VENOM - INTO OBLIVION


Label:NOISE / BMG
Jahr:2026
Running Time:43:57
Kategorie: Neuerscheinung
 

Es ist mittlerweile ein bisschen schwierig, bei Venom noch durchzublicken. Die Mark II-Besetzung mit Tony „Demolition Man“ Dolan an Bass und Gesang war jahrelang als Venom Inc. unterwegs. Die gibt es wohl auch noch, doch Dolan steht nun mit komplett neuer Hintermannschaft da. Seine beiden Ex-Mitstreiter sind nun als Mantas Abaddon Venom live unterwegs und spielen „Welcome To Hell“- Retroshows zum 45-jährigen Jubiläum des legendären Debüts. Zu Cronos hat niemand aus beiden Lagern noch Kontakt. Da geht schon fast unter, dass es die „richtigen“ Venom tatsächlich auch noch gibt! Und damit sie nicht in Vergessenheit geraten, kommt das neue Album „Into Oblivion“, das nunmehr sechzehnte Album der Black Metal-Urväter, anscheinend genau zum richtigen Zeitpunkt. Tatsächlich haben Venom seit dem Einstieg von Gitarrist John Stuart „Rage“ Dixon (seit 2007) und Daniel Jon „Dante“ Needham (seit 2009) auch die langjährigste und stabilste Besetzung vorzuweisen; auch ein Fakt, der vielen nicht bewusst sein dürfte.

In dieser Besetzung sind mittlerweile vier Alben entstanden, die allesamt gut sind. Ich kenne viele alt eingesessene Venom-Fans, die ohne große Erwartungen an „Into Oblivion“ rangegangen sind und positiv überrascht waren. Ich war aber vor allem von „Fallen Angels“ (2011) und „From The Very Depths“ (2015) seinerzeit schon sehr angetan. Auch das letzte Album „Storm The Gates“ gefiel mir sehr gut, auch wenn es auf Dauer vielleicht ein bisschen zu sehr im Midtempo rumdümpelte. Auf dem neuen Album gibt man sich dagegen wieder variabler. Wie eigentlich immer, gibt es die übliche Mischung aus nicht übertriebenem Uptempo, stampfendem Groove und einem Schuss Rock ´n´ Roll, immer geführt von Cronos´ eigenwilligem, theatralisch phrasiertem, aber immer charismatischem Gesang. Genau wie auf „From The Very Depths“ gibt es auch hier mit „Lay Down Your Soul“ textlich einen Tribut an alte Zeiten. Musikalisch erinnert der Anfang von „Kicked Outta Hell“ an „Die Hard“.

Dennoch glorifiziert man nicht nur die eigene Vergangenheit. Venom geben sich verhältnismäßig breitgefächert. Allen voran „As Above, So Below“ überrascht mit einer coolen Snarefigur am Anfang und einem hymnischen Refrain. „Dogs Of War“ kommt schön doomig daher. Bei „Deathwitch“ gibt es coole Gangshouts. Bei „Unholy Mother“ gibt es dezente, sphärische Keyboards im Hintergrund. Generell ist alles ganz gut gespielt. Dennoch behalten Venom ihre urtypischen Trademarks bei, haben plakative, klischeetriefende Texte, klingen immer noch roh und ein bisschen rumpelig. Auch die Produktion klingt alles andere als glatt poliert, was ich alles sehr positiv werte! Venom Anno 2026 geben sich facettenreich, sind aber immer klar wieder erkennbar. „Into Oblivion“ ist zwar kein Reißer geworden, der sich auf Dauer in den Gehörgängen festsetzen wird. Aber Cronos zeigt, dass die „richtigen“ Venom immer noch Daseinsberechtigung haben, und wie anfangs bereits erwähnt: Viele alte Fans werden positiv überrascht sein!

 

Note: 8 von 10 Punkten
Autor: Daniel Müller


zurück zur Übersicht