AIMLESS DEATH - Einen wirklichen roten Faden, der sich in eine Richtung durchzieht, haben wir sowieso nicht!


Bis vor kurzem hatte ich noch nie etwas von Aimless Death aus Bayern gehört, bis ich von ADG Records eine Anfrage für ein Review und Interview bekam. Da ich generell auf Old School Thrash- und Death Metal stehe, habe ich natürlich zugesagt. Sänger Stefan Frisch ließ die komplette Geschichte noch einmal Revue passieren und stand mir Rede und Antwort.

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Daniel: Hi Stefan! Ihr spielt eine Mischung aus Thrash- und Death Metal. Welche Bands haben Euch beeinflusst? Und haben sich diese Einflüsse in all den Jahren vielleicht geändert?

Stefan: Nun ja, wir sind ein ziemlich stark zusammengewürfelter Haufen, da ist von Black, Death, Doom, Stoner, Thrash bis hin zu moderneren Sachen, in den privaten Hör-Präferenzen alles mit dabei und schlägt sich natürlich auch im Songwriting nieder. Die Einflüsse haben sich sicherlich, unter anderem auch wegen der Besetzungswechsel, etwas verschoben oder geändert, aber einen wirklichen roten Faden, der sich in eine Richtung durchzieht, haben wir sowieso nicht.

Daniel: Worum geht es in Euren Texten? Geht es nur um die Erfüllung der üblichen Klischees? Oder steckt mehr dahinter?

Stefan: Die Themen der Songs ergeben sich beim Texten, wir setzen uns jetzt nicht hin und sagen, wir schreiben einen Song über dieses oder jenes Thema. Inquisition" ist relativ selbsterklärend, es geht also um diese ganzen Hexenprozesse im 13. bis 18. Jahrhundert. Bei Barbed Wire Crown” läuft ein fundamentalistischer Christ Amok, der sich für die Reinkarnation von Jesus Christus hält. Bloodlust” handelt von einem Arschloch, dem von einem Sukkubus der Schwanz abgerissen wird. Inferno” behandelt das letzte Aufbäumen der heidnischen Völker während der Christianisierung Europas. In The Cult” wurde die sehr seltsame Begegnung von mir mit einem Verschwörungs-Schwurbler verarbeitet. Acid Rain” ist ein Song über eine menschlich selbstverschuldete Apokalypse. Requiem” ist ein Song über das Sterben an sich und was so dazu gehört. Of lesser men” lässt sich am Besten als unsere Version von „Fortunate Son” von CCR verstehen, es handelt sich um die gleiche Thematik. Blinded By Fear” ist die Resignation eines Menschen, der jahrelang für etwas gekämpft hat, es aber einfach nicht mehr packt, dieser ganzen Ignoranz entgegenzutreten. Kings Of The Gutter” soll dieses Gefühl beschreiben, das einsetzt, wenn es ein ganzes Wochenenden ab geht und man von Außenstehenden nur als asoziales Arschloch gesehen wird. Ich weiß nicht, ob die üblichen Klischees bedient werden, meist sind es Sachen, die uns Privat über den Weg laufen, ob das jetzt Bücher, Filme, Hobbies oder irgendwelche Begegnungen mit komischen Typen, die dich volllabern, sind. Es ist also ganz egal, wenn dich dann mal die Inspiration packt, wird es verwurstet”.

Daniel: Lass uns mal ganz vorne anfangen: Du hast die Band im Jahr 2000 gegründet, aber erst 2011 ging es so richtig los. Warum währte die Anfangszeit nur so kurz? Und warum hat es danach noch so lange gedauert, bis der Stein endlich ins Rollen kam?

Stefan: Dieses unsägliche Jahr-2000-Ding verfolgt uns jetzt schon eine ganze Weile, weil das mal irgendwo reingeschrieben wurde. Laut unserem Drummer, der damals als Einziger von uns schon dabei war, waren damals zwei oder drei Proben, und dann ist das Projekt wieder verworfen worden. Ich denke, dass wir einfach ab 2011 rechnen sollten, und dann ist das auch gut. Dass der Stein nicht rollte, lag viel an der unterschiedlichen Motivation der ehemaligen Mitglieder. Es sollte in verschiedene Richtungen gehen, was nicht wirklich funktioniert hat. Mit der jetzigen Besetzung haben wir von vornherein besprochen, was wir wie machen wollen und ob alle damit klar kommen, was bis jetzt auch sehr gut funktioniert, und im Großen und Ganzen läuft es deswegen auch recht harmonisch ab.

Daniel: Es hatte wiederum sieben Jahre gedauert, bis die erste, selbstbetitelte EP auf CD erschienen war. Bis auf Gitarrist Peter und Drummer Tom ist aber schon keiner mehr von der original Besetzung dabei gewesen. Wie kam es, dass Ihr mit so vielen Besetzungswechseln zu kämpfen hattet?

Stefan: Vor der EP gab es 2014 ein Demo, die EP war dann nur möglich, weil sich die Besetzung einige Zeit halten konnte. Von 2011 bis 2018 waren die Besetzungswechsel eher davon geprägt, dass verschiedene Leute verschiedene Sachen wollten. Nach der EP haben aber verschiedene Lebensentwürfe, im Sinne von Ausbildung und Familienplanung für Besetzungswechsel gesorgt. Dann kam Corona noch oben drauf und Peter und Tom standen allein auf weiter Flur.

