DEAD VENUS - BIRD OF PARADISE


Label:SELBSTVERTRIEB
Jahr:2019
Running Time:55:13
Kategorie: Eigenproduktion
 

Sie ist schon ein echter Paradiesvogel, die Schweizerin Seraina Telli. Gestern noch die Frontsirene der All-Girl-Metal Kapelle Burning Witches, überrascht sie heute mit einem ungewöhnlichen Album ihres eigenen Projektes Dead Venus. Ungewöhnlich deswegen, weil ich alles von ihr erwartet hätte, aber nicht solch ein Meisterstück. Befreit von allen Fesseln, sprengt sie das enge Korsett und tobt sich kompositorisch und gesangsmäßig auf dem großen Schlachtfeld der Rock Musik aus. Die Scheibe beginnt mit einem zarten, getragenen Klaviersolo. Ist sie denn so ruhig geworden, frage ich mich gerade noch, als mich die tonnenschweren Riffs vom Titelsong „Bird Of Paradise“ eines Besseren belehren. Eine mit fast schon zerbrechlicher Stimme gesungene Passage, wird jäh durchbrochen von einem bombastischen Refrain. Eine mitreißende Nummer mit starker Melodie und großartigem Gesang. Jetzt folgt „Kiss Of The Muse“ mit ebenfalls sehr ruhigem Einstieg, um sich zu einem gewaltigen Opus zu entwickeln, wie eine Mischung aus Avatarium und Led Zeppelin. Mit „Dark Sea“ nimmt Seraina das Tempo etwas heraus und präsentiert uns eine gefühlvolle Ballade.

Es ist schon wirklich aufregend sich durch dieses Album zu hören, ob das mit Akustik Gitarre verfeinerte „Human Nature“ oder das an Siouxsie Sioux erinnernde „The Beauty“ mit Jazzeinflüssen. Ich spare mir, auf jeden Song im Einzelnen einzugehen, das nimmt ja die Überraschungen. Jedes Stück ist eine echte Perle, die es zu entdecken gibt. Okay, das Instrumental „Valediction“ hätte ich persönlich jetzt nicht unbedingt gebraucht, aber sei es drum. Der einzigartige Stilmix aus Retro-Rock, Progressive Rock, Blues und Jazz Elementen, sparsam gewürzt mit einigen New Wave Sprenkeln ist definitiv keine Hintergrundberieselung. Die Scheibe wächst mit jedem Hördurchgang. Ziemlich überrascht bin ich auch von der Tatsache, dass die Schweizerin für alle Songs sowohl kompositorisch, als auch für die Texte verantwortlich ist. Hut ab Miss Telli, das schießt wahrlich den Apfel vom Kopf. Das ist ganz großes Kino! Wer frische und abwechslungsreiche Musik mit Gefühl außerhalb vom Mainstream sucht, dem sei dieses Album wärmstens empfohlen.

Note: 9 von 10 Punkten
Autor: Pistol Schmidt


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