GJALLARHORN´S WRATH - Wir wehren uns strikt dagegen, dass man uns als Studioprojekt oder Online-Band bezeichnet!


Ich tue mich seit Jahren echt schwer damit, neue Bands zu finden, die nachhaltig einen Eindruck bei mir hinterlassen. Doch manchmal gibt es auch Ausnahmen, zum Beispiel die Symphonic Black Metal-Band Gjallarhorn´s Wrath, die ich zufällig entdeckt habe. Zum Glück! Denn für mich ist „The Silver Key" eines der besten Alben im letzten Jahr gewesen, und es rotiert immer noch regelmäßig im heimischen CD-Player. Der Spirit der Neunziger lebt hier fort, ohne dass es sich dabei um einen billigen Retro-Abklatsch handelt. Ich wollte unbedingt ein Interview mit der Band machen! Vielen Dank an Ricardo Gelok von Non Serviam Records zur Herstellung des Kontaktes!

logoDaniel: HELL-ö Arash! Lass uns doch zunächst ganz vorne anfangen: Wann und wie kam es zur Gründung von Gjallarhorn´s Wrath?

Arash: Wir verspürten immer diesen Drang seit dem Ende von Oblivion. Javi Iron zeigte mir seine Ideen für zwei neue Songs. Ich war begeistert davon, wie die Orchestrierungen klangen! Und ohne zu zögern, beschlossen wir, wieder zusammen Musik zu machen. Es gibt tatsächlich eine witzige Geschichte darüber, wie diese Besetzung 2022 zusammenfand: Wir nutzten die Gelegenheit, dass Lord Ashler nach Barcelona kommen wollte. Wir haben uns zum Abendessen getroffen und ein paar Bier getrunken, und ich zeigte ihm das Projekt. Weil er schon damals bei Oblivion der Sänger war, war es völlig natürlich, dass er wieder das Mikrofon übernehmen würde. Er wollte aber lieber Bass spielen. Das war der Moment, wo alles langsam Gestalt annahm.

Daniel: Welche Bands zählen zu Euren Haupteinflüssen?

Arash: Anstatt bestimmte Bands zu nennen, würde ich sagen, dass unsere Haupteinflüsse in der Symphonic Black Metal-Szene der Neunziger liegen. Wir lieben diesen Sound. Aber noch wichtiger ist es uns, dass wir unsere Vorbilder nicht nur stumpf kopieren, sondern diese klassischen Elemente so zu filtern, dass sie zu unserer eigenen Vision passen.

Daniel: Worum geht es in Eure Texten? Und woher nehmt Ihr die Inspiration dafür?

Arash: Das ist Alex' Gebiet. Er schreibt alle Texte. Seine Inspiration kommen von nordischen Legenden, vom Okkultismus, von dunkler Fantasy-Literatur. Manchmal sind die Themen episch und mythologisch, und dann wieder sehr persönlich und melancholisch. Ich denke, dies erzeugt die nötige Erzählweise für unsere Musik.

Daniel: Du warst mit Bassist Lord Ashler zuvor bei einer Band namens Oblivion, die ebenfalls Black Metal gespielt hat. Wo genau liegen die Unterschiede zwischen beiden Bands, sowohl musikalisch als auch textlich?

Arash: Ich muss dazu sagen, dass Javi Iron auch schon ein Teil der Band war. Wir drei waren Mitglieder von Oblivion. Was die Unterschiede angeht, würde ich Oblivion eher als Atmospheric Black Metal-Band bezeichnen. Sie hatten eine ganz spezielle Stimmung. Mit Gjallarhorn´s Wrath wollten wir Musik erschaffen, die weniger eingeengt und dafür dynamischer ist. Die orchestralen Elemente sind offensichtlich immer noch sehr wichtig für uns. Aber unser Ziel war es, die Gitarren, den Bass und das Schlagzeug mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Es geht mehr um die Balance zwischen der Aggression des Metal und der symphonischen Elemente als nur um Atmosphäre.

Daniel: Ich finde es faszinierend, dass Ihr aus vier verschiedenen Ländern kommt: aus Spanien, Kanada, Polen und England, Wie habt Ihr überhaupt zusammengefunden? Und kanntest Du die vorherigen Bands Deiner Kollegenbereits?

Arash: Tatsächlich verbindet den Kern der Band eine lange Geschichte. Wir wohnten alle mal in Barcelona, doch das Leben hat uns verschiedene Wege geebnet: Javi zog nach Polen und Lord Ashler nach England. Trotz der Distanz ist der Kontakt zwischen uns nie abgebrochen. Alex zu finden, war ein Glücksfall. Wir fanden einige seiner Arbeiten im Netz und beschlossen, seinen Gesang über unsere Musik zu legen. Das Ergebnis war pures Feuer! Als wir das Potenzial dieser Kombination hörten, akzeptierte er diese Position sofort. Wir fühlten, dass es einfach so sein musste.

gjallarhorns wrathDaniel: Ist es für Euch überhaupt möglich zu proben? Oder schiebt Ihr Euch nur Dateien hin und her?

Arash: Wir wehren uns strikt dagegen, dass man uns als Studioprojekt oder Online-Band bezeichnet! Beweis dafür ist, dass wir – trotz der großen Entfernung – es schaffen, uns persönlich zu treffen, um zum Beispiel gemeinsam Videoclips zu drehen. Die Chemie in dieser Band ist echt! Was Auftritte angeht, so sind wir gerade dabei, die Situation ernsthaft zu analysieren. Dadurch, dass wir in verschiedenen Ländern leben, können wir natürlich nicht jedes Wochenende live spielen. Aber unser Ziel ist es schon, uns spezielle Events rauszusuchen, die wir umsetzen können. Es ist zwar kompliziert, aber es wird einen Weg geben. Ihr werdet bald mehr dazu erfahren.

