KREATOR - KRUSHERS OF THE WORLD


Label:NUCLEAR BLAST
Jahr:2026
Running Time:44:23
Kategorie: Neuerscheinung
 

Ich habe im Vorfeld viele schlechte Kritiken alter Kreator-Fans zum sechzehnten Langeisen „Krushers Of The World“ vernommen. Und beim ersten Reinhören musste ich zugeben: Der Eindruck des letzten Albums „Hate Über Alles“ hat sich ein bisschen gefestigt. Sehr lange war ich der Meinung, dass Kreator eine der wenigen Bands waren, die den alten Sound so in die neue Zeit katapultiert haben, dass sowohl alte als auch neue Fans zufrieden waren. Bis zum letzten Release war das auch so. Aber „Hate Über Alles“ schien die Lager erstmals gespalten zu haben. Nun gehen die Ruhrpottler den eingeschlagenen Weg konsequent weiter. Die Anfangsriffs und die Strophen holen mich auch immer noch ab. Woran ich mich aber echt gewöhnen muss, sind diese ungewohnt hymnischen Refrains. Kreator, die als Urväter deutschen Old School Thrash Metals gelten, wagen sich auch in Melodic Death-Gefilde und sind dabei ziemlich modern.

Ich habe irgendwo Vergleiche mit Arch Enemy gelesen. Ganz so weit würde ich aber nicht gehen. Und seien wir mal ehrlich: Waren Kreator nicht immer schon irgendwie modern? Als alle Old School Thrash spielten, taten sie es auch. Als alle sich in den Neunzigern von ihren Wurzeln entfernten, taten sie es auch. Außer mir mochte gefühlt niemand „Renewal“, als sie rauskam, weil sie zu experimentell war. „Cause For Conflict“ war dagegen wieder schweinebrutal, war bei den Fans aber auch unbeliebt, weil es die einzige Veröffentlichung ohne Drummer Ventor war. „Outcast“ und „Endorama“ waren sehr Gothic-lastig und deutlich langsamer als alle anderen Werke der Formation. Für mich sind diese beiden auch nach wie vor die schwächsten. Was ist denn nun noch positiv an der neuen Platte? Eigentlich fast alles: Kreator erkennt man immer noch am Sound und am Gesang. Es gibt immer noch schnelles, arschtightes Geknüppel. Auch die fette Produktion ist man von den letzten Rundlingen auch schon gewöhnt.

Was mich auf den letzten beiden Tonträgern (neben den mir oft zu melodischen Refrains) echt nervt, sind die immer dämlicher werdenden Songtitel („Hate Über Alles“ und „Strongest Of The Strong“ auf dem Vorgänger, „Tränenpalast“ und „Blood Of Our Blood“ auf der neuen). Aber das ist nur meine persönliche Meinung. Die sehr melodischen Gitarren zeigen jedenfalls, dass der Finne Sami Yli-Sirniö, der seit der Jahrtausendwende dabei ist, immer mehr ins Songwriting eingebunden ist. Und auch „Tränenpalast“ mit Hiraes-Sängerin Britta Görtz im Duett sorgt für einen Aha-Effekt. Ich kann verstehen, wenn Leute sagen, dass Kreator ihre alten Fans immer mehr vergraulen, allerdings muss man ihnen auch zugestehen, dass sie es schaffen, mit ihrem neuen Marschrichtung sowohl die alte als auch die neue Generation an Fans gekonnt unter einen Hut zu bringen und zu vereinen. Das schaffen nicht viele Urgesteine der Szene! Und dafür gebührt ihnen Respekt! 

Note: 8 von 10 Punkten
Autor: Daniel Müller


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