THUNDERMOTHER, IGEL VS. SHARK

Aachen, Musikbunker, 30.07.2026

thundermother live 1Anstatt bei der Jahreszeit auf einem weiteren Festival zu spielen, verschlug es die schwedische All-Female-Rockband Thundermother diesmal in den Musikbunker Aachen. Der Musikbunker ist eine Location, von der ich schon des Öfteren gelesen hatte, aber leider noch die die Gelegenheit hatte dort einmal ein Konzert zu sehen.  Die Mädels, den Tag zuvor noch auf Wacken, machten somit einen Abstecher in die Grenzregion und verwandelt den Bunker von der ersten Sekunde an in einen schwitzenden, kochenden Rock-Tempel.

 

Igel vs. Shark 2Den Auftakt machte die Support-Truppe Igel vs. Shark. Das Trio aus Wien lieferte dreckigen, kompromisslosen Rock ’n’ Roll mit Anleihen von AC/DC und Punk. Für den Headliner passend, die beiden Jungs und das Mädel am Bass gaben alles.

 

 

 

 

 

thundermother live 2Kurz nach einundzwanzig Uhr ging das Licht aus. Thundermother, die 2023 bis auf Chefin Filippa Nässil zu dreiviertel rundumerneuerter Truppe stürmte die Bühne. Mit dem wuchtigen „Thunderous“ (vom Debütalbum Rock ’n’ Roll Disaster) feuerte die Band, Linnéa Vikström an der zweiten Gitarre, den ersten Schuss ab, ehe nahtlos die mitreißende Mitsing-Hymne „Loud and Free“ (aus Black and Gold, 2022) folgte. Das Aachener Publikum war sofort auf Betriebstemperatur. Als die Band mit dem treibenden „The Road Is Ours“ (von der Heat Wave Deluxe Edition, 2021) das Tempo nochmals anzog, gab es im Bunker kein Halten mehr. Mit „Take The Power“ stellte das Quartett schließlich erstmals Material aus dem aktuellen Studioalbum Dirty & Divine (2025) vor.  Ohne der Menge auch nur eine Atempause zu gönnen, ging es direkt weiter mit der energiegeladenen Rock-Salve „Can't Put Out (The Fire)“ ebenfalls vom 2025er-Longplayer Dirty & Divine. thundermother live 3Linnéa Vikström Egg stellte hierbei beeindruckend unter Beweis, mit welcher Stimmgewalt sie die Band anführt und dass sie sich vor ihrer Vorgängerin nicht verstecken muss. Aber auch die 2023 erneut dazugestoßene Basserin Majsan Lindberg poste amtlich und legte eine solide Leistung hin. Majsan ist wahrlich kein Steve Harris am Bass, aber das ist bei den Songs auch gar nicht erforderlich. Die schmale Drummerin Joan Massing kloppte auf ihr Kit als gäbe es kein Morgen. Irre, was die Dame für eine Energie hat.  Angenehm war auch, dass uns ein Drum Solo erspart blieb. Ich persönlich ziehe da lieber einen Song mehr in der Setlist vor.  Es folgte der wuchtig-stampfende Fan-Favorit „I Don't Know You“ (Black and Gold, 2022), bevor Thundermother mit „I Left My License (In The Future)“ eine weitere frische Single des aktuellen Werks Dirty & Divine zockten. Den druckvollen Abschluss dieses ersten Konzertabschnitts markierte der düster-groovende Track „Dog From Hell“ vom Erfolgsalbum Heat Wave (2020). Bei dem Titel machte sich erneut angenehm die zweite Gitarre bemerkbar. Filippa Nässil selbst spielt bekanntlich ein amtliches Rockbrett erster Güte. Auch in der zweiten Hälfte zeigte die Stimmungskurve steil nach oben: Mit dem rauen, schnörkellosen „Into The Mud“ (ebenfalls aus Heat Wave, 2020) entfachten Thundermother ordentlich Bewegung im Moshpit, woraufhin die eingängige Single „Bright Eyes“ (Dirty & Divine, 2025) für melodischen Hochgenuss sorgte. Als mit dem Frühwerk-Klassiker „Cheers“ (vom Debüt Rock ’n’ Roll Disaster, 2014) eine feucht-fröhliche Partyhymne angestimmt wurde, stiegen im gesamten Bunker die Fäuste in die Höhe. Das Riff-Gewitter ging unbarmherzig weiter: thundermother live 4Aus dem selbstbetitelten Album Thundermother (2018) feuerte die Band die kompromisslose Nummer „Whatever“ heraus, gefolgt von der puren Attitüde des Dauerbrenners „Shoot To Kill“ (erneut aus Rock ’n’ Roll Disaster, 2014). Die musikalische Bandbreite ihres aktuellen Schaffens verdeutlichte kurz darauf „Speaking Of (The Devil)“ (Dirty & Divine, 2025), bevor die Hymne „Try With Love“ (Black and Gold, 2022) ein berauschendes Zwischenfinale einläutete. Zwischendurch genehmigten die Damen sich ein Bierchen und Chefin Filipa bearbeitete ihre Gitarre mit der leeren Bierflasche. Auch ein Solo durchs Publikum ließ sich die Gitarristin nicht nehmen.  Für den Zugabenblock sparten sich die Schwedinnen schlicht das Beste auf. Der unverzichtbare Band-Klassiker „Hellevator“ (vom 2015er Album Road Fever) ließ die dicken Betonwände des Bunkers spürbar erzittern. Den ultimativen Schlusspunkt eines denkwürdigen Abends setzte schließlich die Hymne „Driving In Style“ (Heat Wave, 2020). Unter stehenden Ovationen und tosendem Beifall verabschiedete sich eine Band, die egal ob vor zwanzigtausend oder ein paar hundert Fans jedes Mal für eine Vollbedienung gut ist.



Autor: Stephan Georg - Pics: Stephan Georg