Daniel: Wie lange hat es gedauert, die Songs zu schreiben und aufzunehmen?

Arash: Dass jeder sein eigenes Heimstudio hat, ist sehr praktisch. Aber es kann auch ein zweischneidiges Schwert sein. Auf der einen Seite kann man so viele Takes machen, bis es so klingt, wie man es haben will. Auf der anderen Seite wird es aber auch zu einer Besessenheit. Du denkst rund um die Uhr an die Aufnahmen, fügst neue Details ein, änderst Arrangements, und polierst alle Nase lang etwas auf. Dadurch dauert der Prozess um einiges länger. Aber dafür klingt das Ergebnis genauso, wie wir uns das vorgestellt haben.

Daniel: Wo habt Ihr aufgenommen, und wer hat produziert? Habt Ihr Euch überhaupt als gesamte Band getroffen? Oder hat jeder alles für sich gemacht?

Arash: Wir haben alles selbst in unseren heimischen Studios aufgenommen. Das Mischen und Mastern hat dann Javi Iron übernommen. Er war richtig besessen davon, das Album zu mischen, und hat montelang damit verbracht. Es war eine übermenschliche Leistung, vor allem, weil er sich das gesamte Wissen selbst draufgeschafft hat. Wir sind unglaublich stolz darauf, dass ein selbstproduziertes Debüt, dank seiner Hingabe, so mächtig klingen kann.

Daniel: Ich mag Euer schlichtes Artwork. Von wem stammt es?

Arash: Das Artwork war tatsächlich eine Zusammenarbeit von Javi Iron und Alex. Genau wie bei der Produktion, wollten wir auch hier alles selbst in die Hand nehmen, die Kontrolle über alles haben und alles sehr persönlich halten. Dadurch dass wir alles selbst machten, konnten wir uns sicher sein, dass auch die visuelle Seite perfekt zu der Atmosphäre unserer Musik passt.

Daniel: Wie seid Ihr an das Label Non Serviam Records aus den Niederlanden gekommen? Und kanntet Ihr bereits ein paar Veröffentlichungen von ihnen?

Arash: Als wir die Aufnahmen für das Album abgeschlossen hatten, machten wir eine Liste mit Plattenfirmen, die für uns in Frage kamen, um ihnen unser Material zu schicken. Von ein paar Firmen bekamen wir auch eine Antwort. Aber Non Serviam Records hatten von Anfang an das größte Interesse von allen gezeigt. Sie haben uns den ganzen Prozess echt erleichtert. Wir haben uns sofort gut bei ihnen aufgehoben gefühlt, weil sie einen ernsten Hintergrund haben und viel Respekt innerhalb der Black Metal-Szene ernten. Wir fühlten uns dort direkt wie zu Hause.

Daniel: Ihr habt Euer Album „The Silver Key“ auf CD und Vinyl veröffentlicht. Wie wichtig ist es Euch, diese traditionellen Formaten in der heutigen Zeit noch am Leben zu erhalten? Seid Ihr selbst Musiksammler?

Arash: Definitiv! Einige von uns lieben das physische Format. Ich vermisse auch dieses alte Ritual: Du gehst in einen Plattenladen, siehst Dir das Cover an, und manchmal kaufst Du Dir ein Album, ohne vorher reinzuhören, nur weil es Dich gerade anspricht. Denn dadurch hast Du damals jedem Album erst richtig Deinen Respekt gezollt, den es verdient hat!

Daniel: Was denkst Du im Gegenzug über diesen ganzen neumodischen Kram wie Downloads, Streamings etc.? Ist es für einen Musiker nicht viel schöner, einen richtigen Tonträger in den Händen zu halten, den man Leuten präsentieren kann, anstatt nur leblose MP3-Dateien hochzuladen, die dann irgendwo im Internet versauern?

Arash: Absolut! In einer schnelllebigen Welt wie dieser kannst Du viel Material schnell und einfach verbreiten, aber alles verflüchtigt auch schnell wieder. Eine eigene CD oder LP i den Händen zu halten, ist pure Erfüllung. Ich habe mir unsere physischen Tonträger auch zu Hause an einen Ehrenplatz gestellt, um es anderen zu mit Stolz zu präsentieren.

gjallarhorns wrathDaniel: Habt Ihr eigentlich auch vor live zu spielen? Oder beschränkt Ihr Euch auf Studio-Arbeit?

Arash: Wie bereits erwähnt, arbeiten wir an der Umsetzung für exklusive Live-Shows. Ich mus aber dazu sagen, dass wir wir wirklich Bock haben, wieder die Hitze der Clubs und die Energie eines Publikums zu spüren! Ich glauben wirklich, dass unsere Musik für Live-Shows gemacht ist. Es wäre episch, diesen orchestralen und atmosphärischen Sound auf die Bühne zu bringen.

Daniel: Wie sehen denn Eure Zukunftspläne mit Gjallarhorn´s Wrath aus? Was steht demnächst so an?

Arash: Wir sind gerade aus Polen zurückgekehrt, wo wir einen Videoclip zu „The Abysswalker“ gedreht haben. Aber es hört nicht auf! Wir haben bereits viele Ideen für die Zukunft.

Daniel: Alles klar, Arash! Dann gebührt Dir noch das Schlusswort!

Arash: Danke, Daniel, für dieses Interview und die Gelegenheit, den Underground zu Wort kommen zu lassen! An die Leser von Crossfire und an alle deutschen Metalheads: Danke für Eure Unterstützung! Haltet die schwarze Flamme am Lodern und haltet Ausschau nach unserem kommenden Videoclip!



Autor: Daniel Müller