SPOIL ENGINE, HELL CITY (RELEASE PARTY), ALIEN WEAPONERY, HEDONIST

Hasselt, Muziekodroom, 21.09.2018

Dieses Wochenende steht mal wieder ganz im Zeichen der Musik, sozusagen eine BeNe ohne Lux Tour. Und so starten wir mit unserem Motörhome in Richtung Hasselt/Belgien zum dortigen Muziekodroom, wo heute die Release Party des neuen Hell City Album „Flesh & Bones“ stattfinden soll. Die Location befindet sich in einem Gewerbegebiet, und bietet reichlich Parkmöglichkeiten in direktem Umfeld. So platzieren wir unser rollendes Heim mit Blick auf den Albert Kanal in direkter Sichtweite zur Location, und freuen uns schon auf das eine oder andere belgische Bierchen. Was noch fehlt, wäre eine der typischen Frituur Buden, aber wir wollen ja Musik hören und keine belgischen Pommes essen. Der von außen recht unscheinbare Eingang lässt eher auf einen kleinen Hinterhofsaal schließen, doch nach dem Passieren der sich wie von Geisterhand öffnenden Schiebetüren glaubt man die „Tardis“ von Dr. Who betreten zu haben. Ein großer Thekenbereich, ein riesiges Foyer und dann noch einmal extra der eigentliche Saal mit großer Bühne. Weiterhin gibt es hier Proberäume und wohl auch eine Art Musikschule. Nicht schlecht Herr Specht!

Hedonist - 2018 -1Überpünktlich geht es jetzt auch schon los mit Hedonist, einer belgischen Dreierformation. Getreu dem Grundsatz “Three Men Are Enough“ feuern die Jungs dann ihre Mischung aus Stoner, Sludge und Thrash Metal in die Menge. Das kommt gut an, und die anwesenden Metalheads wippen artig mit den Füssen. Man muß sich wohl erst einmal in Stimmung bringen, jedenfalls hat der Zapfhahn keine Pause. Aber es ist der Eröffnungsakt, und wie man das auch aus Deutschland kennt, kommen viele erst zur Hauptband oder nachdem der Support durch ist. Jedenfalls spielt der Dreier aus Genk äußerst kraftvoll die ihm zugestanden halbe Stunde runter. Das kann man sich wirklich gut anhören und geht kompromisslos in die Ohren.

Setlist: Dirtscrapper, The Collapse, His Soul’s Still Dancing, Back To Arkham, Beaumont, I Hedonist, The Urge

 

Alien - 2018 -1Jetzt ist Zeit für die Teens, oh sorry ich meinte natürlich Alien Weaponry. Eine dreiteilige Teenager Thrash Metal Band aus Waipu, Neuseeland, die 2010 von den Brüdern Henry und Lewis de Jong gegründet wurde. Dazu stieß noch Ethan Trembath, und man zeigte bislang eindrucksvoll wie viel Alarm drei Jungs so machen können. Der gleiche Grundsatz, den ich schon bei der vorherigen Band erwähnte. Wenn man bedenkt, dass die Jungs bei der Gründung der Band im Jahr 2010 gerade mal acht und zehn Jahre alt waren, sag ich nur Hut ab! Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich den Auftritt auf dem diesjährigen Metal Days Festival in Slowenien wohl verpasst habe. Wahrscheinlich spielte da gerade wer noch Interessanteres auf der Hauptbühne. Und tatsächlich, wie ich feststellen kann sind auch eine Menge Leute hier im Saal extra wegen den Bubis gekommen. Immerhin enterte ihr Album „Tü“ die neuseeländischen Charts direkt auf Position fünf. Sie durften schließlich den Tour Support für Devilskin stellen, eine der Top Bands in Neuseeland. Verdientermaßen wie ich gerade feststelle, diese Mischung aus solidem Thrashmetal mit Maorieinflüssen rockt wie die Hölle. Das eine oder andere Mal kommt mir Sepultura in den Sinn, wie zu seligen „Ratamahatta“ Zeiten. Heftig sind auch teilweise die Texte der Jungs, sofern sie englisch singen. Die Maori Sprache ist mir weniger geläufig, was aber der Stimmung keinen Abbruch tut. Einfach eine geile Band mit geiler Musik.

