MY DOMINION - Wir Menschen brauchen keine Feinde aus dem All, um den Karren an die Wand zu fahren!


Im Sommer hatte ich My Dominion in Dortmund live gesehen und mich gewundert, dass es nur ein Album von ihnen gab, und dass dies sogar schon elf Jahre alt ist. Nun haben sie es aber endlich geschafft, ihr zweites Album „Extinction" zu veröffentlichen. Und das ist richtig gut geworden! Als die Anfrage von Metalmessage Promotion für ein Interview kam, habe ich direkt zugesagt, hatte ich doch ohnehin ein Interview im Hinterkopf, da ich lokale Bands, die ich selber mag, auch immer gern supporte. Die Antworten von Gitarrist und Sänger Martin Rätzke ließen - trotz Weihnachtsstress - auch nicht lange auf sich warten.

logoDaniel: Hi Martin! Wann habt Ihr My Dominion gegründet? Und hattet Ihr zuvor schon in anderen Bands gespielt?

Martin: My Dominion gibt es seit 2005. Wir sind tatsächlich schon seit 20 Jahren in der deutschen Underground-Szene unterwegs. Vorher haben wir auch schon in anderen Death- oder Black Metal-Bands gespielt. Aber das waren eigentlich alles Schülerbands. Nix nennenswertes, aber irgendwo muss man ja mal anfangen. Ist ja auch wichtig, damit man dann irgendwann weiß, wohin man musikalisch will. Mit My Dominion ist es dann etwas professioneller geworden. Als Studenten haben wir uns jedenfalls zunächst ganz schön ins Zeug gelegt, bevor es dann irgendwann auch mal etwas ruhiger wurde. In 20 Jahren machste halt immer so Phasen durch. Das ist ja ganz normal. Mal gibste mehr, mal weniger Gas. Aktuell geben wir auf jeden Fall Vollgas und wollen mal schauen, wohin uns die Reise führt. Mir fällt gerade ein, dass unser Basser Nico schon etwas „größer“ unterwegs war, bevor er 2014 zu uns stieß. Der hat mir seiner alten Band schon auch auf Festivals gespielt. Das möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen.

Daniel: Welche Bands zählen zu Euren Haupteinflüssen?

Martin: Ich zähle jetzt gleich einfach mal ein paar Bands auf, die unsere Liebe für Death Metal stark geprägt haben und die man sicherlich hier und da auch bei uns als Einflüsse raushören kann, wobei ich schon denke, dass wir unsere eigenen Akzente setzen und man uns nicht leicht in eine geografische Schublade, wie Schweden oder Florida packen kann. Also hier ein paar wichtige Bands: Hypocrisy, die ersten drei Six Feet Under-Platten, Dismember, Misery Index, Edge of Sanity, Grave, Amorphis und Strapping Young Lad. Aber auch Satyricon möchte ich nicht unter den Tisch fallen lassen.

Daniel: Worum geht es in Euren Texten? Geht es nur um die Erfüllung der typischen Death Metal-Klischees? Oder gibt es auch so etwas wie eine Kernaussage dahinter, die Ihr vermitteln wollt?

Martin: Auf dem ersten Album „Consumed“ hatte wir im weitesten Sinne ein Konzept: Es ging um eine Alieninvasion. Die Texte handelten zum Großteil vom Widerstand der Menschen gegen die Feinde aus dem All. In den vergangenen Jahren wurde aber immer deutlicher, dass wir Menschen gar keine Feinde aus dem All brauchen, um den Karren vor die Wand zu fahren. Der Großteil der Texte auf dem neuen Album „Extinction“ handelt von der Dummheit und Gier der Menschen. Wenn es so weitergeht, wird es uns irgendwann sicherlich nicht mehr geben. Daher auch der Titel „Extinction“, also „Aussterben“.

my dominionDaniel: Zwischen Eurem Debüt „Consumed“ (2014) und dem neuen Album „Extinction“ sind elf Jahre vergangen. Warum hat es dieses Mal so lange gedauert?

Martin: Wie ich eben schon gesagt habe, gibt es bei uns immer produktivere und weniger produktive Phasen. In der Zeit vor Covid und während Covid war sicherlich nicht unsere produktivste Phase. Wir haben in der Zeit nach der VÖ von „Consumed“ fast alle Familien gegründet, Kinder bekommen, Jobs gesucht, Jobs gewechselt usw. Das ganz normale Leben halt. Erst nach der Corona-Zeit haben wir wieder richtig Blut geleckt und schauen nun, was noch so geht für My Dominion.

Daniel: Wie alt sind die neuen Songs denn wirklich? Und wie lange hat es gedauert, sie zu schreiben und aufzunehmen?

