Ich hatte jahrelang versäumt, dass im Schalander in Unna donnerstags Konzerte bei freiem Eintritt stattfinden. Durch eine versehentliche Doppelbuchung wurde dieses Konzert aber auf einen Mittwoch verlegt. Dennoch ist der Laden heute gut gefüllt. Cheap Tequila aus Dortmund gibt es schon seit 1979 und sind selbst mir seit Jahrzehnten ein Begriff. Mein Vater war schon in den Neunzigern Stammkunde bei Musik Jellinghaus in Dortmund, wo Cheap Tequila-Gitarrist und Gründer Matthias Schaaf gearbeitet hat, der heute noch das Musik Center in Dortmund-Dorstfeld betreibt. Zudem wohnt Bassist Rolf „Rolle“ Ruhland in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Da ich heute mal keine Probe habe, entschließe ich mich also, ins benachbarte Unna zu fahren und mir knapp zwei Stunden Blues zu geben. Dass ich Cheap Tequila das letzte Mal in der Feuerwehr in Kamen-Heeren live gesehen hatte, ist nämlich bestimmt auch schon wieder zwei-drei Jahre her.
Das Ambiente ist für mich als Hard Rock- und Metal-Fan erstmal ungewohnt. Das Schalander ist eine gemütliche Kneipe mit einem Fassungsvermögen von etwa neunzig Sitzplätzen. Der Saal ist gut gefüllt. Das Publikum sitzt an Tischen und trinkt Bier. Erst ab dem Mischpult stehen hinten ein paar Leute. Vor der Bühne steht niemand. Bewegung im Publikum gibt es auch kaum. Es ist eben ein Kneipen-Gig. Cheap Tequila sind die einzige Band des Abends. Heute spielt auch Keyboarder Dieter Kozak mit, den sie - laut Angaben der Musiker - immer nur dabei haben, wenn die Bühne auch groß genug ist. Die Combo hat für heute zwei Sets zu je fünfzig Minuten Spielzeit eingeplant. Die Setlist besteht hauptsächlich aus Coversongs, es gibt aber auch drei eigene Stücke zwischendurch. Neben eigenem Merchandise der Band (eine LP und vier CDs) gibt es am Eingang auch das Buch „Blues Im Ruhrpott“ am Eingang zu erwerben, welches Autor Willi Paßmann dort selbst verkauft. Ob Cheap Tequila dort ebenfalls erwähnt werden, verrät die Band nicht. Das erste Set beginnt furios mit einem flotten Instrumental, bei dem die Mundharmonika praktisch die Gesangslinien übernimmt. Danach hat Harpist Thomas Buchmann, der sogar noch aus der Originalbesetzung stammt, jedoch erstmal relativ wenig zu tun und steht meist entspannt mit verschlossenen Armen daneben – zumindest im ersten Set. Der Rest der Band spielt sich dagegen in einen Rausch. Vor allem Gitarrist Matthias Schaaf fudelt sich in Extase und treibt seine Truppe förmlich an. Der Bass macht gut Druck und bildet ein Fundament, sodass keine zweite Gitarre nötig ist. Die Musik „rollt“ richtig, wenn das Tempo angezogen wird. Das macht richtig Bock! Zum Runterfahren gibt es zwischendurch insgesamt drei ruhige Songs, die mir persönlich aber schon zu seicht sind.
Der erste davon war sogar eine Eigenkomposition, bei der Sänger Bernd Rödiger auch erstmals zur Akustikgitarre greift. Dies tut er auch beim Namensgeber der Band, „Cheap Tequila“, geschrieben von Rick Derringer, den man aber eher von Johnny Winter her kennt. Das erste Set wird mit der Roy Buchanan-Nummer „My Baby Says She ´s Going To Leave Me" beendet, in dessen Mittelteil Sänger Bernd „Whole Lotta Love" von Led Zeppelin anstimmt. Im zweiten Abschnitt geht es dann wieder flotter zu. Die Band punktet mit viel Spielfreude. Am Zusammenspiel merkt man erstmal, wie gut die Band aufeinander abgestimmt ist, die seit 2013 ohne weitere Besetzungswechsel ausgekommen ist. Vor allem merkt man das an den Enden der Songs, denn die Breaks am Schluss sind beängstigend tight gespielt. Die Tomläufe und Beckenanschläge von Schlagzeuger Wolfram Schaaf, der der Bruder des Gitarristen Matthias ist, sitzen präzise. Zwischendurch wird ein Hut für eine Kollekte herumgereicht, der sich jedoch als ein großer Korb entpuppt, „in dem ja doch so einiges drin ist“, wie Sänger Bernd bemerkt, der mit seinen lässigen Ansagen sympathisch rüberkommt und anschließend die Band vorstellt. „Kein Cheap Tequila-Gig ohne Rory Gallagher-Song“, kündigt er noch „Country Mile" an. Nach dem regulären Set ist aber noch nicht Schluss, denn die Band lässt sich zu einer Zugabe hinreißen. Es ist schön, mal „Little Wing“ von Jimi Hendrix zu hören und nicht immer nur „All Along The Watchtower“, „Crosstown Traffic“ oder „Hey Joe“. Es wurde jedoch in der Eric Clapton-Version gespielt. Überhaupt ist die Songauswahl heute echt gut. Neben ganz vielen Geheimtipps, die mir fast alle kein Begriff sind, gibt es von den bekannteren Interpreten nie den typischen Standard-Track. Gut gemacht!
Setlist 1: Freddy´s Combo, Tore Down, One More Mile, Only An Ocean, Got To Get Better In A Little While, Singed Sealed And Delivered, I´m Back, Cheap Tequila, My Baby Says She´s Going To Leave Me
Setlist 2: It´s Called A Brandnew Day, Palace Of The King, Soulshine, So Into You, Now Here, Jumpin´ For Joy, Country Mile, Hard Times, Like This Way, Little Wing
Ebenfalls gut ist der Sound des Hausmischers des Schalander gewesen, der für einen warmen, transparenten Klang sorgte. Gegen 23 Uhr ist der Konzertabend dann vorbei, und es geht wieder nach Hause, denn morgen ist ja auch wieder Arbeiten angesagt. Bei nur sechs Kilometern Anfahrt jedoch das geringste Übel! Ein Dank geht auch an Leon Radix (Social Media-Manager der Lindenbrauerei, der auch das Schalander angehört) für die geilen Live-Bilder!











































