ALICE COOPER, THE HOWLERS

Gelsenkirchen, Amphitheater, 09.07.2026

Alice Cooper - Flyer - Vorwort - 2026Unter dem Motto „Alice´s Attic“ geht Schockrocker Alice Cooper auf Tour durch Europa. Einziger Stopp in Deutschland ist das schöne Amphitheater in Gelsenkirchen, in dem momentan echt viel los ist. Erst war Pfingsten das Rock Hard Festival, kurze Zeit später Megadeth, neulich Foreigner, und nun eben Alice Cooper. Die Orgakräfte waren offensichtlich überfordert mit der Parksituation. Nach langem Parkhauschaos kommen wir, obwohl wir überpünktlich losgefahren sind, an, erst auf das Gelände, als der Support Act schon spielt. The Howlers aus London sind für uns nur Hintergrundbeschallung. Als wir die Treppen in den Innenraum betreten, spielen sie bereits den letzten Song. Laut Internetrecherchen sind sie eigentlich ein Trio. Heute stehen sie aber nur zu zweit, ohne Bass, auf der Bühne. Ihre Mischung aus Psychedelic Rock und Garagen Rock findet das Publikum aber offensichtlich in Ordnung, denn das Duo wird nach einer halben Stunde mit tosendem Applaus verabschiedet.

Alice Cooper - live1 - 2026Nach einer halben Stunde Umbaupause, in der nur Alice Cooper-Songs aus den Boxen tönen, die sich heute nicht in de Setlist befinden, betritt dann der Altmeister die Bühne. Ich bin überrascht, dass sich die Setlist gravierend von der im letzten Jahr unterscheidet, wo ich die Band bei „60 Jahre Scorpions“ in Hannover gesehen hatte. Der Opener ist wider Erwarten ein recht unbekannter Song, nämlich „Who Do You Think We Are“ vom 1981er „Special Forces“-Album, für mich eines seiner schwächsten Tonträger überhaupt. Danach folgt aber ein Klassiker nach dem anderen: „Spark In The Dark“, „No More Mr. Nice Guy“, „House Of Fire“, „Billion Dollar Babies“, „I´m Eighteen“ (mit alten Kinderbildern von Alice in einem bewegten Foto-Album, das auf der Leinwand zu sehen ist). Mit „Muscle Of Love“, dem Titeltrack des 1974er Albums, als die Band ein letztes Mal noch Alice Cooper hieß, hatte ich auch nicht unbedingt gerechnet. Es folgt „Feed My Frankenstein“, wie immer mit der überdimensional großen Alice Cooper-Puppe, die über die Bühne torkelt. „Dirty Diamonds“ ist dann einer von zwei Titelsongs nach der Jahrtausendwende. Letztes Jahr stammten die „neuesten“ Songs noch von 1991. Mit „Caught In A Dream“ folgt wieder ein Song der Band aus den Siebzigern. Mit „Hey Stoopid“, „Dangerous Tonight“ und dem viel umjubelten „Poison“ folgt ein Block seiner vermeintlichen Kommerz-Phase. Anna Cara, die auf dieser Tour die in sich in Mutterschutz befindende Nita Strauss ersetzt, ihr optisch aber sehr ähnlich sieht, darf ein kurzes Solo spielen, bevor das groovige „Brutal Planet“ ertönt.

Alice Cooper - live2 - 2026Danach folgt ein Siebziger Jahre-Block mit „Ballad Of Dwight Fry“, „Cold Ethyl“, „Only Women Bleed“, „Second Coming“, „Going Home“ (überraschenderweise anstelle von „I Love The Dead“ nach Alice´ Enthauptung) und dem unvermeindlichen „School´s Out“, bei dem man wieder - wie schon seit Jahren - „Another Brick In The Wall“ von Pink Floyd im Mittelteil einbaut. Es soll nicht das einzige Cover bleiben. Nach der Bandvorstellung, bei der Alice nach 75 Minuten zum ersten Mal mit dem Publikum spricht, spielen sie – völlig überraschend - „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana, und zwar nicht nur angespielt, sondern komplett! „This is dedicated to Kurt“, sagt Alice. Cobain hätte es sich vor über dreißig Jahren zu Lebzeiten wohl niemals träumen lassen, dass ein Altrocker ihm solch einen Tribut zollen würde! Es kam auch in der Menge gut an und wurde lauthals mitgesungen. Ganz zum Schluss gibt es mit „Under My Wheels“ noch einen Klassiker aus den Siebzigern. „May all your dreams... become nightmares!“, verabschiedet sich Alice nach anderthalb Stunden. Ein famoser Gig, wo wieder alle Register gezogen werden: ein nerviger Fotograf wird erstochen, Alice´ Frau ebenfalls, die Guillotine fehlt natürlich auch nicht. Die Band spielt super zusammen. Alice ist gut bei Stimme. Die Fans singen alles mit, und auch das Wetter bleibt stabil.

Setlist: Intro (Alice´s Attic), Who Do You Think We Are, Spark In The Dark, No More Mr. Nice Guy, House Of Fire, Billion Dollar Babies, I´m Eighteen, Muscle Of Love, Feed My Frankenstein, Dirty Diamonds, Caught In A Dream, Hey Stoopid, Dangerous Tonight, Poison, Guitar Solo (Anna Cara), Brutal Planet, Ballad Of Dwight Fry, Cold Ethyl, Only Women Bleed, Second Coming, Going Home, School´s Out incl. Another Brick In The Wall (Pink Floyd-Cover), Smells Like Teen Spirit (Norvana-Cover), Under My Wheels

Das einzig Negative an diesem Abend sind vielleicht die Preise (6 € plus 2 € Pfand für ein Bier sowie 50 € für ein TourShirt). Alice Cooper gefiel mir heute aber viel besser als vor einem Jahr in Hannover! Ein gelungener Abend!



Autor: Daniel Müller - Pics: David Ivanov