Nach einer geplanten Irrfahrt, die dann doch keine war, weil "Straßen Köln"einfach lustige Fehlinformationen im Netz stehen hat, stehe ich nun viel zu früh am Carlswerk Victoria. Der Gedanke, nebenan noch eine Pizza essen zu gehen, war dann auch nichts, da wegen Personalmangel direkt ewige Wartezeiten angekündigt wurden. Zu meinem Erstaunen hat sich allerdings an der Venue schon eine ewig lange Schlange aufgereiht, die einmal um das Parkhaus herumführt. Oha, würde der Norddeutsche jetzt sagen. Aufgrund der Tatsache, dass heute ein nicht gänzlich unbekannter, musizierender Schauspieler auftritt, ist der Anteil an weiblichen Besuchern extrem hoch. Witzige Anekdote am Rand, wie mir der Security Mitarbeiter sagte, sind wohl etliche Fans mit Meet & Greet Tickets gekommen, haben ihre Goodies in Empfang genommen, Fotos und Small Talk mit den Musikern und dann wieder ab nach Hause. Muss man nicht verstehen, oder? Ein Ticket für sechzig Tacken und ein VIP-Upgrade, das im Bereich von vierhundertfünfzig Euronen lag gekauft, Foto gemacht und wieder weg? Die Welt wird immer bekloppter!
Schlag acht Uhr startet das Programm mit dem Künstler Schimmerling, der nur mit sein der Gitarre bewaffnet die Bühne betritt. Im Fokus des Auftritts steht die raue Gesangsstimme des Sängers, irgendwo zwischen Klaus Lage und Grönemeyer. Rebellischer Indie Pop mit diesem scharfen Anarcho Unterton. In deutscher Sprache transportieren die Texte kleine Botschaften zu gesellschaftlichen Themen wie Klimawandel und Antirassismus, immer garniert mit ein paar kleinen Nadelstichen. Und obwohl das Publikum augenscheinlich wegen des Hauptacts angereist war, konnte der Barde punkten. Ich denke für ihn war es auch so eine Art Probelauf, für die anstehende Headliner-Tour im Herbst dieses Jahres.
Setlist: Ein und Alles, Zukunft, Luft und Liebe, Leila, Philosophia
Exakt im Zeitplan, obwohl ja eigentlich kein Umbau nötig war und alles schon auf der Bühne stand, geht es jetzt mit Dogstar weiter. Eine US-amerikanische Alternative-Rock-Band, die 1991 in Los Angeles, Kalifornien, gegründet wurde und aus drei Schauspielern besteht. Schlagzeuger Robert Mailhouse (Zeit der Sehnsucht, Seinfeld), Bassist Keanu Reeves (Matrix, John Wick) sowie der Gitarrist und Leadsänger Bret Domrose (Helden aus der zweiten Reihe, Elli Parker, Most Likely to Die). Hauptsächlich aufgrund Keanu Reeves Status als Hollywood Schauspieler, erlangte die Band mediale Aufmerksamkeit. Und obwohl ja bei den meisten Bands der Frontmann das absolute Zentrum der Aufmerksamkeit ist, wanderten die Blicke der anwesenden Ladies unweigerlich immer wieder auf die rechte Bühnenseite. Dort wo Keanu Reeves steht und scheinbar absolut tiefenentspannt seinen Bass spielt. Musikalisch wird allerdings schnell klar, dass der Dreier weit mehr ist, als nur das prominente Nebenprojekt eines Schauspielers. Zumal ja alle drei Protagonisten in diesem Genre unterwegs waren, halt mit unterschiedlichem Erfolg. Anders als zum Beispiel Johnny Depp, der ja angeblich immer schon Rockstar werden wollte.
Heute Abend präsentiert die Truppe eine Mischung aus ihrem 2023er-Comeback-Album „Somewhere Between The Power Lines And Palm Trees“ und taufrischem Material des Ende Mai erschienenen Albums „All In Now“ Und so lieferten die Jungs ein absolut bodenständiges und handwerklich sauberes Rock-Set ganz ohne Star-Allüren ab. Die Fans waren begeistert, obschon die Temperatur im Saal deutlich über dem Wohlfühlbereich lag. Dafür ließ man die Türen auf und in Innenhof der Venue konnte man sich zwischendurch mit Wasserzerstäubern erfrischen. Nach einer guten Stunde war das Hauptprogramm dann gespielt und es gab noch drei Zugaben on top.
Setlist: Siren, Lust, How The Story Ends, Everything Turns Around, Joy, Wing, This Sphere, Blonde, Glimmer, Math, The Whisper, Shards Of Rain, Exalted, Runway, What Is, Marmalade, All In Now, Punch the Sky, Shallow Easy, Breach











































