STARCRAWLER

Köln, MTC, 03.07.2019

Starcrawler live2019 4So langsam kommen wir in freudige Urlaubsstimmung, aber vorher ist noch ein kleines Konzert im Kölner MTC angesagt. An dem Laden angekommen, erfahre ich zuerst das es heute keine Vorband geben wird. Einerseits finden wir das ganz sympathisch, andererseits hätte man daher aber auch viel später losfahren können. Also zunächst ein wenig ins Gespräch vertieft, mit dem vor der Türe stehenden Betreiber des MTC und einigen wenigen Konzertbesuchern die auch schon vor Ort sind. Irgendwann ist dann auch Einlass und Zeit für ein Getränk. Entspannt sichere ich mir einen Platz in der ersten Reihe und harre der Dinge die da kommen werden. Ein Blick auf eine der Gitarren lässt mich schmunzeln, steht da doch in dicken Lettern drauf „Boobies Make Me Smile“. Okay ein Statement das man so stehen lassen kann. Dazu auf dem Verstärker ein kleines Stofflamm, wohl das Maskottchen des Gitarristen. Und dann endlich verstummt auch die Musik aus der Konserve.

 

Starcrawler live2019 1Die Uhr schlägt viertel vor Neun und jetzt nehmen die männlichen Mitglieder von Starcrawler ihre Plätze auf der Bühne ein. Und dann habe ich eine Erscheinung, denn aus dem Backstage erscheint Sängerin Arrow De Wilde mit ruckartig zuckenden Bewegungen. Himmel was ist das für eine Riesin? Eine Mischung aus Courtney Love und Arjen Lucassen im Anorexia Zustand? Da steht ein zwei Meter großes Geschöpf mit einem geschätzten Gewicht von kaum mehr als fünfzig Kilo. Ihre nackten Oberschenkel haben in etwa den Umfang meiner Unterarme. Übrigens ist das Mädel die Tochter der Fotografin Autumn de Wilde und des Schlagzeugers Aaron Sperske. Im Sommer 2015 gründeten Arrow De Wilde und Schlagzeuger Austin Smith die Punkrock Kapelle, mit dem Ziel gemeinsam Musik zu machen. Später kamen noch Henri Cash an der Gitarre und Tim Franco als Bassist dazu. Direkt zeigt der Vierer die Marschrichtung an und donnert mit voller Kraft los. Pogo schon beim ersten Lied sieht man auch selten, aber jetzt steppt hier der Bär. Front Lady Arrow bewegt sich wie eine autistische Epileptikerin, rollt mit den Augen, zieht Grimassen und lebt praktische ihre Texte aus. Gitarrist Henri im modischen Cowboy Fransen Hemd, natürlich in der Farbe Pink was sonst? Und auf dem Rücken dieses Designerstückes findet sich das Lämmchen als Stickerei wieder. Jedenfalls rockt er wie die Hölle und feuert seine punkig thrashigen Riffs wie mit dem Maschinegewehr in die Menge. Dabei tobt er gefährlich nahe am Bühnenrand und man muss achtgeben, nicht den Hals des Instrumentes vor den Kopf zu bekommen. Der totale Gegensatz ist Bassist Tim, sowas von relaxt habe ich bei dieser Art Musik selten erlebt. Starcrawler live2019 3Fast bewegungslos spielt er seine Parts und bleibt am rechten Rand der Bühne eher im Hintergrund. Nach wenigen Songs ist es Arrow scheinbar schon dermaßen heiß geworden, das sie sich eine Flasche Wasser über den Kopf schüttet und sich schüttelt wie ein Hund im Regen. Und mit einem satten Schwung entleert sie den Rest der Buddel in die erste Reihe des Publikums. Sollen ja alle etwas davon haben. Überhaupt kommt es im Verlauf der Show öfters zu „Mundduschen“ durch Sängerin und Gitarrist. Pure Energie und artistische Posen wechseln sich ab, mal kauert Arrow vor dem Schlagzeug dann bildet sie rücklings eine Brücke und lässt sich von der Gitarre stimulieren. Oder sie nimmt das Mikrofon selber in die Hand und führt eindeutige Bewegungen damit aus, die ich hier nicht näher erläutern kann, da wir auch minderjährige Leser haben. Mehrmals deutet sie auch eine heftige Strangulation mit dem Mikrofonkabel an. So ein wenig morbide Stimmung kann sie recht gut erzeugen.Die Zuschauer sind begeistert und es wird gepogt und ausgelassen gefeiert. Musikalisch erinnert mich heute Abend viel an alte Runaways Klassiker mit etwas doomigeren Riffs allerdings. Und plötzlich ertönt ein mir nur allzu vertrauter Riff, jawohl das ist „Pet Cementary“ von den Ramones. Sehr schön, da spürt man doch den rebellischen Spirit der siebziger Jahre, obwohl da kein Mitglied dieser Truppe schon auf der Welt gewesen ist. So zocken die Vier einen Song nach dem anderen, ohne viel Gequatsche einfach nur Musik. Der Mann an der Gitarre scheut auch keine Ausflüge ins Publikum, ganz im Gegenteil er sucht die Nähe zu den Fans. Nach einer dreiviertel Stunde ist der reguläre Teil dann zu Ende und man verschwindet kurz in Richtung backstage. Dabei bleibt die Gitarre mit einem ohrenbetäubenden Feedback auf dem Bühnenboden liegen. Wohl dem der seine Ohren geschützt hat. Und natürlich kommt der frenetisch geforderte Zugaben Teil mit zwei weiteren Songs. Starcrawler live2019 5Als letzte Nummer das „Chicken Woman“, in dem Sängerin  Arrow de Wilde das Kunst Blut aus dem Mund läuft und ihre Mimik sowie ihre Gestik dem eines absolut unzurechnungsfähigen Psychopathen schon sehr nahe kommt. Alles nur Teil der Horror Show natürlich. Am Ende springt sie dann ins Publikum und lässt sich über die Menge surfend zur Bühne tragen. Dort kriecht sie dann auf allen Vieren von der Bühne ins Off. Während dessen drückt Henri einer äußerst überraschten Zuschauerin seine Gitarre in die Hand, holt sie auf die Bühne und lässt sie darauf herum shreddern. Jetzt ist die Darbietung nach einer Stunde Spielzeit zu Ende. Eine klasse Show die sich sehr gut auf den diversen Motto Veranstaltungen für Hell- und Horrornächte machen würde. Kurz darauf findet sich die komplette Band am Merchandise ein und gibt Autogramme, hält Small Talk und steht für Fotos zur Verfügung.

 



Autor: Pistol Schmidt - Pics: Andrea Breitenbach