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Daniel: Wiederum sechs Jahre hat es gedauert, bis Euer Debüt „Mountains Of Madness“ fertig wurde. Das Album wurde damals in Eigenregie veröffentlicht. Gab es damals kein geeignetes Label, dass an einer Veröffentlichung interessiert gewesen wäre? Oder habt Ihr Euch da gar nicht drum gekümmert? Und ist dieses Debüt überhaupt heute noch erhältlich?

Stefan: Beim Debüt haben wir uns tatsächlich nicht darum bemüht, ein Label zu suchen. Von „Mountains Of Madness“ haben wir noch ein Paar CDs und Vinyls rumliegen. Diese sind noch über Bandcamp oder bei unseren Auftritten erhältlich. Es sind aber nicht mehr viele.

Daniel: Für das neue Album „Inquisition“ habt Ihr mit ADG ein Label gefunden. Wie kam dieser Kontakt zustande?

Stefan: Tatsächlich war nach der Produktion von Inquisition“ die Bandkasse leer, und wir haben uns dann geeinigt, auf die Suche nach einem Label zu gehen, um das Album dann physisch rausbringen zu können. Nach vielen Bewerbungen, die alle zu keinem Ergebnis führten, habe ich Marcel von Tot Und Teufel mal angeschrieben, mit dem wir schon vorher Kontakt hatten, ob er nicht jemanden kennt, zu dem unsere Mucke passen könnte. Der hat mir dann gleich den Kontakt zu Daniel von A.D.G vermittelt, und das hat super funktioniert.

Daniel: Ist auch eine LP- oder Tape-Version geplant? Oder bleibt es bei der CD?

Stefan: Eine LP ist auf jeden Fall noch angedacht.

Daniel: Ich finde es schön, dass Ihr Eure Alben auf CD veröffentlicht habt. Wie stehst Du, im Gegensatz dazu, zu den modernen Formaten wie Downloads und Streaming? Ist es als Musiker nicht viel schöner, einen richtigen Tonträger in den Händen zu halten, den man den Hörer auch in physischer Form anbieten kann?

Stefan: Ich bin Downloads und Streaming gegenüber tatsächlich recht aufgeschlossen, denn wenn man gerade als kleine Band die Mittel für CDs etc. nicht hat, kann man immerhin so seine Musik rausbringen, und Leute können sie hören. Etwas in der Hand zu haben, ist natürlich ein absolut geiles Gefühl, als Künstler genauso, wie als Hörer, das ist aber in Eigenproduktion mit immensen Kosten verbunden.

Daniel: Wie lange hat es gedauert, die Songs für „Inquisition“ zu schreiben und aufzunehmen?

Stefan: Das war sehr unterschiedlich, manche waren in fünf Minuten im Proberaum plötzlich einfach da, an anderen wurde ein halbes Jahr getüftelt, bis es gepasst hat. Alles in allem, würde ich sagen, standen die Songs innerhalb von sechs Monaten, und dann haben wir an mehreren Wochenenden auch über sechs Monate das Ganze aufgenommen.

Daniel: Wo habt Ihr aufgenommen, und wer hat produziert?

Stefan: Aufgenommen haben wir tatsächlich bei einem Bekannten, der sich zuhause ein kleines Hobby-Studio eingerichtet hat. Produziert haben wir das dann mit seiner Hilfe in Eigenregie, wofür wir ihm total dankbar sind. Gemischt und gemastert wurde es bei The Mix Hub in Helmbrechts.

Daniel: Das Artwork ist schön old school. Von wem stammt es, und wie seid Ihr mit dem Künstler in Kontakt gekommen? Kanntet Ihr schon andere Arbeiten von ihm?

Stefan: Das Artwork stammt von Kevin Wehr, der einen Tattoo-Laden führt (Slow Death Tattoos). Der hatte tatsächlich vorher unseren Bassisten Quinn tätowiert, und so kam auch der Kontakt zustande.

Daniel: Spielt Ihr eigentlich auch live? Und wann und wo kann man Euch demnächst mal auf der Bühne sehen?

Stefan: Wir haben dieses Jahr noch einige Sachen in Aussicht:

05.06.26 Göss Open Air
26.09.26 Falling Leaves Festival
09.10.26 Gehenna Festival

Dann sind auf Ende des Jahres noch zwei oder drei Sachen geplant, die sich aber noch in der Planungsphase befinden.

Daniel: Wenn man an Eurer EP und Euren beiden Alben interessiert ist, wie kann man am besten mit Euch in Kontakt treten?

Stefan: Die EP ist ausverkauft, die Alben gibt es auf Bandcamp, bei A.D.G. oder Live.

Am besten sind wir über unsere Social Media Accounts zu erreichen, Instagram, Facebook etc. oder über die Email auf unserer Website ( www.aimlessdeath.de).

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Daniel: Wie sehen Eure Zukunftspläne mit Aimless Death aus? Was ist demnächst alles so geplant?

Stefan: Wir sind mit unseren Plänen eigentlich recht bescheiden, alle paar Jahre ein Album und dazwischen live spielen. Wir haben einfach Spaß daran, Musik zu machen, und das wollen wir auch so weiter verfolgen. Der Plan ist, dass wir Mitte nächsten Jahres wieder Richtung Brainstorming für neues Material gehen, und dann mal schauen, was wird.

Daniel: Na gut, Stefan! Dann gebührt Dir noch das Schlusswort!

Stefan: Wir hoffen einfach, dass das Album gut ankommt und wir bald mal hier rauskommen, um Euch das Ding live um die Ohren hauen zu können.

 

 



Autor: Daniel Müller