ORPHALIS, MY DOMINION

Dortmund, Subrosa, 22.08.2025

Orphalis - My Dominion - Flyer - live - 2025Das Subrosa in der Dortmunder Nordstadt kenne ich schon ewig. Drinnen war ich aber noch nie. Das sollte sich heute endlich ändern. Bei freiem Eintritt (eine Spendenbox wurde am Eingang bereitgestellt) spielen heute zwei lokale Death Metal-Bands, die mir beide ein Begriff sind, die ich bisher aber auch noch nie live gesehen hatte. Das Subrosa ist eine kleine, dunkle, aber gemütliche Kneipe mit entspannter Atmosphäre und ist heute Abend mit schätzungsweise fünfzig Leuten gut gefüllt.

My Dominion - live - 2025Los geht’s um 20 Uhr. „Hallo Dortmund, wir sind My Dominion aus Eurer Pokal-Angstgegner-Stadt Essen“, heißt Sänger Martin Rätzke das Publikum willkommen und macht damit eine Anspielung auf das DFB-Pokalspiel vor wenigen Tagen. Eine CD gibt es bislang nur von der Essener Melodic Death Metal-Band, „Consumed“. Diese erschien bereits 2014 und wird heute für 10 € am Merch-Stand angeboten, der sich direkt rechts neben dem Eingang findet. Ich bin überrascht, wie gut der Sound in dem kleinen Schuppen ist. Und My Dominion haben sichtlich Bock, heute in Wohnzimmeratmosphäre zu spielen. Es wird munter gepost und gebangt. Es gibt ein paar unterhaltsame Ansagen. Auch Gitarrist Stefan Etscheid, der bereits mit seiner anderen Band Corporal Shed im Subrosa gespielt hatte, betont, dass er sich freut, wieder hier zu sein. Zudem wird das Jubiläumskonzert im Turock mit Frostshock und Toxic Order am 28.11.2025 noch angekündigt. Der kurzweilige Auftritt lässt die Zeit verfliegen, und nach einer Dreiviertelstunde ist Schluss. Das Band-Banner bleibt aber hängen. Orphalis haben kein eigenes mit. 

Orphalis - live - 2025Um 21:10 Uhr betritt dann die Dortmunder Tech Death Metal-Band Orphalis die kleine Bühne. Auch hier ist der Sound gut. Und ich bin überrascht, wie geradlinig die Musik rüberkommt. Ich finde dieses Genre ja an sich sehr anstrengend. Orphalis schaffen es aber scheinbar spielend, dennoch Arsch zu treten. Zwar ist das alles sichtlich und hörbar gut gespielt, aber hier wird straight durchgeblastet, ohne dass ich das Gefühl habe, Bruchrechnen beherrschen zu müssen. Es gibt einige knifflige, verzwickte Breaks, bei denen ich mir einen abbrechen würde. Diese stören den Spielfluss aber in keinster Weise. Im Gegensatz zu My Dominion, wo alle Mitglieder auf der kleinen Bühne standen, stellt sich Orphalis-Sänger Thomas Szeczecina davor, damit seine Hintermannschaft mehr Platz hat. Ein paar Zuschauer dürfen auch spontan mit in sein Mikrofon brüllen, obwohl sie nachweislich weder Text noch Stimmlage beherrschen, haha! Das macht aber nichts. Auch hier steht der Spaß im Vordergrund. Und den hat die Band definitiv auch! Linkshänder-Gitarrist Jens Dürholt guckt den gesamten Gig über sehr fokussiert. Die anderen, allen voran Bassist Thomas Köhler, der praktisch über die komplette Spielzeit hinweg grinst, kommen sehr locker rüber und scheinen das komplexe Material mit Leichtigkeit runter zu spielen. Frontmann Thomas erzählt, dass er schon oft als Stammgast im Subrosa war und der alte Proberaumbunker nur knapp zweihundert Meter von der Kneipe entfernt ist. Ich bin davon ausgegangen, dass Orphalis als Headliner, mit vier Alben im Rücken, etwas länger spielen. Tatsächlich spielen sie aber kürzer als My Dominion. Nach nur 38 Minuten ist Schluss, und Zugaberufe werden ignoriert. Ich kann das aber total gut nachvollziehen, wenn man bedenkt, wie komplex ihre Musik ist. Da verlangen vierzig Minuten schon eine Menge Konzentration ab.

Egal, nach dem Gig wurde noch weiter getrunken und geplaudert. Es fühlte sich ein bisschen an wie ein Klassentreffen mit vielen bekannten Gesichtern. Das Subrosa sollte ruhig häufiger mal Death Metal-Konzerte dort veranstalten. Vom Bahnhof ist die Kneipe auch nicht weit entfernt, und somit finde ich auch gut und schnell den Anschluss nach Hause.



Autor: Daniel Müller - Pics: Daniel Müller