Martin: Der älteste der neuen Songs, Butchered, war auf einer unserer ersten Demos drauf. Weil der aber live im gut geknallt hat, wollten wir den unbedingt auch nochmal vernünftig aufnehmen und rausbringen. Die restlichen Songs sind in den letzten 5-6 Jahren entstanden. Ein Großteil der Songs ist jedoch tatsächlich erst im Laufe des Jahres 2025 finalisiert worden. Ein bisschen Termindruck bewirkt da manchmal Wunder. Schließlich sollte die Scheibe pünktlich zum Jubiläumskonzert Ende November 2025 erscheinen.

Daniel: Wo habt Ihr aufgenommen? Und wer hat produziert?

Martin: Die Platte haben wir tatsächlich komplett selbst produziert. Bis auf das erste Album haben wir eigentlich immer alles selbst aufgenommen und fertig gemacht. Ich hab mittlerweile das nötige Know-How und Equipment, um das selbst in meinem kleinen Studio durchzuziehen. Wir sind jedenfalls alle zufrieden mit meinem Mix und dem Mastering. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt? Ich würde auf keinen Fall ausschließen für die nächste Scheibe mal in ein anderes Studio zu gehen.

Daniel: Während Euer Debüt über Nihilistic Empire Records erschien, habt Ihr Euch dieses Mal dazu entschlossen, das neue Album in Eigenregie zu veröffentlichen. Warum? Gab es kein geeignetes Label, dass an einer Veröffentlichung interessiert gewesen wäre?

Martin: Das Thema diskutieren wir auch bandintern durchaus kontrovers. Ich möchte daher diese Frage ausdrücklich hier als Martin beantworten und nicht als My Dominion. Wie bereits vorhin gesagt: Wer weiß, was die Zukunft bringt? Aber meine Meinung ist Folgende: Ein Label möchte mit einer Band Geld verdienen. Das ist ja logisch. Wenn ich bzw. wir aber alles selbst machen (Produktion, Artwort, Herstellung der physischen Tonträger) und nur vergleichsweise geringe Kosten haben, warum sollen wir dann von dem bisschen Geld was reinkommt, noch was abgeben? Einen Vorschuss (den man ja auch zurückzahlen muss) bekommen ja auch die wenigsten Undergroundbands. Studio usw. musst du normalerweise eh aus eigener Tasche bzw. der Bandkassen bezahlen. Wir haben uns also einfach entschieden, dass Independent durchzuziehen und haben uns gar nicht um ein Label bemüht. Davon abgesehen fände ich das schon auch geil, wenn eines der einschlägigen deutschen Death Metal Labels Interesse an uns hätte. Vielleicht gibt es ja doch Möglichkeiten, dass aus so einem Deal eine Win-Win Situation wird.

Daniel: Das Artwork finde ich total geil! Von wem stammt es? Und wie seid Ihr mit dem Künstler in Kontakt gekommen?

Martin: Das Artwork stammt von Dominik Plaßmann. Der ist ein alter Kumpel von uns, mit dessen Bands wir schon zahlreiche Gigs gespielt haben und mit dem wir lange einen Proberaum geteilt haben. Der macht so Artworks für Bands gar nicht so regelmäßig, weshalb es uns umso mehr freut, dass wir ihn nochmal – er hat auch das Artwork für „Consumed“ gemacht – überzeugen konnten. Wir mögen es, wenn man bei einer Band auch beim Artwork eine gewisse Konstanz hat. Bei Blind Guardian hat ja zum Beispiel auch lange Zeit der Andreas Marshall die Cover gemalt. Da gibt´s ja zahlreiche Beispiele, wo Bands den gleichen Artist über mehrere Veröffentlichungen engagiert haben.

my dominionDaniel: Das Artwork schreit ja geradezu nach einer Vinyl-Version. Gibt es da schon irgendwelche Pläne diesbezüglich?

Martin: Ziel ist es schon, dass Teil irgendwann noch auf Vinyl rauszubringen. Da fehlt uns aber ehrlicherweise aktuell die Kohle für. Das ist ja ultra teuer.

Daniel: Ich weiß, dass Ihr auch viel live spielt. Was ist da demnächst noch geplant?

Martin: Die Gigs, die schon feststehen sind alle noch nicht spruchreif für die Öffentlichkeit. Lasst die Veranstalter mal kochen. Aktuell können wir leider noch nix bekanntgeben, wo man uns 2026 sehen kann.

Daniel: Wie sehen generell Eure weiteren Zukunftspläne aus?

Martin: Spielen, spielen, spielen. My Dominion ist eine Liveband. Dafür machen wir das alles, um uns auf eine Bühne zu stellen und alle Anwesenden wegzublasen!

Daniel: Na gut, Martin! Dass Schlusswort gehört Dir!

Martin: Hört euch die Scheibe an und kommt zu unseren Konzerten. Ihr werdet es ganz sicher nicht bereuen! Und an alle Veranstalter: Meldet euch! Die Tatsache, dass wir bisher hauptsächlich in NRW unterwegs sind, wollen wir unbedingt ändern!

 



Autor: Daniel Müller