LEE AARON - Am Ende muss ich weiter Musik machen, weil es mich glücklich macht!


Nun ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass Lee Aaron nicht zu meinen absoluten Traumfrauen im Bereich Hard Rock und Metal gehört. Hatte ich doch ihre Konzerte hier in Deutschland zu Beginn ihrer Karriere regelmäßig besucht. Leider machte Lee sich ja dann für viele Jahre sehr rar auf europäischem Boden und wechselte auch zwischenzeitlich mal in den Jazz- und Swing-Bereich. Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass sie nun wieder voll auf Rock gepolt ist und die letztjährige Tour ein toller Erfolg war. Dort hatte ich dann auch endlich die Chance, sie einmal persönlich kennen zu lernen. Natürlich ergab sich bei dieser Gelegenheit auch eines meiner speziellen Fotos, an das sie sich natürlich erinnerte, wie sie mir in unserem Mail-Interview sagte. Überhaupt strahlen die Antworten sehr viel Ehrlichkeit und eine gewisse Entspanntheit aus. Einfach ein tolles Mädel!

logoPistol: Hallo Lee, vielleicht erinnerst Du Dich an mich? Ich war der verrückte Kerl, der Dich nach der Show in Köln hochgehoben hat; eine Super-Show übrigens! Warst Du selber auch zufrieden mit der Tour?

Lee: Ja, ich erinnere mich an Dich! Ja, wir waren mit der Tour sehr zufrieden und haben die Fans wissen lassen, dass ich zurück bin, Rock singe und neue Musik mache! Der deutsche Teil der Tour endete mit dem Bang Your Head Festival, und das war fantastisch! Ich habe mich gefreut, dass die deutschen Fans sich an mich erinnerten, nachdem wir eine ganze Weile nicht bei euch waren!

Pistol: Als Fan der ersten Stunde ist es mir eine Ehre, Dir einige Fragen stellen zu dürfen. Was hat bei Dir den Ausschlag gegeben, zur Rockmusik zurück zu kehren?

Lee: Ganz einfach: Ich liebe den Rock'n'Roll immer noch! Nichts macht mehr Spaß, als auf einer Gitarre zu spielen und auf die Bühne zu gehen, um laute, energiereiche Musik zu machen. Es ist immer noch meine erste Leidenschaft, obwohl ich auch andere Musikstile mag. Ich schreibe auch immer noch gerne originelle Rocksongs und trete vor Publikum auf, um sie live zu spielen. Einige der neuen Songs wie „American High" und „Diamond Baby" können die Leute nach dem ersten Hören mitsingen. Das ist ein tolles Gefühl!

Pistol: Kannst Du Dir vorstellen, auch noch einmal Songs wie auf den Alben „Slick Chick" oder „Beautiful Things" aufzunehmen? Ich liebe diese Schallplatten auch sehr!

Lee: Vielen Dank! Ich bin froh, dass Dir diese Alben auch gefallen! Das lustige ist, dass „Diamond Baby Blues“ voll von meinen Jazz- und Blues-Einflüssen aus früheren Jahren ist. Dieser Musik Stil ist die Wurzel des Rock'n'Roll... Und wir drehen die Gitarren einfach auf 10!

Pistol: Deine Konzerte in Deutschland letztes Jahr waren einfach spitze! Wann kommst du wieder auf Tour zu uns?

Lee: Wir werden am 3. August zurück sein, um beim Wacken Open Air zu spielen!

Pistol: Viele sehen Dich immer noch als Metal Queen, doch Dein neues Album ist abwechslungsreicher denn je. Blues, Sleaze und Hard Rock dominiert die Scheibe. Was ist Deine Einstellung dazu?

Lee: Für mich war „Metal Queen“ ein Song auf meinem zweiten Album, aber für einige Fans war es der einzige Song, der mich definierte. In meinem Heimatland Kanada hatte ich Songs, die viel größere Hits waren. Es ist schwer, allen Erwartungen gerecht zu werden, und am Ende muss ich weiter Musik machen, weil es mich glücklich macht. (Eine sehr gute Einstellung - Anm. des Verfassers)

Pistol: Wenn es nicht zu privat ist, würde mich einmal interessieren, wie Karen Lynn (Lees richtiger Name) außerhalb vom Rock-Business lebt; Dinge wie Familie und Kinder. Du weißt schon, was ich meine.

lee aaronLee: Nun, ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Mein Mann und ich haben eine riesige Sammlung von Vinyls und CDs, und in den letzten zehn Jahren haben wir begonnen, klassische Filme zu sammeln. Wir haben auch zwei Bibliotheken und ein Heimkino in unserem Haus. Ich liebe Kunst, ich liebe es zu lesen, ich liebe großartige Filme, und wir haben oft Musikproben bei uns zu Hause. Unsere Kinder sind die ganze Woche stark mit Musik und den Aspekten der Branche konfrontiert. Ich koche, weil ich muss, für die Familie, aber es ist nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Ich bin viel besser in einem Aufnahmestudio als in einer Küche, haha! Ich genieße auch Outdoor-Aktivitäten mit meinen Kindern wie Radfahren, Wandern und Paddle-Boarding. Wir leben auf einem großen Grundstück und haben zwei Hunde, einen Golden Retriever und einen Cavalier King Charles Spaniel! Wir sind eine Hundeliebhaberfamilie!

