GROTESQUE - INCANTATION (EP)


Label:DOLORES
Jahr:1990
Running Time:22:29
Kategorie: Classics
 

Kürzlich ist At The Gates-Frontmann Tomas Lindberg seinem Krebsleiden erlegen und von uns gegangen. Seine Band war wegweisend für das Genre; sowohl für den Melodic Death Metal als auch für Progressive Death Metal-Bands. Er hat mit seiner Combo den Göteborg-Sound geprägt wie kaum ein anderer. Dennoch wurde ich mit ihrer Musik nie so richtig warm. Live waren sie aber immer ein Brett! Was eher Underground Death Metallern geläufig ist, ist die Band, die er vorher hatte: Grotesque gelten als Kult in der Szene. Sie existierten nur von 1988 bis 1990. In dieser Zeit gab es - neben zwei Rehearsal Tapes – nur zwei Demos (eins davon blieb zu Lebzeiten der Band noch unveröffentlicht) und eine 12“ EP. Es ist etwas schwierig, somit einen geeigneten Tonträger für ein Classic Review auszugraben. Die beiden Proberaum-Demos wurden nie offiziell veröffentlicht. Das einzige reguläre Demo „The Black Gate Is Closed“ aus dem Jahr 1989 hat einen sehr dumpfen Sound und ist auch später nie richtig auf die Menschheit losgelassen worden. Das zweite, damals noch unveröffentlichte Demo „In The Embrace Of Evil“ ist eigentlich am geläufigsten, kam aber erst raus, als es Grotesque längst nicht mehr gab. Bleibt nur noch die EP „Incantation“, die aber nur fünf Tracks enthielt.

Es gibt noch eine Compilation namens „In The Embrace Of Evil“. Aber auch hier wurde nichts komplettiert. Das gleichnamige Demo ist hier zwar drauf zu finden; ebenso wie die EP. Das „The Black Gate Is Closed“-Demo fehlt hier trotzdem. Außerdem ist die Tracklist wild durcheinander gewürfelt, und sowohl Demo als auch EP überkreuzen sich. Total blöd, dass man hier nicht chronologisch vorgegangen ist, zumal das fehlende (und einzige offizielle!) Tape hier von der Spielzeit noch locker mit drauf gepasst hätte... Sei´s drum. Ich habe mich somit für die 12“ EP „Incantation“ entschieden, die von all ihren Veröffentlichungen auch den saubersten Sound hat. Musikalisch ging es in eine ganz andere Richtung als At The Gates. Grotesque waren eher dem Black-/Death Metal zuzuordnen, waren von den Songs her viel simpler gestrickt und hatten einen bösen Spirit. Schöne Leadgitarren fehlen hier ebenso wie technische Finessen. Die EP beginnt mit einem kurzen düsteren Keyboard-Intro und geht direkt in ein doomiges Riff über, bevor es im weiteren Verlauf richtig ruppig wird. Dazu gibt es wilden, kehligen Gesang, der sehr räudig daherkommt. In „Spawn Of Azathoth“ ertönen Laute einer Bestie und eine dämonische Lache, bevor die diabolischen Riffs ertönen. „Nocturnal Blasphemies“ ist dann am ehesten reiner Death Metal, wenn auch mit sehr finsterer Aura.

„Submit To Death“ beginnt mit einem thrashigen Riff und enthält sogar wilde Blastbeats, wenn auch sehr stümperhaft gespielt. „Blood Runs From The Altar“ ist rasender Black/Thrash Metal in Reinkultur und hat im Prinzip das vorweg genommen, was Bands wie Nifelheim oder Aura Noir Jahre später erst ausgemacht hat. Grotesque pendelten fließend zwischen rotzigem Thrash-, Death- und einem Hauch Black Metal, wie man ihn damals noch nicht kannte, aber heute kennt. Tomas Lindberg klingt hier viel rabiater als später bei At The Gates. Kultig ist auch, dass der bekannte Coverzeichner Kristian "Necrolord" Wåhlin hier sogar Bandmitglied war! Grotesque klangen genauso wüst wie andere, ähnlich gepolte Bands zu dieser Zeit, wie Necrovore, Incubus oder Slaughter Lord. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar, hatte man doch nur Tapetrading bestrieben und noch gar kein Internet verfügbar, um andere Bands kennenzulernen. Die Original-EP ist leider teuer. Wer es günstiger haben will, sollte tatsächlich auf die „In The Embrace Of Evil“-Compilation mit dem unveröffentlichten Demo und der EP zurückgreifen, die es auf CD, Vinyl und Tape gibt, auch wenn die überschaubare Diskografie der Band leider nicht komplett ist...    

Tracklist:
Side A:
Incantation (7:21)
Spawn Of Azathoth (2:38)

Side B:
Nocturnal Blasphemies (4:37)
Submit To Death (3:28)
Blood Runs From The Altar (4:25)

Line-Up:
Tomas "Goatspell" Lindberg (R.I.P. 2025!) – Bass, Vocals
Kristian “Necrolord“ Wåhlin – Guitar, Keyboards
Alf Svensson – Guitar, Keyboards
David “Nuctemeron“ Hultén – Bass
Tomas "Offensor" Eriksson - Drums

Note: Keine Wertung
Autor: Daniel Müller


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