Derzeit sind eine Menge Bands auf Tour, die ich allesamt entweder noch nicht kenne oder noch nicht live erlebt habe. So führt der heutige Weg ins Bürgerhaus Stollwerck in Köln, wo gleich drei mir total unbekannte Kapellen spielen. Da es mal wieder regnet, begebe ich mich ins Foyer der Venue. Dort steht schon eine lange Schlange, die auf den Einlass warten. Was mir auffällt, es sind erstaunlich viele Personen dort, die allen Anscheins nach der LGBTQ Community zugeordnet werden können. Einerseits für Köln nichts wirklich ungewöhnliches, aber man ist auf das heutige Programm gespannt. Der Einlass ist pünktlich und ich wechsle ein paar Worte mit Bekannten der Security Truppe. Mit den Mädels und Jungs sollte man sich immer gut stellen, sie machen schließlich auch nur ihren Job. Wer heute allerdings einen absolut unterirdischen Job macht, ist der Lichtmischer. Ich weiß nicht, ob das auf Wunsch der Musiker so angeordnet worden ist, jedenfalls ist die Lichtsituation bei allen drei Kapellen eine Katastrophe. So gut wie Null Frontlicht, dafür Nebel ohne Ende. Das kenne ich von dieser Location eigentlich gar nicht. Und ich habe schon viele Shows dort gesehen. Eigentlich sieht man nur aus dem Hintergrund beleuchtete Schatten. Dazu irgendwelche Crewmitglieder, die fast während der ganzen Show mit Blitzlicht fotografieren und dabei ihre Kameras mit ausgestreckten Armen hochhalten. Wer nun vorne steht und nicht gerade 2 Meter groß ist, sieht dadurch noch weniger.
Nun gut, als erste Kapelle sind Artio an der Reihe. Jetzt verstehe ich auch meine Beobachtung vor dem Einlass. Die vierköpfige Band aus Leeds, die Wert auf ihre Pronomen legen, ist das Projekt der Leadsängerin und Songwriterin Rae Brazill (they/them), des Produzenten und Bassisten Ieuan Jones (he/him), des Leadgitarristen Rob Arkle (he/him) und des Rhythmusgitarristen Jai Akhurt (they/them). Gegründet im Jahr 2018 in Leeds, West Yorkshire spielen sie eine Mischung aus Alternative-Rock, elektronischer Musik und NU-Metal. Mich überzeugt das allerdings nicht wirklich, solche Melodien habe ich schon tausendmal besser gehört. Gut, die Bühnen Performance von Rae Brazill ist energiegeladen und mit viel Bewegung, aber da hört es dann auch schon auf. Im Publikum sind jedoch viele Fans, wie man am begeisterten Beifall hören kann. Die eine oder andere Nummer wird dann auch mitgesungen. Nach einer halben Stunde ist es dann an der Zeit, das Feld für die zweite Vorgruppe zu räumen.
Setlist: If Only, Devil, Dead In The Sand, Bite Down, Void, Product, Seven Suns
Es folgt Overgrown aus Brighton in Großbritannien. Die Jungs halten ihre Identitäten recht gut unter Verschluss, so findet man wenig bis gar keine Informationen über diese Truppe im weltweiten Netz. Sie mischen harten Grunge mit den Emotionen des Nu-Metal-Sounds der 2000er Jahre. Aber auch hier muss ich leider sagen, Daumen runter. Der Funke will einfach nicht überspringen, das ist alles langatmig und es fehlt mir einfach der Rock ’N‘ Roll Vibe. Textlich favorisiert man Inhalte über mentale Gesundheit und ähnliche Problemchen die der Mensch so haben kann. Alles schön und gut, aber es zieht sich wie ein zähfließender Lavastrom dahin. Solange es den Zuschauern gefällt, ist es ja in Ordnung und hat durchaus seine Berechtigung. Vielleicht gab es den Support-Slot ja auch, weil das Wort „Overgrown“ im Songtext von Yonaka’s Single „Eat You Alive“ auftaucht, oder man einfach aus der gleichen Stadt kommt.
Setlist: Pieces, Blind, Lay Cold, Mistake, Waiting Room, Give Up, Breathe
Jetzt kommt endlich der Headliner des heutigen Abends, die Musiker von Yonaka nehmen ihre Plätze ein. Leider verbessert sich die Lichtsituation nicht und die Sekundenbruchteile, wo man die Gesichter der Protagonisten erkennen und fotografieren kann sind rar. Der Bandname bezieht sich übrigens auf den japanischen Ausdruck für Mitternacht. Gegründet wurde das Ensemble im Oktober 2014 in Brighton, Großbritannien, wo sich die Musiker Theresa Jarvis, George Edward, Alex Crosbyan der dortigen Universität kennenlernten. Der ursprüngliche Schlagzeuger Robert Manson ist allerdings nicht mehr dabei und wird vortrefflich durch den Live Drummer Adam Breeze ersetzt. Und jetzt gibt es auch richtig geile Musik auf die Ohren, eine wilde Mischung aus Alternative Rock mit Pop, Punk und Trap-Elementen.
Front Lady Theresa Jarvis überzeugt mit ihrer kraftvollen Stimme und die restlichen Musiker halten das Energielevel hoch. Es steigert sich mit jedem Song und wie heute fast überall üblich, folgt irgendwann die Aufforderung der Sängerin zum Circle Pit. Dem wird auch direkt Folge geleistet und der gut gefüllte Saal mosht was das Zeug hält. Zwischendurch lassen mich die Kapriolen von Drummer Adam immer wieder schmunzeln, anscheinend hat er den Spirit von Arejay Hale (Halestorm) gefrühstückt und missbraucht sein Drumset ständig als Turn Rack. Die Stücke haben echtes Hit Potential und mich wundert, dass ich diese Truppe bisher nicht entdeckt habe. Aber Theresa kann auch Balladen, wie die beiden akustisch gespielten Nummern „Do It For You“ und „Creature“ eindrucksvoll unter Beweis stellen. Für den Song „Clique“ kommt Gastsängerin Lisa dazu, die ich allerdings nicht einsortieren kann, ich vermute mal, es ist eine Freundin oder Fan der Band.
Jedenfalls rocken die beiden Ladies ab wie der Teufel! Danach wird dann aber wieder das Gaspedal durchgetreten und Gitarrist George Edwards unternimmt einen Ausflug ins Publikum. Wer der englischen Sprache mächtig ist, merkt schnell das textlich vor allem Themen wie mentale Gesundheit, persönliche Stärke und den Umgang mit inneren Dämonen behandelt werden. Theresa Jarvis verarbeitet in ihren Songs hauptsächlich ihre eigenen Erfahrungen, was sich sehr deutlich bei der Zugabe „Hands Of My Money“ rauskristallisiert. Somit hat Yonaka den Abend gerettet und eine sehr fulminante Show abgeliefert!
Setlist: Eat You Alive, Hit Me When I'm Sore, Miss Millennial, Call Me A Saint, Problems, Cruel, Ordinary, At The Beach, Trouble Follows, Stay A Little While Longer, Try, Do It For You, Creature, Punch Bag, Bite The Bullet, Clique (with Lisa on stage), Predator, Seize The Power, Hands Off My Money











