Pistol: Ich denke, Du hast in Deinem Leben schon sehr viele Interviews gegeben. Gibt es eine Frage, die Du gerne beantworten würdest, aber die Dir noch nie jemand gestellt hat? Und wie wäre Deine Antwort?

Lee: Niemand fragt mich jemals nach meinen Ansichten über den Zustand der Welt, die Umwelt oder irgendetwas Politisches. Ich sorge mich wirklich um diese Dinge! Im Laufe der Jahre habe ich einige Songs geschrieben, die genau diese Themen behandeln, wie „Love Crimes", „Peace On Earth", „Judgement Day", „Soul Into Motion" und neuerdings „American High" und viele mehr. Aber ich werde nur gelegentlich nach diesen Liedern gefragt. Es gibt eine Verschiebung in der Welt gerade jetzt, um rechthaberische, narzisstische, extreme, rechte Denker an die Macht zu ziehen - und es ist sehr beängstigend. Die Welt möchte, dass ein starker Mann ihre Probleme löst, aber letztlich schafft es nur eine Umgebung, in der Spaltungen und der Hass eine größere Stimme haben.

Pistol: In den meisten Interviews liest man immer wieder die gleichen Fragen: Was möchtest Du mit diesem oder jenem Song ausdrücken? Wie ist das neue Album? usw. Mich würde interessieren, wie Du Lee Aaron heute im Vergleich zu den Anfangszeiten Deiner Karriere siehst?

Lee: LOL ... Nun, ich denke, ich habe heute viel mehr interessante Dinge in meinen Liedern zu sagen, weil ich einfach mehr Lebenserfahrung habe. Ich fühle mich auch viel wohler mit meinem Selbstbild und meinem Bühnenbild. Wir alle versuchen so sehr, jedem zu gefallen, wenn wir jung sind. Ich glaube nicht, dass ich das heute noch tun muss. Ich habe auch keinen großen Plattenlabel-Druck mehr.

Pistol: Heutzutage ist Musik sehr häufig ein reines Konsumgut. Die Menschen streamen die Musik oder laden es herunter, ohne sich damit wirklich auseinander zu setzen; fast ein Wegwerfprodukt. Ich finde das sehr schade und bleibe mir da treu, indem ich den Tonträger kaufe, wenn er mir gefällt. Wie sind Deine Erfahrungen in diese Sache?

Lee: Wir kaufen auch immer noch richtige Tonträger. Ich liebe es, Musik in meiner Hand zu halten, um das Kunstwerk zu betrachten und den Text sowie die Credits zu lesen. Es ist einfach das Beste! Ich werde Vinyl und CDs so lange kaufen, wie sie veröffentlicht werden. (Ich liebe diese Einstellung – Anm. des Verfassers)

lee aaronPistol: Nun habe ich doch eine Frage zu Deinem neuen Album, haha! Gibt es eine Chance, dass „Diamond Baby Blues“ auch auf Vinyl veröffentlicht wird?

Lee: Ja! Du kannst es über die Pledge Musikkampagne bekommen, hier ist der link dazu:

https://www.pledgemusic.com/projects/lee-aaron (und schon bestellt, Lee!)

Pistol: Vielleicht kennst Du die Band Headpins aus Kanada. Ich habe gelesen, dass sie immer noch durch Kanada touren, obwohl sie seit 1985 nie wieder eine neue Platte aufgenommen haben. Ist Kanada ein gutes Land, um zu touren?

Lee: Ich kenne die Headpins gut. Ihre Sängerin Darby Mills und ich haben schon oft zusammen getourt. Sie ist eine großartige Sängerin. Leider ist sie gerade aus diesem Grund aus der Band ausgestiegen: Sie wollte neue Musik machen. Die Band tourt immer noch mit einer neuen Sängerin. Sie spielen die Hits, an die sich die Leute erinnern, wenn sie auftreten. In Kanada ist das heutzutage hauptsächlich auf Festivals, Messen und Event-Showrooms; nicht mehr so sehr viele Clubs.

Pistol: Gut, ich will Deine Zeit nicht zu sehr strapazieren. Hast Du noch eine Nachricht für unsere Leser?

Lee: Wir vermissen Deutschland sehr und LIEBEN die deutschen Fans! Ich kann es kaum erwarten, zurück zu kommen und die Songs von „Diamond Baby Blues“ zu rocken!

http://www.leeaaron.com/

https://de-de.facebook.com/LeeAaronMusic/



Autor: Pistol Schmidt