KRAFTWERK

Bochum, RuhrCongress, 30.11.2025

kraftwerk1Beim Betreten der Eingangshalle zur Konzerthalle, um einen Blick aufs Merchandise zu erhaschen, ist uns erstmal die Kinnlade bei den Preisen runtergefallen und traurig auch die enttäuschten Sätze vieler Fans, dass sie ja „gerne auch was gekauft hätten, aber bei den Preisen“. Die waren ja noch gesalzener als bei den Heavy-Metal-Konzerten, zu denen ich sonst aufschlage. Das war aber auch der einzige Minuspunkt an dem Abend. 

 

kraftwerk210 Minuten vor 20 Uhr wurden des vier stilisierten Sprites (dabei handelt es sich um animierte 8-Bit-Blockgrafik - Anmerkung des Verfassers) auf der Leinwand bei einem recht unheimlichen Sound gezeigt. Dann aber betraten Kraftwerk, die vier Mensch-Maschinen endlich pünktlich die Bühne. Man hat ja schon beim Tourslogan "Multimedia Tour 2025" fast erwartet, dass sie gar nicht selbst erscheinen, wird Kraftwerk doch schließlich auch als Gesamtkunstwerk betrachtet, aber dem war glücklicherweise nicht so. Es begann eine hypnotische Reise (bekackt, hätte ich mal Emma, Molly oder Pilze eingeworfen) mit viel Zahlengewirr und tollen Animationen, die super zur Musik passten. Direkt mit "Numbers" und "Computerwelt" ging es los und die Leute beschwerten sich tatsächlich, dass es zu leise wäre. Das liegt natürlich an den heutigen Pussy-Bestimmungen, die spätestens seit der Pandemie jeglichen Spaß bei Konzerten mit Lautstärkebeschränkungen und zusätzlichen Absperrungen reglementierte. Der Band schien das aber auch auf den Sack zu gehen und irgendwann wurden auch mal die Regler aufgedreht. Bei den verrückten Sounds und echt tanzbaren Rhythmen hörte man da schon, wer der Urheber jeglicher elektronischen Musik ist. Abgefahren war auch die Beleuchtung, denn nur die Musiker, deren Pulte und das Podium hatten eine eigene Beleuchtung. Keine Strahler Effekte von irgendwo. Hätte wahrscheinlich auch die Atmosphäre des 80er Jahre Tron-Film-Stils, der allein durch die cool in allen Farben beleuchteten Anzüge entstand, zerstört. Zwischendurch gab es dann auch mal einen Tribut an Ryūichi Sakamoto, mit dem Originalmitglied Ralf Hütter seit vielen Jahrzehnten befreundet ist und der den japanischen Text zu "Radioaktivität" geschrieben hat, was nach der Titelmusik aus "Merry Christmas, Mr. Lawrence" (was ich witzigerweise auch mal für ein Videospiel für den C64 Anfang der 90er vertont habe) folgte. kraftwerk3Während manche spekulierten, dass Kraftwerk eigentlich nur dort stünden und in ihren Pulten Asterix-Hefte lesen würden, glaube ich irgendwie weniger daran, dass da nicht doch, allein aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung, an Knöpfen gedreht und Tasten bedient werden. Schließlich wurden die Songs individuell vorgetragen und Ralf, der den kompletten Leadgesang übernahm, macht live sogar das Stöhnen bei "Tour de France". Von diesem Album wurden auch noch einige andere Stücke, wie z.B. "La Forme", gespielt. Bei "Tour de France" oder bspw. auch "Das Model" wurden tolle Videosequenzen eingespielt. Weitere Highlights boten natürlich "Autobahn" und "Trans Europa Express". Bei "Music Non Stop" ging einer nach dem anderen von der Bühne, aber die Menge war sichtlich begeistert und forderte lautstark Zugabe. Die Band kam tatsächlich nochmal für "Die Roboter" heraus. Nach 135 Minuten war dann die Show vorbei und wir freuten uns wie kleine Kinder, hier gewesen zu sein. Fast alle Hits waren dabei, die Animationen sehr hypnotisierend. Eigenartig, dass so wenig Leute getanzt haben, zudem den Schreien nach Erhöhung der Lautstärke inmitten der Performance auch mal nachgegeben wurde. Endlich einen Kindheitstraum erfüllt und ich kann mich nicht genug bei Kraftwerk für diese tolle Liveerfahrung bedanken. Es waren übrigens auch viele Heavy-Metal-Fans dort. Deren zeitlose Musik scheint einfach szeneübergreifend populär zu sein.

 



Autor: David Ivanov - Pics: David Ivanov