PENTAGRAM (A.K.A. MEZARKABUL), DREAM OCEAN, BLACK MESSIAH

Bochum, Matrix, 02.05.2026

Pentagram - Index - live - 2026Mit den türkischen Pentagram bin ich zwar nicht sonderlich vertraut, und deshalb war diese Konzertreise auch nicht geplant, dennoch kam es dazu, dass wir auf der Gästeliste gelandet sind. Neugierig war ich dennoch. Ihr selbstbetiteltes Debüt von 1990 befindet sich in meiner privaten CD-Sammlung und bietet geilen Old School Thrash. Von den späteren Alben kenne ich nur den Titeltrack ihres dritten Albums „Anatolia“, der 1998 mal auf einem Rock Hard-Sampler vertreten war und epischen Metal mit pompösen Chören bot. Zudem liest man im Netz von vier Hauptsängern und von der Tatsache, dass alle ihre bisherigen Alben völlig unterschiedlich klangen. In der Menge erkennt man kein einziges bekanntes Gesicht! Und das im Ruhrpott! Na, das kann ja was geben!

Black Messiah - live - 2026Erst am selben Tag erfuhr ich durch einen Flyer, dass Black Messiah aus Gelsenkirchen heute den Opener machen würden. In 35 Jahren Band-Geschichte spielen sie heute zum ersten Mal überhaupt in der Matrix. Das freut mich sehr, habe ich die Band doch noch nie live gesehen, obwohl ich sie seit ihrem 1997er Debüt „Sceptre Of Black Knowledge“ her kenne. „Unsere Texte handeln von Germanischer Mythologie und Schlachten, aber nur coole Sachen“, stellt Detty seine Band vor. Und in der Dreiviertelstunde Spielzeit zeigen sie ihre komplette Bandbreite. Von getragenen Midtempo-Passagen bis hin zu Blastbeats, von heroischem Klargesang bis zu Black Metal-Gekreische, von Hasstiraden wie „Christenfeind“ bis hin zu Partymucke wie das „Sauflied“, mal Deutsch und mal Englisch gesungen: Hier ist für jeden etwas dabei. Detty merkt an, dass das Publikum heute anders ist als sonst. Trotzdem kann er auch das Publikum animieren: „Wollt Ihr mit uns ein Sauflied singen? So etwas machen wir nämlich manchmal auch“, merkt er an, und die Meute macht lauthals mit. Besonders interessant ist, dass der Frontmann häufig zur Violine greift und mitspielt. Das hat Laune gemacht!

Dream Ocean - live - 2026Die nächste Band sagt mir gar nichts. Dream Ocean wurden in Istanbul gegründet, sind jetzt aber wohl in Köln ansässig, und sollen Symphonic Metal spielen. Ich ahne schlimmes und befürchte kitschiges Geschunkel und nerviges Elfengejaller. Aber Pustekuchen! Die Musik hat fette Riffs und stampft ordentlich! Mega groovig und modern, noch dazu mit sehr lautem Sound, ballert das hier ungewohnt. Ein bisschen fühle ich mich musikalisch an Evanescence und Lacuna Coil ab „Karmacode“ (2006) erinnert, auch wenn der Vergleich tatsächlich etwas hinkt. Blickfang ist natürlich Frontfrau Başak Ylva mit ihrem Lederoutfit und der langen Lockenmähne, die ihre Ansagen wechselnd auf Englisch und auf Deutsch macht und das Publikum gut im Griff hat (Zum Schluss gibt es dann auch eine viel umjubelte Ansage auf Türkisch). Auch ihre Gesangsleistung ist top! Auch wenn ich persönlich überhaupt keinen Operngesang mag, muss ich ihr attestieren, dass sie ihr Handwerk inklusive der hohen Stimmlagen beherrscht. Ein schiefer Ton ist dabei nicht zu vernehmen. Die Performance ist energisch, und die Band hat richtig Bock! Ein bisschen nervt es mich, dass die Rhythmusgitarren bei den Soli genauso vom Band kommen wie das Keyboard (obwohl eins auf der Bühne steht). Benutzt wird es bei einer Halbballade zum Schluss des Sets hin aber dennoch einmal, was für einen coolen Show-Effekt sorgt. Nach einer guten Stunde ist Schluss, und Dream Ocean hinterlassen einen zum größten Teil positiven Eindruck (auch wenn ich mir keines ihrer beiden Alben in die heimische Sammlung stellen würde). 

