künste der Gitarristen Luca Princiottaund Bas Maas hervorhebt. Last but not least, serviert man „Metal Is My Alcohol“. Ja, genau…wie der Titel vorgibt, schön punkig, mit Mitgröl-Refrain…nicht mehr und nicht weniger. Damit liefert Doro eines ihrer besten Alben ab, auch wenn man sich so an die fünf Songs hätte sparen können. Wer hätte das gedacht?

Note: 9 von 10 Punkten
Autor: Steve Burdelak


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