Ich bin praktisch noch in der Regenerationsphase, aber da ja die meisten Leute wieder nerven und fragen, wie es denn live war, anstelle ihren Arsch selbst aus ihren vier Wänden zu bewegen, sah ich mich mal genötigt, den Gig hier zu bewerten. Zuallererst fand ich es geil, dass da keine Starallüren wie bei vielen anderen Bands bezüglich der Gästeliste oder den Fotos aufkamen. Alles ganz easy und trotz der harten Mucke, die mich erwarten sollte, super freundlich und entspannt.
Kurz vor 19:30 Uhr hing bereits das Suicide Silence-Backdrop, und „Bohemian Rhapsody" kam lautstark aus den Boxen. Ein Song, bei dem Metal-Fans sehr gerne auch mitsingen. Suicide Silence sind für meine Altersklasse immer etwas zu alternativ gewesen, aber diese Töne gab es heute Nacht nicht, wo sie vor zwei richtig brutalen Combos platziert waren. Stimmung der Band war super und Sprüche wie „Das sieht da unten eher aus wie ein T-Bone-Steak und nicht wie eine Wall Of Death." lockerten die Atmosphäre für den starken Opener auf. Bei modernen Bassdrops und voller Power sprangen auch die nicht mehr ganz so jungen Akteure auf der Bühne herum. Bereits diese Band attestierte den Besuchern die beste Circle Pit auf der Tour, und nach einer guten halben Stunde kündigte sich die 20-jährige Band Dying Fetus an. Ich war ja schon positiv überrascht, dass Suicide Silence nicht mehr so nach Emo klangen, sondern ein brutales Brett lieferten. Das Set beendeten sie mit „No Pity For A Coward".
Nach nur einer Viertelstunde Umbau ertönte dann lautstark „YMCA", und die Horde sang und tanzte mal wieder mit, die ersten Riffs von „The Boys Are Back In Town" erklangen, und dann gab es eine gute Packung Death Metal. Ich habe Dying Fetus auch noch nie in einer so großen Halle gesehen, und sogar der Nachwuchs war erfreut, denn es waren absehbar viele junge Leute da. Die drei-Mann-Truppe, bei der sich die Saiteninstrumentalisten den Gesang bzw. die Growls teilen, schmetterten ihre Songs gnadenlos aufs Publikum ein. Suicide Silence huldigten die Band aus den Neunzigern nicht umsonst als Vorbilder. Die Bassdrum hat beim Soundcheck übelste Trigger, die schon fast an Techno erinnern, aber das fällt natürlich im Gesamtsound nicht auf, und trotz der Geschwindigkeit hatte man auch reichlich Groove bis 21 Uhr.
Trotz viel Umbau mit zwei hängenden Bärenköpfen und einem großen Bären im Hintergrund - passend zum Album „Grizzly" - ging es schon in zwanzig Minuten weiter. Da könnten andere Bands sich mal was von abgucken. Die waren echt gut organisiert. Das Intro brach jedoch nach kurzem Anspielen ab, aber dann lief alles und Slaughter To Prevail betraten unter tosendem Applaus die Bühne. Das Grölen von Alex Terrible ist auch live derart tief und fies wie auf den Platten, und die Lautstärke war mal angenehm; also nicht ganz so runtergedreht, wie es heute oft gemacht wird; natürlich typisch russisch nur mit Adidas-Jogginghose und freiem Oberkörper. Sie sehen ein wenig aus wie Ghost auf Steroiden und klingen auch so. Natürlich kommen viele Backtracks vom Band, aber sonst wird hier wirklich live gesungen und gezockt. Inmitten noch ein geiles Drumsolo von Evgeny Novikov. Der Mann konnte sogar mit der Maske spielen, während ich mit sowas nicht mal ordentlich Auto fahren kann. Alex bedankte sich auch sehr bei den Vorgruppen, mit deren Musik er aufgewachsen ist und natürlich nun überwältigt davon war, mit ihnen nun auf Tour zu sein. Er schaffte es auch, die gesamte Halle zum Knien zu bringen, um im Anschluss hoch zu springen. Die Ego-Riser der Bühne waren etwas extrem, sodass man die Akteure vorne oft nur halb sah, war aber für das Gesamtbild des Bühnenbildes total cool, und alle üblichen Hits wie „Baba Yaga", „Grizzly" oder „Berserk" waren Teil der Setlist. Einen Song gab's noch als Zugabe, und 22:30 Uhr war es dann vorbei. Man hörte sogar durch manche Keyboard-Einspieler einen leichten Rammstein-Touch heraus.
Super Abend mit geiler Musik und übrigens auch noch nie so viele Menschen verschiedenster Nationen russische Schimpfwörter rufen hören. Hätte gerne ein Bier mit Alex getrunken, aber wer so trainiert, hat wohl auch wenige Cheat Days.











































