POPPY, OCEAN GROVE, FOX LAKE

Köln, Carlswerk Victoria, 14.03.2026

poppy ©CAA Heute heißt es zeitig losfahren, da sowohl im Carlswerk Victoria und auch im dazugehörigen Club Volta eine Veranstaltung ist. Und beide sind ausverkauft, es könnte also knapp werden im Parkhaus. So bin ich dann auch eine halbe Stunde vor Einlass am Schauplatz der Begierde und sehe schon eine lange Schlange dort stehen. Für die Leute mit einem VIP-Ticket ist bereits Einlass, es scheint immer noch genug Menschen zugeben, die für diese Unsitte Geld ausgeben. Für die heutige Show liegt der Aufpreis für das VIP-Upgrade zwischen fünfzig bis hundertdreissig Euro! Dafür gibt es früheren Eintritt, ein paar Goodies und bei der teureren Variante noch ein signiertes Polaroidfoto der Künstlerin. Keine Fotos oder gar Treffen mit ihr! Außerdem hat man in etwa fünf Kilometer Entfernung noch einen Pop Up Store mit Merchandise aufgebaut, das heißt wer zu Fuß unterwegs ist, braucht mal locker eine Stunde bis zur Venue. Eine Fotoerlaubnis für die Show wurde vom Management ebenfalls nicht erteilt, immerhin hielt man Pressekarten bereit. Somit gibt es lediglich das Foto der Agentur, das Copyright liegt bei CAA. Positiv erwähnen muss ich allerdings das Publikum, denn obwohl die Halle ausverkauft war, gab es weder Gedränge noch Geschubse wie sonst oft üblich. Selbst der mittige Circle Pit nahm Rücksicht auf Leute die nicht mitmachen wollten.

 

 

fox lake live2026Dichte Nebelschwaden hüllen die Bühne ein als Fox Lake aus Denver, Colorado die Bühne betreten. Die Band wurde im Jahr 2017 gegründet und verarbeitet in ihrem musikalischen Stil Einflüsse aus Hardcore und Hip Hop. Sehen kann man sie nur in kurzen Momenten, wenn dann mal ein Ticken mehr Licht kommt. Aber die groovigen Nu-Metal-Riffs und aggressive Hardcore-Elemente scheinen beim Publikum gut anzukommen. Ich denke mal, die Vorbilder sind Bands wie Rage Against the Machine, Limp Bizkit oder auch Linkin Park. Wenn ich ehrlich bin, ist das ein Stil der mich nicht wirklich anpackt. Nun gut, so ist da eben mit Supportbands. Mal sind sie wirklich absolut überraschend und manchmal halt weniger fesselnd. Insgesamt trotz allem eine dynamische Performance mit treibenden Breakdowns und intensivem Wechsel zwischen Rap und Screams. Die akustische Atmosphäre ist recht kraftvoll und die halbe Stunde Spielzeit geht daher schnell vorbei.

 

 

ocean grove live2026Der Zeitplan läuft und schon steht mit Ocean Grove die zweite Support Band auf der Bühne. Die Australier haben sich im Jahr 2010 in Melbourne gegründet und spielen einen Mix aus Nu-Metal, Hardcore und etwas Punk. Wenn ich auch zu Anfang dachte, es handelt sich um einen Werbeblock für die Firma Nike, denn Sänger Dale Tanner erscheint im Nike Sportanzug und unterhält die Menge durch akrobatische Sprünge von zwei großen Podesten, die links und rechts auf der Bühne stehen. Der Sound der Band wird von ihnen selber als „Oddworld“-Musik bezeichnet, Nu-Metal mit Einflüssen aus der Rave-Kultur der 2000er Jahre. Das kommt jetzt schon besser und sogar die eine oder andere Lampe wird zwischendurch benutzt, so dass man die Musiker erkennen kann. Mittendrin tauschten dann Sänger und Bassist Twiggy Hunter die Rollen und Twiggy übernahm das Mikrofon. Eine kurzweilige Perfomance die schnell einen Circle Pit und die ersten Crowd-Surfer hervorruft.

 

 

Nun wird abgeräumt und Platz für Poppy gemacht. Die US-amerikanische Sängerin und Internet-Persönlichkeit Moriah Rose Pereira, wuchs in Boston auf zog letztlich nach Los Angeles, um dort ihre Karriere als Musikerin zu festigen. Das gesprochene Intro beginnt ein wenig Phantasialand mäßig, nur von blauen LEDs und Nebel unterlegt. So merkt man sofort, dass es sich hier um eine typisch amerikanische Produktion handelt, perfekt durchchoreographiert mit festem Ablaufplan. Das Schlagzeug steht auf einem hohen Podest unter dem ein Videoscreen montiert ist und die Songs optisch untermalt. Die Musiker tragen ähnlich wie bei den Bands Ghost oder Baby Metal alle Masken, sind somit nicht erkennbar und auch beliebig austauschbar. Der alleinige Star ist nur Poppy. Die zeigt unter dem frenetischen Jubel der Fans ihr Programm.  Hierbei bietet sie allerdings extrem vielseitige Musik, die Bereiche aus Pop, Metal, Elektro-Pop und Industrial abdeckt. Ihre Stimme variiert zu süßlichen, synthetischen Pop-Melodien mit Metal Gitarrenriffs und düsteren elektronischen Klängen, dazu geht sie dann immer wieder in ohrenbetäubendes Screaming über. Es ist wahrscheinlich diese Mischung aus eingängigem Pop und aggressivem Metal, die diese Faszination ausübt. Auffallend ist, dass sie nach jedem Song kurz in die hintere Bühnenecke verschwindet, wohl um dort zu trinken. Insgesamt wirkt es jedoch alles einstudiert und Poppy ist auch keine Quasselstrippe, ab und zu mal ein „Thank You“ oder „Hello Cologne“, ansonsten scheint sie kein Freund großer Worte zu sein. Die teilweise heftigen Rhythmen rufen natürlich wie schon zuvor, etliche Crowd-Surfer auf den Plan und auch ein ordentlicher Circle Pit darf nicht fehlen. Aber alles wirklich gesittet, da bin ich deutlich härteres gewöhnt. Alles in allem eine unterhaltsame Show, mit kräftigen Nebelfontänen, die aber allerdings nach fünfundsechzig Minuten inklusive einer Zugabe auch vorbei ist und mit einem heftigen Konfetti Regen endet. Eben auch typisch amerikanisch.

Setlist: Bruised Sky, Bloodmoney, Scary Mask, The Cost Of Giving Up, Public Domain, Concrete, The Center’s Falling Out, Anything Like Me, Have You Had Enough?, Crystallized, Time Will Tell, V.A.N (Bad Omens cover), If We're Following The Light, They’re All Around Us



Autor: Pistol Schmidt - Pics: Pistol Schmidt/ CAA