MAGOTH - Es gibt auf dieser Welt niemanden der wichtiger ist, als Du selbst!


Drei Alben in drei Jahren, und das trotz Besetzungswechseln und ohne Qualitätsverlust! Das ist eine Leistung, die heute kaum noch eine Band richtig hinbekommt. Magoth sind einer dieser Fälle. Die deutschen Black Metaller hauen Ende November ihr drittes Album „Invictus" raus, welches erneut Old School Black Metal im Gewand der Neunziger bietet, ohne dabei altbacken zu klingen. Dabei erfinden sie sich ein weiteres Mal und bleiben interessant und innovativ. Nach der Veröffentlichung des zweiten Albums „Zeitgeist : Dystopia" hat es gewaltig gekracht im Gebälk. Frontmann Heergott klärte mich auf, was da alles los war.

logoDaniel: HELL-ö Heergott! Seit dem letzten Album „Zeitgeist : Dystropia“ im Jahr 2018 ist viel bei Euch im Lager passiert. Du hattest angeblich einen sechswöchigen Aufenthalt in der Psychiatrie, und nach Deiner Rückkehr sind alle Deine Mitstreiter ausgestiegen. Was zur Hölle war da bei Euch los?

Heergott: Kurz vor und während den Arbeiten zu „Zeitgeist : Dystopia'' habe ich schwere Depressionen und eine Panikstörung entwickelt. Da ich in dieser Zeit außer Gefecht gesetzt war, hat ein Mitstreiter das Ruder übernommen. Leider hat sich in dieser Zeit herauskristallisiert, dass seine und meine Vorstellungen sowohl konzeptionell als auch musikalisch immer weiter auseinander gingen. Da Magoth schon immer mein Baby war, ich aber keine Kraft hatte, dagegen zu steuern, musste ich ihn gewähren lassen. Das Ergebnis war ein halb fertiges Album mit Texten, die nicht von mir stammen. Es gab sehr viele hitzige Auseinandersetzungen zwischen uns, die die sonstige Einheit zwischen allen Musikern nachhaltig beschädigt hat. Als ich dann im Februar 2019 für sechs Wochen in Reha ging, um mich auf meine geistige Gesundheit zu fokussieren, verkündete ein Mitglied seinen Ausstieg. Als ich nach meiner erfolgreichen Behandlung und der anschließenden Rückkehr versuchte zu retten, was noch zu retten war, entschieden sich auch die anderen beiden Mitglieder, bei Magoth auszusteigen. Im Nachhinein betrachtet war dieser „Reset'' aber absolut nötig und richtig.

Daniel: Wie bist Du auf Deine drei neuen Mitstreiter aufmerksam geworden? Kanntet Ihr Euch vorher schon?

Heergott: Ich habe in den sozialen Medien einen Aufruf gestartet, dass Magoth neue Mitmusiker sucht, und es haben sich schnell mehrere Musiker beworben. Gitarrist und Bassist waren schnell gefunden, aber mit den ersten beiden Schlagzeugern hat es leider nicht gut geklappt, da Widrir aus dem alten Line-Up relativ große Fußstapfen hinterlassen hat, die nicht so einfach gefüllt werden konnten. Mit Alator hat sich dann aber schließlich jemand gefunden, der sich als genau richtig erwiesen hat. Ich kannte noch keinen der Jungs.

Daniel: Ursprünglich sollte Euer neues Album gar nicht „Invictus“ heißen, sondern „Hydra“. Wodurch kam es zu der Umbesinnung? Und handelte es sich bei „Hydra“ um ein komplett anderes Album, welches vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch veröffentlicht wird?

'Heergott: „Hydra'' war der Arbeitstitel des neuen Albums, da sich die Mythologie um die Hydra thematisch sehr gut geeignet hat. Wenn ihr ein Kopf abgeschlagen wird, wachsen zwei neue nach und ist somit quasi unbesiegbar – eine Analogie, welche auf meine gesundheitliche Leidensgeschichte sehr gut passt. Irgendwann kam mir dann aber der Begriff „Invictus'' in den Sinn, welcher mir noch passender schien – der Unbesiegbare. Hiermit ist aber weniger meine Standfestigkeit gegenüber äußeren, negativen Einflüssen gemeint, sondern eher mein Sieg gegenüber meinen inneren Abgründen, mit denen ich nun leben muss. Die Hydra ist aber als Symbolbild auf dem Cover-Artwork erhalten geblieben. Die Anzahl der abgeschlagenen Köpfe entspricht genau denen der ehemaligen Mitglieder. Aus „Hydra'' wurde also „Invictus'', und es handelt sich somit um ein- und dasselbe Album.

magothDaniel: Steckt eigentlich ein bestimmtes Konzept hinter „Invictus“? Und wenn ja: Worum geht es da genau?

