TÖRR - ARMAGEDDON

| Label: | MULTISONIC |
| Jahr: | 1990 |
| Running Time: | 40:28 |
| Kategorie: |
Classics |
Auch wenn Tschechien von den meisten Metalheads kaum wahrgenommen wird, floriert dort schon seit den frühen Achtzigern eine richtige Szene. Sogar Black Metal ist dort schon seit vierzig Jahren verwurzelt. Dass die meisten Bands über die Landesgrenzen hinaus kaum bekannt sind, liegt wohl wahrscheinlich an der für uns völlig unverständlichen Landessprache. Neben Master´s Hammer und Root (die man wohl noch am ehesten kennt), sind aber auch Törr schon sehr lange dabei. Gegründet wurden sie bereits 1977, doch ganz alte Aufnahmen sind praktisch nicht bekannt. Bassist und Sänger Vlasta Henych kommt 1986 in die Band und bringt seinen Fanatismus für Motörhead und Venom mit. Und gerade Venom hört man auf dem Debüt „Armageddon“ richtig gut raus. Das Album wird von einem mystischen zweiminütigen Keyboard-Intro eingeleitet. Danach geht es los. Der Sound ist dünn, was für eine gewisse Düsternis sorgt. Der Bass kommt gleichberechtigt richtig gut durch. Durch die harte Phrasierung der tschechischen Sprache klingt alles noch ein bisschen böser.
Ähnlich wie bei Master´s Hammer gibt es hier auch immer wieder diesen „stehenden“ Knüppeltakt, bei dem Bassdrum/Hi-Hat und Snare nicht versetzt, sondern gleichzeitig gespielt werden. Vermutlich nur aus Unvermögen, denn es klingt auch nicht so, als sei es wirklich im Takt. Genau wie bei Venom, gibt es auch bei Törr einige Timing-Schwankungen, was im Zusammenspiel des Trios jedoch gut funktioniert und für eine Menge Undeground-Flair sorgt. Für das Artwork posierte man, mit den Saiteninstrumenten bewaffnet, in einer Nacht- und Nebelaktion in der Knochenkathedrale von Kutná Hora (Kuttenberg). Das Anfangsriff von „Král Mor“ erinnert stark an „Circle Of The Tyrants“ von Celtic Frost. „Posedlá“ beginnt mit einer coolen Marsch-Snare, bevor es treibend weitergeht. Der Gesang offeriert hier sogar einen Hauch von Klargesang, der jedoch die Ausnahme bleibt. „Padlý Chtič“ beginnt mit Frauengestöne, das auch im Mittelteil wieder auftaucht. Der Titelsong am Ende beginnt mit einer Ouvertüre, gefolgt von düsteren Trommeln, die undeutlich im Hintergrund verhallen.
Schüsse und Explosionen sind zu hören, bevor nach anderthalb Minuten das Midtempo-Riff ertönt. Danach wird es schneller. Leider wird der Song sofort ausgeblendet, als der Gesang anfängt. Hier hört man, dass es von dem Track noch eine Fortsetzung geben wird. Zum Schluss wird der Hörer vom Geräusch einer Klospülung verabschiedet (so wie es die Brasilianer Sarcofago 1987 auch auf ihrem Debüt „I.N.R.I.“ machen werden). Das Ende des Albums büßt ein bisschen an Qualität ein. Das hätte man deutlich besser machen müssen. Ansonsten ist der Eindruck, den Törr auf ihrem Erstling abfeuern, aber mehr als positiv. Das Album hat ein bisschen den viel zitierten „Charme des Unfertigen“, und durch die alles andere als glatt polierte Produktion bekommt „Armageddon“ seine ganz eigene, urige Atmosphäre. Mit wenigen Mitteln klangen Törr damals richtig finster. Die harte tschechische Sprache tat dazu ihr Übriges. Wer Venom, Hellhammer/Celtic Frost, Root, Master´s Hammer oder die polnischen Kat mag, der sollte sich zumindest mit den ersten beiden Törr-Alben beschäftigen, wenn er keine Probleme damit hat, dass man die Texte nicht versteht.
Tracklist:
Side 1:
Chrám Smrti (2:10)
Žal (3:41)
Vrat´ Ze Ke Psům (1:56)
Smlouva S Peklem (5:08)
Samota (4:43)
Král Mor (2:44)
Side 2:
Lady Madeline (4:42)
Zlej Sen (3:55)
Posediá (4:40)
Padlý Chtič (4:16)
Armageddon (Part 1) (3:33)
Line Up:
Daniel "Šakal" Švarc (R.I.P. 2024!) – Guitar, Vocals
Vlastimil “Vlasta“ Henych – Bass, Vocals
Martin Melmus - Drums
Note: 8 von 10 Punkten
Autor: Daniel Müller











































