Es gibt Dinge, die muss man nicht verstehen. Die letzte Tour des heutigen Headliners war komplett sold out, warum zur Hölle bucht man dann nicht für die aktuellen Shows Venues, die ein etwas größeres Fassungsvermögen haben? Und nicht kleinere mit bescheidener Technik? Selbstredend war auch das heutige Konzert wieder ausverkauft, dementsprechend wurde es eng und warm. Dazu unterirdisches Licht, wie gewohnt hauptsächlich rot mit viel Nebel und mittelmäßigem Sound. Das die Stimmung trotzdem sehr gut war, führe ich darauf zurück, das größtenteils beinharte Fans anwesend waren. An viele Gesichter konnte ich mich noch vom letzten Mal hier in Köln, erinnern. In der Venue ging es für die meisten dann direkt erst einmal zum Merchandise Stand. Die ersten hundert Käufer bekommen einen Stempel, mit dem sie sich nach dem Konzert in die Schlange zum Meet and Greet einreihen dürfen. Ohne Stempel kein Foto, Autogramm oder Small Talk mit der Band! Immer noch günstiger als die üblichen, überteuerten Meet and Greet Upgrades. Ob man diese Art der Selektion allerdings gutheißt, sei mal dahingestellt.
Der Abend beginnt mit Jayden Hammer, die ebenfalls Gitarristin der Begleitband von Death By Romy ist. Die Mittzwanzigerin hat ihre Karriere sozusagen über TikTok begonnen. Laut eigener Aussage spielt sie seit dem zehnten Lebensjahr Gitarre. Zusätzlich auch Schlagzeug und ist zudem Teil der Band Zippermouth. Heute präsentiert sie ihre eigenen Songs, begleitet von Basserin und Drummer, die ebenfalls die Begleitband für den Headliner bilden. Ihr Set geht etwa eine gute halbe Stunde und Jayden bearbeitet während dessen nicht nur ihre Gitarre, sondern singt auch dazu. Ganz nett als Warm Up, aber so richtig fesseln mich die Songs nicht. Wohl aber die Menge im Saal, die jede Nummer feiern. Ob das jetzt so ist, weil sie nachher wieder auf der Bühne steht, oder es wirklich zündet, weiß man nicht. Auch die Beleuchtung bleibt fast durchweg rotorange, was dem Bühnenbild etwas Breiiges gibt und man die Protagonisten nicht so wirklich klar definieren kann.
Setlist: Hate Yourself, Obedience, Living Dead Girl, Won’t Pray For You, DRMF, Searching 4 A Feeling, Supernova
Als nächstes im Programm steht jetzt King Mala auf der Bühne. Wenn ich richtig informiert bin, ist das der Künstlername von Areli Castro. Sie bewegt sich im Bereich Alternative Pop und präsentiert gefühlvolles und gleichzeitig druckvolles Liedmaterial, in einer ganz eigenen, emotionalen Weise. Areli spielt gerne mit männlichen Trademarks, daher auch der Name King. Und Mala kommt aus dem spanischen, es bedeutet so viel wie „Coole Braut“. Und auch hier geht das Publikum gut mit, scheinbar ist sie doch schon etwas bekannter bei den Jüngeren. Ein wenig düster, jetzt nicht wegen dem fehlenden Licht, nein die Stimmung der Lyrics ist gemeint. Auf eine sehr provokante Weise überzeugen ihre Songs und strahlen trotzdem positive Energie aus. Auch ihr Shirt mit dem Aufdruck „Kill God“ spiegelt die Provokation in ihr wider. Insgesamt steht hier ebenfalls ein Trio auf der Bühne, das dann doch oftmals auf Einspielungen zurückgreift. Denn nicht bei jedem Stück hängt King Mala sich den Bass um, trotzdem ist es druckvoll und rhythmisch. Was die moderne Technik halt heute so hergibt. Aber es passt zum Stil und wirkt nicht wie Konservenmusik, sondern fesselt einen schon.
Setlist: Possession, God, Salvation Violation, Little Death, I Still Feel It In The Bone, The Grand Decay, Surrender, Devotion, Garden, Eat The Spoon, Fun!, Ode to the Blackhole
Dann ist es soweit und Death By Romy erscheinen vor dem proppenvollen Saal, Sängerin Romy Flores mit einer roten Maske im ausgefransten Tüllkleid. An der Gitarre wie gewohnt Jayden Hammer, Bratz an den Drums und Cheska Zaida (wenn sie es denn ist, letztes Jahr erschien sie mir größer), die für das musikalische Fundament sorgen. Live geht diese Formation auch direkt ab, sie sind geschaffen für die Bühne. Wenn ich im Vergleich dazu die Studioaufnahmen höre, kann ich fast nicht glauben, dass es die gleiche Kapelle ist. Aber dieses Gefühl hatte ich schon bei der letzten Tour im deutlich besser geeigneten Club Helios37. Hier und heute ist Miss Flores doch sehr eingeschränkt, was ihren Bewegungsdrang betrifft. Es gibt keine Rig an der man hinaufklettern könnte oder ähnliches.
So entert sie die Lautsprecher an der Seite, was natürlich aufgrund der niedrigen Deckenhöhe nicht wirklich weiterführt. Dafür gibt es ansonsten reichlich Aktion auf der Bühne, sie tanzt, geht auf die Knie und in Rückenlage während Gitarristin Jayden über ihr die Saiten malträtiert. Eingeordnet wird die Musik irgendwo im Dark Pop, aber was hier heute geboten wird ist fast purer Nu Metal mit ein wenig Industrial. Dazu der morbide Charme der Künstlerin, deren Pseudonym aus einer für sie schwierigen Zeit kommt, in der ihr Suizid Gedanke nicht fern waren. So ist es wenig verwunderlich, wenn ihre Texte Angstzustände, Depressionen und Suizidgedanken thematisieren. Zusätzlich zu den bereits bekannten Stücken, sind auch fünf neue, unveröffentlichte Songs in der Setlist „Manic Dream“, „2468“, „Psychward Fantasy“, „BDSM“ und „Lollypop“. Aufgrund der Enge unternimmt Romy heute allerdings keine Ausflüge ins Publikum, sondern beschränkt sich darauf, den einen oder anderen Fan vom Barrier aus zu knuddeln. Die Menge frisst ihr sowieso aus der Hand und wenn sie ruft „Jump“ springt der ganze Saal als gäbe es kein Morgen mehr.So eine tobende Menge ist schon beeindruckend und treibt natürlich auch die Temperatur in der Venue aufs Maximum.
Dann ist irgendwann der letzte Song gespielt, Drummer Bratz fängt schon an die Toms zu demontieren, aber die frenetischen Rufe nach einer Zugabe werden dann doch erhört!Schulterzuckend und mit einem „Sorry“ Richtung Bratz gibt Romy dann noch eine Zugabe, die wohl so nicht geplant war. Also Becken und Toms wieder dran schrauben. Nach der Show kontrolliert man im Gegensatz zum letzten Mal, heute allerdings, wer einen Stempel zum Meet and Greet hat. Das wird der Tatsache geschuldet, das hier im Anschluss eine Party mit anderer Klientel stattfindet und man das Konzertpublikum raushaben will.
Setlist: Vicious Bliss, I Kill Everything, Saint, I Feel Like A God, Lovesick, Manic Dream, Bitchfamous, 2468, Little Dreamer, Psychward Fantasy, California Baby, Burn This City, Hollow, BDSM, No Mercy, Crash, XXXhibitionist, Lollypop, Hellhound Intro, Pray To Me, Day I Die











































