Heute gibt es gleich drei Punk-Rock Dinosaurier, die sich alle Mitte bis Ende der 70ziger Jahre gegründet haben und immer noch aktiv sind, zu erleben. Wenn auch die Besetzung des Öfteren gewechselt hat, kann man doch sagen Punk Is Not Dead! Zwar hat man für die heutige Show die Location kurzfristig gewechselt, da anscheinend doch nicht ganz so viele Tickets wie erwartet verkauft wurden, aber das E-Werk in Köln ist eine schöne Location und mit einem Fassungsvermögen von etwa zweitausend Zuschauern auch nicht ganz so klein. Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings, dass zwei Tage vorher ein Fotovertrag vom Management verlangt wird, der jegliche Veröffentlichung, egal zu welchem Zweck, nur mit vorheriger Genehmigung zulässt. Dann eben nicht, so gibt es nur den Bericht ohne Fotos. Nach dem Einlass füllt sich die Venue allerdings sehr spärlich, erst zum Headliner sind dann deutlich mehr Gäste auszumachen. Allerdings von einem Sold Out noch ein gutes Stück entfernt.
Los geht es jetzt mit einem Urgestein deutschen Punk-Rocks, die 1979 in Hamburg gegründeten Slime beeinflussten mit ihren antifaschistischen Songs die Historie der deutschen Punk Bewegung. Manche Lieder waren sogar Gegenstand von Ermittlungsverfahren. Heute spielen sie in der Besetzung mit dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied Michael „Elf“ Mayer an der Gitarre, Christian Mevs ebenfalls Gitarre, Nicole "Nici" Perkovic am Bass, Schlagzeuger Alex Schwers sowie Sänger Tex Brasket. Ich hatte die Truppe erst vor kurzem beim Rock Hard Festival in Gelsenkirchen gesehen und war überrascht, wie druckvoll die Stücke rüberkamen. So ist das auch heute Abend, eine brettharte Wand drückt in den Saal und die bereits anwesenden Zuschauer gehen begeistert mit. Ein kleiner Moshpit oder Pogo-Tanz ist im Gange, in dem auch Leute gesetzteren Alters mit moshen. Der Großteil ist nun mal mit dem Punk groß geworden, was mehr als fünfzig Jahre her ist. Die Musiker halten die Stimmung hoch und werfen auch immer wieder Sprüche gegen den braunen Wind, der derzeit wieder durch Deutschland weht, in den Raum. So wie man es bei der Kapelle auch erwartet. Gute vierzig Minuten dauert ihr Set und konnte locker überzeugen.
Setlist: Komm schon klar, Armes Deutschland, Wer du bist, Alle gegen alle, Sie wollen wieder schießen (dürfen), Monster, Alptraum, Evolution, Schweineherbst, Sein wie die, Störtebecker, Religion
Jetzt folgen The Damned, eine britische Punk- und Gothic-Rock-Legende aus London, die 1976 von dem Sänger Dave Vanian, Captain Sensible (Raymond Burns der zuerst Bass und später Gitarre gespielt hat), dem Gitarristen Brian James und dem Schlagzeuger Christopher „Rat Scabies“ Millar gegründet wurde. Aktuell sind Paul Gray am Bass sowie der Keyboarder Monty Oxymoron mit von der Partie. Übrigens waren sie die erste britische Punk Band, die durch die USA tourte. Und ich bin mehr als überrascht, die Jungs haben keinen Yota ihrer Energie verloren und servieren ein knackiges Set ihrer Songs, natürlich auch der 1976er Erfolgshit „New Rose“ Das Spektrum geht weit über den Punk hinaus und Dave Vanians Vampir-Ästhetik prägte maßgeblich die Goth-Subkultur. Und auch hier spürt man den Spaß, den die alten Recken dabei haben ihre Klassiker live zu performen. Mister Vanian ist natürlich der super Coole und erinnert mich irgendwie an Johnny Controletti. Lustig auch die Setlist von Captain Sensible, ich kann sie problemlos oben vom Balkon des E-Werks lesen. Wie viele Fans heute Abend hier sind, sieht man an der Masse der The Damned T-Shirts im Publikum. Logisch gibt es auch hier einen Pogo Pit, geringfügig größer als noch bei Slime. Jedenfalls bin ich gepackt von den Herren und hätte nicht gedacht, dass sie noch mit solcher Energie abgehen. Nach etwa einer Stunde ist dann Schluss und sie beenden ihren Auftritt mit der The Stooges Nummer „I Feel Alright“. Das war wirklich erstklassig abgeliefert!
