LUCID DREAMING - UPON THE BARRICADES


Label:EL PUERTO
Jahr:2026
Running Time:64:59
Kategorie: Neuerscheinung
 

Bei dem Begriff Metal Oper verziehen viele sicherlich das Gesicht. Die Anzahl an motivierten aber dennoch belanglosen Werken ist halt mittlerweile einfach zu hoch.  Aber es gibt ja auch Projekte wie Avantasia, die zeigen, wie es geht. Auch wenn es mal mit der Zeit etwas abstumpft. In dieser Richtung sehen sich auch Lucid Dreaming, die Nebenspielwiese von Elvenpath-Gitarrist Till Oberboßel.  Als Multi-Instrumentalist und Songwriter hat er bereits seit 2012 Gefallen an diesem Projekt und auch schon eine „The Chronicles“-Trilogie veröffentlicht. Jetzt kommt mit „Upon The Barricades“ ein neues Opus und wie es sich für eine Metal Oper gehört, steht ein durchgängiges Konzept dahinter. Und zwar die deutsche Revolution von 1848. Darüber kann sich jeder selbst einlesen, im Booklet oder halt im Netz. Wir konzentrieren uns eher auf die musikalische Umsetzung.

Was überrascht, ist das Till neben Brummer Alex Holzwarth gleich eine ganze Latte an namhaften Gastsängern an Land gezogen hat. Und hier sprechen wir von Namen wie Harry Conklin (Jag Panzer), Blaze Bayley /ex-Iron Maiden), Ralf Scheepers (Primal Fear), Zak Stevens (Savatage), Piet Sielck (Iron Savior) und einigen mehr. Diese verschiedenen Gesangsstile erlebt man gleich beim Einstieg „Confederation“. Rauer Blaze Bayley Gesang und Scheepers-Höhen wissen zu begeistern, mal klar, mal heavy, mal mehrstimmig. Irgendwo liegt dieser Track zwischen Helloween und Running Wild, wobei es auch teils sperrige Passagen gibt. Till Oberboßel zeigt anhand der Gitarrenrhythmen, aber auch frickeligen Soli, dass er ein exzellenter Musiker ist und trägt den Opener flott voran. Lediglich der Chorgesang wirkt ein wenig belanglos.

„Black And Red And Gold“ zeigt durch schnelles Riffing und den Rock ´n Rolf-artigen Gesang von Harry Conklin fast schon Piratenzähne, kontert aber mit feinen Rhythmus-Passagen sowie amtlichen Soli. Zehn Songs treiben sich insgesamt auf „Upon The Barricades“ herum, fast alle so zwischen sieben und neun Minuten lang. Solche Längen sind bei Konzeptalben wohl nötig. Gerade im Bereich sich ausgedehnt wiederholender Melodien hätte man aber durchaus etwas kürzen können. Klar, dass es hier zu vielen Tempiwechseln kommt, so muß neben aller Power wie bei „The Springtime Of Peoples“ natürlich auch mal ein Break mittels Akustik-Gitarre und balladesken Vocals sein. Aber es wurde alles fein ausgearbeitet und lässt die Hörerschaft in Spannung verweilen. Auch wenn Hansi Kürsch nicht zu den erlesenen Gästen zählt, so vermittelt der ein oder andere Beitrag doch auch ein wenig Blind Guardian-Nostalgie.

„Tyrant In Disguise“ zum Beispiel oder auch „Parliament Of Spring“. Ruhiger, elegischer und als Power Ballade endend kommt der Titeltrack daher, ein paar Iron Maiden Tupfer bekommt „A Courageous Decision“ spendiert. Das in Meeresrauschen eingebettete „Waves Of The Dunabe“ ist mit seinen vielen Breaks so etwas wie der stimmige Höhepunkt des Releases. Das kurze, weinerlich balladeske „Farewell (Blum’s Last Letter) und das mit starken Einstiegsdrums und Twingitarren-Melodie stampfende „Puppets On Strings“ lassen das Werk dann etwas beruhigter und straighter ausklingen. Nein, Lucid Dreaming sind keine dieser vielen, belanglosen Metal-Opera-Bands. Dafür ist das Songwriting zu ausgereift, der musikalische Anspruch voll gegeben und die Tunes durch Gesangsleistungen begnadeter und legendär renommierter Vokalisten allesamt veredelt.

Der Sound (Uwe Lulis/Accept) passt zudem hervorragend und Artwork-Künstler Dusan Markovic bewahrt die Optik noch einigermaßen vom Kitsch. Rundum, eine erfreuliche Angelegenheit für alle Freunde anspruchsvoller Metal-Opern oder des gepflegten Power-Metals. Lediglich die ein oder andere langgezogene Instrumentalpassage hätte man kürzen können. Das fällt im Gesamtbild aber nicht wirklich ins Gewicht.

Note: 8 von 10 Punkten
Autor: Erich Robbers


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