DEEP PURPLE - SPLAT!


Label:EAR MUSIC
Jahr:2026
Running Time:51:14
Kategorie: Neuerscheinung
 

Deep Purple sind weiterhin ein Phänomen. Immer wenn man denkt, die Band würde es nun ruhiger angehen lassen und den verdienten Lebensabend genießen, bringt die britische Hard Rock Legende schon wieder ein neues Album heraus. Doch es handelt sich hierbei nie um halbgare Resteverwertungen oder zahnlose Songs alternder Herren, sondern immer um frische Stücke mit neuen Ideen, die sich perfekt in den ureigenen Sound, den Deep Purple natürlich immer noch im Gepäck haben, einfügen. Dafür sorgt sicherlich auch „Jungspund“ Simon McBride, der freilich als noch recht neuer Gitarrist bei Deep Purple für einigen Input sorgt. Aber auch die Altvorderen lassen keinen Deut nach, auch wenn man von einem Ian Gillan logischerweise kein „Child In Time“ mehr erwarten darf. So setzen Deep Purple mit „Splat!“, so der eigenwillige Name des neuen Releases, wieder auf eigene Trademarks gepaart mit neuerem Sound, der aber nie zu modern wirkt.

Und auch wenn die Band den Opener „Arrogant Boy“ mit Klassikern wie „Highway Star“ oder „Space Truckin‘“ vergleicht, so überraschen doch waschechte Don Airey-Keyboards und somit progressive Züge zwischen den flotten Orgel-/Klampfen-Abfahrten und verspielt luftigen Zwischenparts. Eben halt ein Stück zwischen Tradition und heute. Natürlich setzen Deep Purple auch anno 2026 ihren Hard Rock mit versiertem Orgelspiel in Szene. Ob solierend oder songdienlich…Don Airey ist für diesen Job ein wahrer Diamant. Dreizehn Tracks lang unterhalten die Briten abendfüllend. Egal ob ein swingender Midtempo-Groover wie „Diablo“, inklusive amtlichem Six-String-/Orgel-Duett oder ein bluesiges Stück wie „The Beating Of Wings“ , dem eine gefällige Bar-Atmosphäre anhaftet oder einfach nur straighte, Orgel-geschwängerte Flott-Rocker wie „The Only Horse In Town“…die Formation zieht quer durch Classic-/Hard Rock-Landschaften basierend auf ihrem ureigensten Stil.

Und Ian Gillan ist nach wie vor hervorragend bei Stimme, markant wie eh und jeh. Beim sperrigsten Beitrag „Guilt Trippin‘“ haut er nach Piano-Geklimper zu Beginn und einer McBride-Elegie mit Marschrhythmen sogar mal wieder raue, screamige Momente hinaus, die an die Frühzeit der Truppe erinnern. Auch „My New Movie“ lässt tief in die Anfang70er-Phase  der Mannschaft blicken. Dagegen streut „Sacred Land“ beispielsweise durch die eingehend mystische Keyboard-Melodie und ein schwurbeliges Tasten-Solo zwischendrin etwaige Progressive Rock-Sequenzen ein. Kurzum, es passiert neben den Trademarks immer etwas Neues bei Deep Purple, und das macht die Jungs heutzutage noch so wertvoll.

Zusammengefasst am Ende noch mit dem Titelstück „Splat!“, bei dem luftigen Keyboards und Bass/Drum-Einstieg straighter, legerer Gesang folgt und ein session-artiges Keyboard-/Gtarren-Solo verzaubert. Wer also geglaubt hat, dass Deep Purple lediglich zwei Jahre nach dem letzten Opus nur einen lahmen Aufguss abliefern würden, hat sich getäuscht. Im Sound und auch Härtegrad hat man noch eine Schippe draufgelegt und erneut ein beeindruckendes Spätwerk erschaffen. Alter spielt keine Rolle, um weiterhin relevante Musik zu kreieren. Das kann allerdings nicht jeder…Deep Purple schon.

Note: 8.5 von 10 Punkten
Autor: Erich Robbers


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