Daniel:Hallo Hannes! Ich habe Eure Karriere, ehrlich gesagt, nur so sporadisch verfolgt, kenne Euch aber tatsächlich schon seit dem Debüt-Album „Explizite Lyrik“. Dort hattet Ihr fast ausschließlich Coversongs gespielt. Wie kam es damals zu der Songauswahl?
Hannes: Na ja, das erste Album war halt eine Best Of der ersten sechs Jahre der Band und ein paar Stücke, die neu für die Platte gemacht wurden. Ab dem zweiten Album waren wir Profi-JBOler. Also vom Musik machen gelebt haben wir schon vorher, aber ab 1996 dann eben nur noch J.B.O.
Daniel: Wie trefft Ihr Eure Coversong-Auswahl überhaupt? Ihr habt ja nicht nur Metal-Songs gecovert, sondern Euch in allen möglichen Genres ausgetobt; sogar Techno! Wie breit gefächert ist Euer Musikgeschmack wirklich? Hört Ihr privat auch solche Musik? Ist es eine Art Freude am Experimentieren für Euch als Musiker? Oder gibt es manchmal Texte, zu denen Euch sofort eine Parodie drauf einfällt; egal ob Ihr einen Song nun persönlich gut findet oder nicht?
Hannes: Es spielt absolut keine Rolle, ob uns ein Original-Song gefällt. Uns muss das gefallen, was wir daraus machen. Nur kannst Du eben sehen, ob uns was gefällt oder nicht. Denn wenn nicht, wird es musikalisch krass verändert.
Daniel: Warum habt Ihr Euch eigentlich für die Metal-„Anti“-Farbe rosa als Markenzeichen entschieden? Ist das eine Entscheidung als „Schnapsidee“ aus dem Bauch heraus gewesen? Oder habt Ihr Euch ganz bewusst dazu entschieden?
Hannes: Och, das war irgendwie so ´ne Schnapsidee, weil Holmers (erster Schlagzeuger) Drumkit damals halt pink war. Und wir fanden alles „besser“ als schwarz. Aber wenn Du siehst, wie wir auftreten, dann ist schwarz schon die bestimmende Farbe. Aber so ein bisschen pink ist dann auch ganz nett.
Daniel: Wie kam es dazu, dass es von „Ein Schöner Tag Zum Sterben“ so viele verschiedene Versionen gibt? Ist das etwas, das spontan im weiteren Verlauf von Album zu Album gewachsen ist? Oder steckt mehr dahinter?
Hannes: Nein,da war von Anfang an unserer Karriere die Idee, dass auf jeder CD – eben auch bei Maxi-Singles – eine eigene Version drauf ist. Der Vorsatz hat aber nur bis zur dritten LP „Meister Der Musik“ gehalten.
Daniel: Wie kommt es eigentlich, dass Ihr neben Musik auch viele Sketche aufgenommen habt? Seht Ihr Euch nicht nur als Band, sondern – ähnlich wie Monty Python oder Badesalz – auch als Comedy-Truppe allgemein?
Hannes: Hmm, ob wir uns als Band oder als Comedy-Truppe sehen, ist, glaube ich, eher von außen interessant. Wir machen, wie gesagt, immer das, was wir gerade am besten finden. Auf der neuen Platte „Haus Of The Rising Fun“ ist ja auch „nur“ ein kliner Spoken Word-Track drauf, und das ist eigentlich auch nur ein Intro für den Song „Woke On The Smater“ danach. Das kann aber auch bei zukünftigen Platten oder ähnlichem auch wieder ganz anders sein.
Daniel: Gab es eigentlich jemals Klagen von gecoverten Bands, die zufällig auf Eure Parodien gestoßen sind und sich „in ihrem Image verletzt fühlten“ oder so etwas?
Hannes: Ja, es gab zwei Androhungen: einmal von der Plattenfirmavon James Last (nicht von ihm selbst!) wegen unseres eigentlichen Namens James Blast Orchester, und dann von Rammsteins Management damals wegen „Ein Bisschen Frieden“. Nur war der Song halt gar nicht von Rammstein, sondern von Ralph Siegel. Und beides war schon im letzten Jahrtausend, ist also echt laaange her.