Heergott: „Invictus'' ist eine Abrechnung sowohl mit mir selbst als auch mit ehemaligen Mitgliedern und Wegbegleitern, die mir nicht gut getan haben und auch eine Mitschuld an meiner seelischen Verfassung getragen haben. Die Themen Depressionen, Panik, Verrat, Enttäuschung, Wut und Verzweiflung hatten bei der thematischen Auslegung dieses Albums einen besonders hohen Stellenwert. Mit „Cain'' und „The False King'' werden zwei ganz bestimmte Personen angesprochen, und diese werden sich hoffentlich auch angesprochen fühlen.

Daniel: Wie lange hat es gedauert, die Songs zu schreiben und aufzunehmen?

Heergott: „Ikaros'' ist schon während der Arbeiten zu „Zeitgeist : Dystopia'' entstanden, wurde aber zu meinem Bedauern vom Rest der damaligen Band abgelehnt. Die restlichen Songs sind in etwa zwölf Monaten mit Unterbrechungen entstanden. Die Aufnahmen gingen zügig voran, wir haben zusammengenommen sechs Tage im Studio verbracht.

Daniel: Das Cover-Artwork finde ich ziemlich geil! Wer hat es entworfen?

Heergott: Wie alle anderen Artworks ist auch dieses Artwork wieder von Riaj Gragoth von Luciferium War Graphics entworfen worden.

Daniel: Wird es erneut auch eine Vinyl-Version von „Invictus“ geben?

Heergott: Eine Vinyl-Version ist fest eingeplant und wird vermutlich im Frühjahr 2021 erscheinen.

Daniel: Ihr habt erneut bei Mario Dahmen im Liquid Aether Studio aufgenommen. Das Ergebnis kann sich hören lassen! Seid Ihr mittlerweile ein eingespieltes Team, das weiß, wie der andere tickt?

Heergott: Die Arbeiten am Album waren dieses Mal deutlich entspannter als zu „Zeitgeist : Dystopia'', da ich psychisch wieder stabil bin und dadurch wieder konzentriert arbeiten kann. Da wir schon zwei Produktionen gemeinsam gestemmt haben, waren dieses Mal natürlich weniger Diskussionen nötig, um zu einem gemeinsamen Nenner zu kommen.

Daniel: Du warst ja früher bei Cerberus. Eure damalige Schlagzeugerin Astrega hat mit Eurem Produzenten eine Mini-CD unter den Bandnamen Schwermut veröffentlicht. Kennst Du das Ding? Und hast Du zu Astrega durch Mario noch Kontakt? Oder ist das eher ein zufälliger, gemeinsamer Nenner, der Euch verbindet?

Heergott: Ja, ich kenne die Scheibe und finde sie gut. Astregas und meine Wege haben sich aber kurz nach der Auflösung von Urfrost, dem Nachfolger von Cerberus, getrennt, und wir haben seitdem auch keinen Kontakt mehr.

magothDaniel: Warum handelt es sich bei Magoth für Dich – trotz Auswechselung der kompletten Besetzung – immer noch um dieselbe Band?

Heergott: Magoth war, wie bereits erwähnt, schon immer mein Baby. Alle Songs wurden bisher immer von mir geschrieben, wobei jedes Mitglied natürlich auch einen kreativen Anteil an der Entstehung der Stücke trägt, der sehr wichtig und auch nicht wegzudenken ist. Die neuen Mitglieder Alator, Asmodis und Arakiel bringen wieder neue Einflüsse mit, worüber ich sehr froh bin. Magoth wird aber immer meine Handschrift tragen und wird auch immer Magoth bleiben, solange ich das Ruder in der Hand halte.

Daniel: Ihr hattet mit drei Alben in drei Jahren – trotz Besetzungswechseln – ein strammes Programm. Wie sieht die Zukunft von Magoth aus?

Heergott: Es wird auch weiterhin Alben von Magoth geben. Ich schreibe für mein Leben gerne Musik und habe mit dieser Band meinen Fels in der Brandung gefunden, der mir sehr viel Lebensenergie gibt und auch einen starken Rückhalt bietet. Natürlich weiß man nie, was die Zukunft bringt, aber es ist gewiss, dass Magoth auch weiterhin sein Unwesen in der Musikwelt treiben wird.

Daniel: Na gut, Heergott! Dann gebührt Dir noch das Schlusswort!

Heergott: Ich habe während meiner Reha eine wichtige Lektion fürs Leben gelernt: Auch, wenn immer wieder behauptet wird, es sei nicht so, aber es gibt auf dieser Welt niemanden der wichtiger ist, als Du selbst. Höre Deinem Körper aufmerksam zu, lerne Dich selbst zu lieben und Dir Fehler zu verzeihen und trenne Dich ohne Rücksicht von Menschen und Einflüssen, die Dir nicht gut tun.

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Autor: Daniel Müller