Setlist: Love Song, Machine Gun Etiquette, Stranger On The Town, Fan Club, Ignite, Generals, Disco Man, New Rose, Neat Neat Neat, Smash It Up (Part 1), Smash It Up (Part 2), I Feel Alright (The Stooges Cover)
Das vordere Schlagzeugpodest wird nun abgebaut, wobei ich mich immer frage warum jede Band ein eigenes Set braucht. Es ist ja nicht Terry Bozzio oder Charlie Antolini, die da trommeln. Nun gut, die Crew und die Halle ist so weit, also Bühne frei für die Sex Pistols, die in fast Urbesetzung mit Steve Jones an der Gitarre, Paul Cook an den Drums, Bassist Glen Matlock und Sänger Frank Carter, der seit 2024 dabei ist, auftreten. Mister Johnny Rotten hatte keinen Bock mehr auf seine alte Band und ist auch sonst auf seltsamen Pfaden unterwegs. Drauf geschissen, denn es geht auch direkt ab, bei „Holidays In The Sun“ springt Frank Carter direkt runter ins Publikum und zettelt einen Circle Pit an, während er fast die ganze Nummer inmitten desselben singt. Der Typ ist ohne Frage eine Rampensau, dazu eine sehr gute Wahl für die Band. Aber er betont auch immer wieder, welche Ehre es für ihn ist, mit den Jungs im ehrwürdigen E-Werk spielen zu dürfen. Nun hat Frankie Boy im Lauf der Jahre schon diverse Kölner Clubs mit seiner Band Rattlesnakes bespielt, Luxor, MTC, Kantine und Live Music Hall um nur ein paar zu nennen. Aber mit den Sex Pistols ist es natürlich noch einmal eine ganz andere Hausnummer! Und während die Jungs routiniert ihre Songs zum Besten geben, geht er ab wie ein Zäpfchen. Immer wieder Interaktion mit den Fans, fegt er über die Bühne wie ein Derwisch. Die Nähe zu seinen Mitstreitern ist im auch wichtig, so oft wie er sie kumpelhaft umgarnt. Nach einer halben Stunde dann „Tschüß und danke“, was natürlich ein Joke war. Aber mal ernsthaft, allzu viele eigene Songs gibt es ja gar nicht und eigentlich nur ein Album, wenn man mal von dem Doppelalbum „The Great Rock ’N‘ Roll Swindle“ absieht. Das bestand aber mehr aus Fremdkompositionen und eben den Songs vom Debüt. Tut aber auch nichts zur Sache, denn die Stimmung ist einfach gigantisch! Zu „My Way“, das ursprünglich von Claude François auf Französisch als „Comme d'Habitude“ gesungen, aber von Paul Anka für Frank Sinatra adaptiert wurde, werden die Fans tatsächlich animiert ihre Smart-Phones oder wenn vorhanden, Feuerzeuge rauszuholen und zu leuchten. Als Abschluss gibt es dann noch ein krachendes „Anarchy In The U.K.“ was gefühlt wirklich jeder in der Halle mitsingen kann, selbst die Jüngeren stimmen mit ein. Klar hätten sie länger spielen können, aber hey besser so als gar nicht! Ein Abend er sich wirklich gelohnt hat und einen um Jahrzehnte zurückversetzt hat.
Setlist: Intro God Save The Queen (Symphony), Holidays In The Sun, Seventeen, New York, Pretty Vacant, Bodies, I'm Not Your Stepping Stone (Paul Revere and the Raiders cover), Liar, God Save The Queen, No Fun (The Stooges cover), No Feelings, Problems, E.M.I., My Way, Anarchy in the U.K.











































