THE DAMN TRUTH, BABY KILLED THE ROSES

Weert (Niederlande), De Bosuil, 07.02.2026

the damn truth live2026 3Seit langem mal wieder ein Trip zur Waldeule, das bedeutet der Name nämlich auf Deutsch. Gleichzeitig sind sie auch Veranstalter des Bospop-Festivals, was an drei Tagen im Juli in Weert stattfindet. Nach entspannter Fahrt sind wir dann pünktlich zum Einlass vor Ort und stellen ein paar Neuerungen fest. Die bisher üblichen Getränkemünzen hat man abgeschafft und der ganze Club läuft nur noch bargeldlos über Kartenzahlung, wie bereits etliche andere Venues in den Niederlanden auch. Eine praktische Sache, die die Abläufe beim Getränke fassen doch sehr beschleunigt. Die Garderobe ist nach wie vor kostenlos, wie es ebenfalls in vielen niederländischen Clubs üblich ist. Hinter dem FOH sind schwarze Schiebewände rausgefahren, also kein Sold Out heute. Trotzdem ist der Saal zu Konzertbeginn gut gefüllt. Nicht nur Niederländer, auch viele Deutsche,Belgier und Franzosen haben den Weg hier heute hin gefunden.

 

baby killed the roses live2026Um viertel nach Neun geht es dann los mit Baby Killed The Roses, zu dem von Frank Sinatra gesungenen Mancini Song „Days Of Wine And Roses“. Hatte ich da jetzt aufgrund des Namens noch an eine Guns N‘ Roses Tribute Band gedacht, fällt es mir jetzt beim Anblick der Musiker wie Schuppen aus den Haaren. Das sind die Leute von Blow Ya Top, die schon seit langem hier ihr „Unwesen“ treiben. Der Namenswechsel ist dadurch entstanden, dass man sich entschlossen hat mit Produzent Mario Goosens (Triggerfinger) zusammen zu arbeiten, um zu den Wurzeln des Rock zurückzukehren. Und so liefern der ewig grinsende Gitarrist Mark Vergoossen, Sänger Eric Fox und Schlagzeuger Paul ihren Set unter ordentlichem Beifall des Publikums ab. Natürlich genießt man einen gewissen Heimvorteil, wie sich auch an zahlreichen Bandshirts bei den Zuschauern zeigt. Mir persönlich war die Setlist etwas zu lang, eine gute halbe Stunde hätte vollkommen gereicht, zumal der Großteil der Stücke eben alte Blow Ya Top Nummer waren, lediglich vier der elf Tunes waren neue Kompositionen. So waren es dann um die fünfzig Minuten, die sich am Ende etwas in die Länge zogen.

Setlist: Recipe For Destruction, The Great Repple Depple In The Sky, Dude, Mercy, Page 525, Catch Me If You Can, Fever, Barbeque And Freezeburn, Speak Of The Witch, Bad Girls Tell No Tales, Stick Up For A Friend

 

the damn truth live2026 1Nun wird kurz das Drum Kit ausgetauscht, nach dem Umbau des Bosuil hat man hinter der Bühne reichlich Platz und schiebt nur das komplette Kit auf fahrbarem Podest raus und das nächste rein. Und dann ertönt auch schon mit „White Rabbit“ von Jefferson Airplane, das Intro für die Kanadier von The Damn Truth, die natürlich sofort loslegen. Hatte ich sie mir auf der letzten Tour bereits dreimal hintereinander angesehen, muss ich sagen, sie haben kein Jota ihrer Dynamik verloren! Der Vierer besteht aus Sängerin Lee-La Baum, Lead Gitarrist Tom Shemer, Bassist PY Letellier und Schlagzeuger Dave Traina. the damn truth live2026 2Über zwei Millionen Follower auf YouTube und Spotify, dazu Lee-Las Stimme im Werbevideo für das Yves Saint Laurent Parfüm Mon Paris, haben ihre Fanbase explosionsartig anwachsen lassen. Und man kann sagen mit absolutem Recht, denn was hier gerade von der Bühne kommt, ist pures Adrenalin. Das Mädel und die Jungs rocken als ob es kein Morgen mehr geben würde. Da ist keine Sekunde Stillstand, nur schiere Energie die dich unweigerlich mitzieht. Selten gibt es Kapellen, die so eine positive Kraft ausstrahlen und wirklich auch den letzten Schlumpf in der Halle aktivieren. Und es werden nicht nur die Ohren mit einem akustischen Vergnügen bedient, auch die lässigen Retroklamotten der Protagonisten sind eine Offenbarung an die gespielte Musik. Der Legende nach trafen sich sich Tom und Lee-La nackt auf einem Hippie-Festival am Lagerfeuer und gründeten dann diese Band. Und bis heute ist alles familiär geblieben. Lee-La ist aber nicht nur gesangstechnisch eine echte Perle, sie spielt auch wunderbar Gitarre. Insgesamt kommt das so ehrlich und überzeugt raus, diese Truppe aus Montreal muss man einfach lieben. Bei so einem mitreißenden Programm vergeht die Zeit wie im Fluge und man realisiert plötzlich, dass es ja schon kurz vor Mitternacht ist.the damn truth live 2026 4Natürlich auch sonnenklar, dass man die Musiker nicht ohne eine Zugabe von der Bühne entlässt. Mit „Devilish Folk“ ist dann endgültig Ende und ich muss leider feststellen, dass heute die letzte Show der Tour war und es morgen zurück nach Kanada geht. Aber im Juli sind sie wieder für einige Shows hier unterwegs, die Termine sind schon geblockt. Zum Abschluss sind die Musiker dann auch direkt am Merchandise Stand zugegen und genauso zugänglich, wie sie es auf der Bühne vermitteln. Kein Stargezicke oder Meet and Greet Blödsinn, sondern einfach nur eine fantastische Truppe toller Menschen! Für viele Zuschauer war es das erste Mal, das sie bei einer Show von The Damn Truth zu Gast waren. Einhelliger Tenor, einfach nur MEGA! 

Setlist: Be Somebody, Killer Whale, Love Outta Luck, Addicted, The Willow, This Is Who We Are Now, All Night Long, If I Don’t Make It Home, Mirror Mirror, Lonely, Only Love, Look Innocent, Get With You, Tomorrow, Better This Way, Devilish Folk



Autor: Pistol Schmidt - Pics: Pistol Schmidt/Andrea Schmidt