Daniel: Apropos Verklagen: Eure Name lautet ursprünglich James Blast Orchester. Ihr seid dafür verklagt worden. Wie zur Hölle kam der alte James Last auf den Trichter, dass sein Name von einer damals noch jungen Band verhöhnt wird, wo er doch mit Rockmusik im weitesten Sinne doch nun rein gar nichts am Hut hat? Wie seid Ihr damals aufgeflogen?
Hannes: Ja, wie gesagt: Wir sind auch nicht verklagt worden. Nur hatte die Polydor damals noch fest angestellte Anwälte, denen es halt langweilig war. War für uns aber nur positiv, denn wir nannten uns ja von Anfang an J.B.O. Auf das James Blast Orchester zu verzichten und dafür in der Bild zu stehen mit „James Last verklagt Erlanger Band“ kam halt zeitlich genau richtig zu unserem Aufstreben.
Daniel: Neben der Tatsache, dass Ihr ständig andere Songs covert, gab es aber auch das Phänomen, dass Euch Songs zugeschrieben wurden, die gar nicht von Euch waren, was falsch benannten MP3-Dateien im Netz geschuldet gewesen sein soll, z. B. „Dschingis Khan“ von Donald Dark oder „Arbeitslos Und Spaß Dabei“ von Illegal 2001. Gab es da eigentlich auch Streitereien wegen Urheberrecht etc.?
Hannes: Donald Dark waren damals ja enge Freunde, und „Arbeitslos Und Spaß Dabei“ war eben nicht von Illegal 2001, sondern von Vicky Vomit, der auch freundschaftlich verbandelt ist. Aber da hst Du ja jetzt das Gleiche gemacht wie die Leute, nach denen Du fragst, haha! Nein, urheberrechtlich streiten kann man nur, wenn man das Urheberrecht innehat.
Daniel: Ihr habt noch zwei Urmitglieder in der Band. Die beiden „Neuen“ sind aber auch schon seit 2000 dabei; eine lange Zeit! Ist es Euch wichtig, dass es innerhalb der Band diese tiefe Freundschaft gibt, anstatt nur mit angestellten Mietmusikern zusammen zu arbeiten?
Hannes: Ja, das ist total wichtig! Wolfram und Ralph sind jetzt 26 Jahre dabei, und mit 11:4 Platten auch deutlich wichtiger! Holmer und Schmitti hatten damals wenig zum kreativen Prozess beigetragen. Das machen die beiden „Neuen“ dann eben doch viel mehr.
Daniel: Ihr habt mittlerweile fünfzehn reguläre Alben veröffentlicht, und Euer neues Album verfolgt das altbekannte Konzept wie eh und je. Was meinst Du, wie lange habt Ihr noch neue Ideen für Parodien bekannter Songs, ohne auf der Stelle zu treten oder das Publikum zu langweilen?
Hannes: Das neue Album „Haus Of The Rising Fun“ hat mit eigenen Songs wie „Stinkefinger“ und „Nur Für Euch“ und andererseits mit Covers wie „Vito, Wir machen Krach“ oder dem Titeltrack eben das, was wir seit fünfzehn Alben schon machen. Das Neue ist eben immer, in welchem Sound das daherkommt. Weil so einen Trademark-Sound wie AC/DC oder Status Quo gibt es bei uns eben nicht. Aber wie nach jedem Album, denke ich danach immer, „So, was soll mer denn jetzt noch machen?“. Aber zwei Jahre später haben wir dann wieder ein Album, auf dem uns jeder Song wichtig ist.
Daniel: Was steht sonst noch in naher bis ferner Zukunft an? Bitte klär uns auf!
Hannes: Wir sind gerade am Anfang der „Haus Of The Rising Fun“-Tour. Danach ist Festival-Saison, und danach geht’s mit Hämatom nochmal los. Ich hoffe, dass wir uns da irgendwo sehen!
Daniel: Na gut, Hannes! Dann gebührt Dir noch das Schlusswort!
Hannes: Habt Spaß und guten Sex!












































