HYDROTOXIN - OCEANS


Label:CRYSTAL
Jahr:1996
Running Time:47:35
Kategorie: Classics
 

Als große Metal-Bands Mitte bis Ende der Neunziger versuchten, auf den Grunge-Zug aufzuspringen, gab es viele ambitionierte Musiker, die mit komplexem Progressive Metal dagegenhielten. Heute fallen mir aus dieser Zeit nur noch Poverty´s No Crime und Vanden Plas ein, die immer noch aktiv sind und auf zahlreiche Alben zurückblicken können. Das Internet war noch nicht präsent. Man kaufte Alben entweder nach Cover und nach Vergleichen mit anderen Bands. So trudelten in dieser Zeit CDs von Time Machine, Arkhé, Alien On My Mind, Madsword, Annon Vin, Sore Plexus, Athena, Vauxdvihl oder Everflow hier ein. Bei den meisten von ihnen blieb es bei nur einem Album; aus heutiger Scht völlig unverständlich. Auch bei Hydrotoxin aus Hannover war dies der Fall. Dabei handelt es sich hier um ein nahezu perfektes Progressive Metal-Album! Hier waren nur sieben Songs enthalten. Diese hatten aber fast alle eine Überlänge von sieben bis neun Minuten. Lediglich das Instrumental „Door To December“ in der Album-Mitte und das Outro „Aquasun“ am Schluss waren deutlich kürzer. Dadurch, dass die Band nur einen Gitarristen hatte, klang alles sehr transparent. Die Gitarren klingen schön trocken, die sphärischen Keyboards bilden meistens Teppiche, die den Hintergrund füllen. Soloausflüge gibt es an den Tasten nur selten. Die Rhythmik ist stellenweise schon recht vertrackt, allerdings bleibt die Musik immer eingängig und gerät nie ins Stocken.

Alle Musiker sind hörbar fit an ihren Instrumenten. Insgesamt wirkt die Musik ziemlich verträumt. Dennoch bleiben auch Momente zum Headbangen. Der gefühlvolle Gesang ist vielleicht auf Dauer etwas zu seicht ausgefallen. Dennoch gefallen die Stimmlage und die langgezogenen Töne. Für einen Aha-Effekt sorgt das Saxofon am Ende von Labyrinth“. Das Album bekommt seine Atmosphäre vor allem durch die zwar saubere, aber auch sehr hallige Produktion. Mit den größten Bands kann man sich messen, auch wenn direkte Vergleiche mit Dream Theater, Fates Warning oder Queensryche nur bedingt passen. Besonders geil ist das fantastische Artwork, das durchaus Vinyl-würdig gewesen wäre. 1996 wurde allerdings kaum Vinyl produziert, und von kleinen Bands schon mal gar nicht. Aus heutiger Sicht finde ich es unfassbar, dass aus Hydrotoxin nie etwas geworden ist, denn das Potenzial war ohne Zweifel da. Keyboarder Oliver Hintz und Schlagzeuger Olaf „Pelle“ Hoffmeister spielten ein Jahr später noch das (ebenfalls grandiose!) selbstbetitelte, einzige Album von Alien On My Mind ein, das ebenfalls Progressive Metal enthielt, ein geiles Artwork hatte und ein One-Hit-Wonder blieb. Lediglich Sänger Jioto Parcharidis erlangte später als Sänger von Victory höheren Bekanntheitsgrad. Alle anderen Musiker sind bis heute in der Versenkung verschwunden. Sehr schade! Sollten Progressive Metal-Fans ganz sicher in ihrer Sammlung haben!

Tracklist:
Infinite Ways (10:28)
Nexus (7:13)
Labyrinth (7:23)
Doors To December (Instrumental) (3:18)
Oceans (9:40)
Forest Rain (7:52)
Aquasun (1:41)

Line-Up:
Jioti Parcharidis – Vocals
Andreas Kienitz – Guitar
Oliver Hintz – Keyboards
Matthias Vogel – Bass
Olaf „Pelle“ Hoffmeister – Drums

Note: 9 von 10 Punkten
Autor: Daniel Müller


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