Pentagram - live1 - 2026Dann ist es endlich soweit, und Pentagram, die außerhalb ihrer Heimat auch unter dem Namen Mezarkabul auftreten, um Verwechslungen zu vermeiden, betreten die Bühne. Das Intro dauert mega lange, und die Band ist währenddessen noch dabei, die Instrumente zu stimmen und an den Beckenständern zu schrauben. Hätte man das alles nicht schon vorher machen können? Es gibt scheinbar auch Sound-Probleme. Die Band hört mitten im Opener auf zu spielen, und es gibt fragende Blicke nach hinten. Und auch im weiteren Verlauf hat man immer wieder das Gefühl, Pentagram bei einer Probe oder einer Jam Session zuzuschauen, und das, obwohl immerhin noch drei Urmitglieder von 1987 mit dabei sind. Die Rhythmik klingt recht holprig, und Gitarrist Metin Türkcan, der oft verträumt durch die Gegend schaut, scheint auch immer nur sporadisch mitzuspielen. Das Schlagzeug hat keinen Druck, so als wäre es über die PA gar nicht abgenommen worden. Das Drumming wirkt spartanisch. Der räudige Gesang von Gitarrist Hakan Utangaç will nicht so richtig zur Musik passen. Irgendwann kommt mit dem viel umjubelten Murat İlkan ein zweiter Sänger auf die Bühne, der es deutlich besser macht und melodischer und hymnischer singt. Aber auch hier ist die Karussellfahrt der Besetzung noch nicht beendet, denn mit Gökalp Ergen betritt ein weiterer Sänger die Bühne. Er kommuniziert zwar am besten mit dem Publikum, schreit aber eigentlich nur. Die Musik ist insgesamt meist im Midtempo gehalten.

Pentagram - live2 - 2026Irgendwann schleicht sich auch ein seltsamer Polka-Takt ein. Es ertönen orientalische Melodien vom Keyboard. Dazu gibt es immer wieder vertrackte Rhythmen. Alles klingt irgendwie sperrig und bleibt nicht hängen. Zumindest nicht bei mir, denn bei zwei-drei Songs gibt es fanatische „Hohoho“-Singchöre im Publikum, das kaum nach Metal aussieht. Die Band scheint in ihrer Heimat also offensichtlich ein paar Hits gehabt zu haben. Ich hatte im Netz zuvor gelesen, dass alle ihre Alben unterschiedlich klingen. Tatsächlich gilt dies auch für die Setlist. Ich habe keine Ahnung, ob Pentagram auch etwas von ihrem Debüt gespielt haben. Wenn, dann nur in gedrosseltem Tempo, und ich habe es nicht erkannt. Lediglich „Anatolia“ höre ich heraus. Und auch das kommt heute mit weniger Chören aus und ist sperriger gespielt. Zudem wird der Song auch nicht wie gewohnt auf Englisch, sondern auf Türkisch gesungen. So viel Mühe sich die Band heute auch auf der Bühne gibt: Der Funke will bei mir einfach nicht überspringen. Scheiße finde ich den Gig dennoch nicht. Ich habe keine Ahnung, woran es liegt. Pentagram klingen eigenständig, obskur und kauzig, und sind auf jeden Fall interessant, machen aber offensichtlich keine massentaugliche Musik für die Bühne. Auch muss ich negativ erwähnen, dass alle Ansagen auf Türkisch gemacht werden, und ich natürlich kein einziges Wort verstehe. Keine Ahnung, warum Pentagram denken, das heute ausschließlich ihre Landsleute in der Matrix sind. Mit Fragezeichen in den Gesichtern machen wir uns irgendwann auf Richtung Ausgang.

Es war schon ein merkwürdiges Konzert heute. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mich mal ein Headliner so wenig abgeholt hat. Auch war es komisch, mich in der Matrix als Außenseiter im Publikum zu fühlen. Dieses typische Gefühl der Metal-Gemeinde im Ruhrpott hatte man heute überhaupt nicht. Die Merchandise-Preise (40 € für ein Shirt und 50 € für eine LP) waren auch unter aller Sau. Es hinterlässt alles einen faden Beigeschmack. Das klingt jetzt vielleicht alles sehr negativ. Wie gesagt, Scheiße fand ich den Gig gar nicht einmal. Aber Fan der Band werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr. Das Debüt werde ich aber weiterhin gerne aus meinem CD-Regal ziehen und dabei von nun an wohl immer mit einem Schmunzeln an dieses seltsame Konzert denken.

 



Autor: Daniel Müller - Pics: Tom Pieper