KRAAN - SAME


Label:SPIEGELEI
Jahr:1972
Running Time:42:59
Kategorie: Classics
 

Kraan sind eine Krautrock-Band, die später eine Mischung aus Jazzrock und Fusion gespielt hat. Zwischen 1972 und 1991 veröffentlichten sie insgesamt zehn reguläre Studio-Alben; dazu zwei Live-Alben, die es auch auf Vinyl gab. Heute existiert die Band immer noch und tritt noch auf, wühlt aber Tonträger-technisch nur noch in Live-Archiven aus der Vergangenheit. Die späteren Alben waren mir – ehrlich gesagt - zu abgefahren, jazzig und unrockig. So richtig geil finde ich nur das selbstbetitelte Debüt im schicken Gatefold-Sleeve. Enthalten sind hier fünf Longtracks. Das letzte Stück dauert nur zwei Minuten und dient eher als Outro, nimmt aber die Melodie des Openers wieder auf. Allein das eröffnende „Saras Ritt Durch Den Schwarzwald“ kann einfach mal alles! Nicht von dem dämlichen Songtitel abschrecken lassen! Die deutschen Texte fallen hier praktisch gar nicht ins Gewicht, da der Großteil des Albums instrumental gehalten ist. Dass nur wenig Gesang da ist, fällt kaum auf.

Und dieses Debüt enthält auch alles, was Krautrock-Fans an dieser Musik so lieben: Progressive Spielereien, wo es Snare-Figuren auf Hammond-Anschlägen gibt, viele Breaks und unvorhersehbare Momente, und vor allem ein Spielfluss, der richtig Spaß macht. Man hört nicht nur sofort, das die hier beteiligten Musiker spielerisch ganz schon was auf der Pfanne haben, sondern auch, dass sie hier richtig viel Spaß haben. Man hat das Gefühl, einer nicht endenden Jam Session zu lauschen. Man spielt sich in einen Rausch. Der Motor läuft heiß. Man spielt sich in Extase und spornt seine Mitmusiker gegenseitig zu Glanzleistungen an. Besonders geil sind die orientalischen Melodien und die Bongos zu Beginn von „Kraan Arabia“, die auch im Mittelteil wieder auftauchen. Der Titel ist hier Programm. Zudem enthält „Head“ auf der B-Seite natürlich auch das für die Siebziger Jahre obligatorische Schlagzeug-Solo. Der Gesang klingt aus heutiger Sicht etwas unbeholfen.

Aber auch dies ist typisch für Genre-Alben aus der Zeit. Das Zusammenspiel hat dagegen immer einen immensen Flow, der den geneigten Hörer nicht mehr still sitzen lässt. Die Musik rollt einfach. Sich wiederholende Parts wirken geradezu hypnotisch. Zwischendurch nimmt sich die Band immer wieder mal Auszeiten mit ruhigen Passagen, die den Spannungsbogen immer wieder erweitern und zu rockigen Ausbrüchen führen. Und obwohl hier eine ganze Menge passiert, klingt das Album niemals überladen, sondern funktioniert und erstaunt in seiner Gesamtheit. Wer Bands wie Birth Control, Grobschnitt, Amon Düül II, Novalis, Eloy und Konsorten mag, kommt an diesem Album nicht vorbei. Mit den späteren Alben der Ulmer kann ich, wie bereits anfangs erwähnt, gar nichts anfangen. Aber „Kraan“ sollte sich jeder, der Krautrock, Progressive Rock und Siebziger Hippie-Mucke im Allgemeinen mag, in die heimische Sammlung stellen!

Tracklist:
Seite 1:
Saras Ritt Durch Den Schwarzwald (6:23)
M. C. Escher (6:14)
Kraan Arabia (9:45)

Seite 2:
Head (18:36)
Sara auf der Gänsewies (2:01)

Line-Up:
Peter Wolbrandt – Guitar, Percussion, Vocals
Hellmut Hattler – Bass
Johannes A. Pappert – Saxophone, Percussion
Jan Fride – Drums, Congas

Guest Musician:
Romi Schickle – Organ on Tracks 2 & 4

Note: 8 von 10 Punkten
Autor: Daniel Müller


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