Setlist: PC Bro, Holding My Breath, Te Ara, Urutaa, Kai Tangata, Whispers, Raupatu, Ru Ana Te Whenua 

 

Hell City - 2018 -1Der Organisator des heutigen Abends ist nun an der Reihe, die Bühne ist jetzt weitaus aufgeräumter, da das Schlagzeug der beiden Supportbands vorne weg ist. Hell City kommen ebenfalls aus Belgien, genauer gesagt aus der Region Limburg. Dass sie keine Greenhorns mehr sind, ergibt sich nach nunmehr vier Alben natürlich von selbst. Sängerin Michelle Nivelle fegt dann auch gleich wie ein Derwisch über die Bühne, während ihr Schlagzeuger Tommy Goffin die bösartigen Growls dazu beisteuert. Die restlichen Bandmitglieder legen einen solide geknüpften Instrumenten-Teppich unter den Gesang der beiden Protagonisten. So wirkt es recht druckvoll und solide. Das Einzige, was den Gesamteindruck ein wenig trübt, ist der Mann am Lichtmischpult. Junge, die Decke hängt voll mit Beleuchtungs Equipment, warum benutzt du es nicht? Überwiegendes Rotlicht sieht einfach nur kacke aus, auch wenn die Sängerin rote Haare hat. Da sollte man auch als Band mal intervenieren, und auf bessere Ausleuchtung bestehen. Die Zuschauer möchten die Musiker ja vielleicht auch mal in einem anderen Licht und mit etwas Farbenspiel sehen. Das mal nur als kleiner Denkanstoß für zukünftige Shows. Rein musikalisch spielt die Band fließend, wie aus einem Guss, alleine die Nachtigall Michelle könnte für mein Empfinden noch einen Ticken mehr Rotz in der Stimme vertragen. Alles in allem aber eine gelungene Vorstellung der neuen Lieder, und mal von der Beleuchtung abgesehen, eine gute Show die bestimmt den einen oder anderen neuen Fan aktiviert hat.

Setlist: Intro, Playing With Fire, Your Darkest Hour, Kill With Kindness, Me My Enemy, Embrace The Chaos, Bogus Potus, Supernatural, Flesh & Bones, Intro Lies, Victorius, Ice Cold Rage 

 

Spoil Engine - 2018 -2Nun wird es Zeit für den Headliner Spoil Engine und ich vermisse nur die roten Leuchtschilder mit der Aufschrift „Fasten Seatbelts“ Zur Hölle mit jeglichem Weichspüler Metal ist die Devise der belgisch-niederländischen Formation, und man gibt absolutes Vollgas. Die zarte Frontelfe Iris Goessens röhrt einer läufigen Hirschkuh gleich, den Saal in Grund und Boden. Moshpit und Circle Pit tun sich auf, Stagediver wagen mutige Sprünge und mittendrin die Jungs von Alien Weaponry, die einfach mit abfeiern wollen. Ich habe die Band erst vor kurzem beim Bunkerpop gesehen und war fasziniert. Heute legen sie noch einmal eine Schüppe drauf und feuern aus allen Rohren. Mein Lieblingsduo Dave De Loco und Steven „Gaze“ Sanders ulken ein ums andere Mal auf der Bühne herum, ohne dabei aus dem Spiel zu kommen. Diese überaus geniale Mischung aus melodischem Thrash hat tierisch viel Groove und macht so richtig Spaß. Da bleibt kein Mensch ruhig stehen, und auf einmal ist Front Lady Iris mitten im Publikum und mosht mit. Sie genießt sichtlich das Crowdsurfen, überhaupt eine saustarke Show, die hier geboten wird. Selbst das für diese Art Musik eigentlich unübliche Schlagzeugsolo darf nicht fehlen. Die Uhr ist mittlerweile auf weit nach Mitternacht gewandert, und so langsam geht ein aufregender Konzertabend oder besser gesagt, eine gelungene Release Party zu Ende. Natürlich wird jetzt im vorderen Bereich der Halle weiter gefeiert, und ich löse vorsorglich meine restlichen Plastik Münzen gegen die entsprechende Menge an Gerstenkaltschale ein. Schließlich steht ja das Bett in nur knapp 20 Meter Entfernung zum Muziekodroom.

Setlist: Doomed To Die, Hollow Crown, Wastelands, Verdict, Black Sails, Silence Will Fall, G5, Stormsleeper, Disconnect

 



Autor: Pistol Schmidt - Pics: Andrea Breitenbach