JÖRMUNGAND - Man kann auch Pagan Metal machen, ohne über Odin zu singen!


Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viel Herzblut einige Bands in ihre Musik stecken. Da stoße ich zufällig auf eine Pagan Metal-Band namens Jörmungand, schaue mir das fette, liebevoll gestaltete Booklet an und kann es kaum glauben, dass es sich dabei um eine Eigenpressung ohne Labe im Rücken handelt. Das muss ein Vermögen gekostet haben! Aber auch die Musik kann so einiges! Viele tolle Melodien, eine verträumte Atmosphäre, aber hin und wieder auch rohe Black Metal-Urgewalt sind hier zu finden; ein eigenständiger Mix, der in den Bann zieht und sich nur schwierig in Schubladen stecken lässt. Dabei sind Jörmungand trotz hohen technischen Anspruchs niemals überladen und geben ein richtig gutes Bild ab. Da mir diese interessante Band zuvor noch gar kein Begriff war, entschloss ich mich dazu, Sänger Stef mal auf den Zahn zu fühlen.

logoDaniel: Hi Stef! Na, alles klar? Bitte erzähl uns doch zunächst, wann und wie es genau zur Gründung von Jörmungand kam!

Stef: Hi Daniel! Den Grundstein für die Band legten Dave und ich im Jahr 2009, als wir uns kennenlernten. Wir sehnten uns danach, Musik zu machen und auf die Bühne zu gehen und beschlossen an einem bierseligen Abend die Gründung einer Band.

Daniel: Hattet Ihr zuvor schon in anderen Bands gespielt?

Stef: Wir waren beide vor Jörmungand auch in anderen Bands aktiv, ja. Ich für meinen Teil erst in einer Black-/Thrash-, danach in einer Black Metal-Band; jeweils als Sänger.

Daniel: Ich kenne den Begriff „Jörmundgand“ nur vom Helheim- Debüt-Album her, weiß aber, dass er der Nordischen Mythologie entlehnt ist. Was bedeutet er genau?

Stef: Jörmungand ist die Midgardschlange, die als Weltmeer Midgard umschließt. Sie ist so groß, dass sie sich dabei in den eigenen Schwanz beißt. Daher steht sie symbolisch für den ewigen Kreislauf und die Unendlichkeit.

Daniel: Welche Bands haben Euch beeinflusst?

Stef: Das ist recht schwer zu beantworten. Grundsätzlich inspiriert uns alles, was uns umgibt. Jede Band, die wir hören, gibt uns irgendetwas mit auf den Weg.

Daniel: Früher hattet Ihr die typischen Pagan Metal-Themen in Euren Texten verarbeitet. Das neue (Konzept-) Album „Zwischenwelten“ handelt von Michael Endes „Die Unendliche Geschichte“. Wie kam es zu dieser Kurskorrektur?

Stef: Der Hauptgrund dafür ist, dass wir uns nicht mehr wirklich mit diesen Themen identifizieren können. Wir sind schlicht da rausgewachsen und interessieren uns für andere Dinge. Zudem gibt es schon ausreichend sehr gute Bands, die sich der Geschichten aus der Edda bedienen, als dass es noch mehr davon bräuchte. Man kann auch Pagan Metal machen, ohne über Odin zu singen. Eigentlich hatten wir vor, nur einen Song über „Die Unendliche Geschichte“ zu schreiben, kamen aber schnell zu dem Schluss, dass ein Song dafür absolut nicht ausreichen würde. So kam die Idee eines Konzept-Albums auf, die wir dann auch umsetzen.

Daniel: Könntet Ihr Euch vorstellen, auch Werke von anderen Autoren zu vertonen?

Stef: Unter den richtigen Voraussetzungen definitiv! Auf unserem ersten Album haben wir das ja auch schon getan. Der Song „Der Name Des Windes“ basiert auf dem gleichnamigen Buch von Patrick Rothfuss.

Daniel: Warum hast Du Dich dazu entschlossen, deutsche statt englische Texte zu verwenden? Hast Du nicht das Gefühl, mit englischen Texten mehr Leute erreichen zu können?

Stef: Der Hauptgrund ist, dass ich mich im Deutschen deutlich besser ausdrücken kann als im Englischen. Zudem finde ich die deutsche Sprache lyrisch sehr interessant. Grundsätzlich gefällt es mir sehr, wenn Bands Texte in ihrer Muttersprache singen, welche auch immer das sein mag, da jede Sprache ihren ganz eigenen Rhythmus und Klang hat.

Daniel: Zwischen 2011 und 2013 lag die Band auf Eis. Was war da bei Euch los?

Stef: Wir hatten uns nach einigen internen Schwierigkeiten dazu entschlossen, uns zu trennen. Jedoch haben Dave und ich dann gemeinsam mit Jens in einer anderen Band mit dem Namen Soulreaver gespielt.

Daniel: Ihr habt das Line-Up und das lyrische Konzept komplett ausgetauscht. Findest Du, dass der Bandname Jörmungand heute überhaupt noch stellvertretend für die Band ist?

Stef: Das denke ich durchaus. Der grundsätzliche Gedanke hinter der Musik und der Band als solche besteht ja nach wie vor. Für mich passt der Bandname durch die „neuen“ Mitglieder, die seit der Reunion dabei sind, und das überarbeitete Konzept heute besser zu der Band als vorher.

Daniel: Lass uns mal zu Eurem neuen Album kommen: Wie lange habt Ihr gebraucht, die Songs zu schreiben und aufzunehmen?

Stef: Das ist schwer zu sagen. Die ersten Ideen für neue Songs kamen schon sehr früh nach Veröffentlichung des ersten Albums, und wir begannen auch recht schnell, schon neue Songs live zu spielen. Die Aufnahmen dauerten ein paar Monate, da wir alles in Eigenregie aufgenommen haben.

Daniel:Wie habt Ihr die Orchestrierungen geschrieben: am Keyboard oder habt Ihr ein echtes Orchester verwendet?

Stef: Die Orchestrierungen haben David und Nelli am Keyboard und am PC mit einem entsprechenden Programm geschrieben.

Daniel: Wo habt Ihr aufgenommen, und wer hat produziert?

Stef: Gitarren, Bass und Gesang haben wir zu Hause aufgenommen, die Drums bei einem guten Freund im Proberaum. Mixing und Mastering haben zwei Freunde von uns übernommen, bei denen wir schon unser Debüt-Album aufgenommen haben.

Daniel: Ich finde das Artwork total geil! Zudem hat jeder Song im Booklet ein eigenes Gemälde bekommen. Wer war der Künstler, und wie seid Ihr mit ihm in Kontakt gekommen?

Stef: Die Künstlerin ist Lukrezia Krämer und ist Studentin für freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf. Der persönliche Kontakt zu ihr besteht schon seit einigen Jahren, und da wir ihre Werke und ihren Stil sehr schätzen, fragten wir, ob sie das Artwork unseres Albums gestalten möchte.

Daniel: Ihr habt das Album als schönes Digipack in Eigenregie veröffentlicht. War das nicht sauteuer? Und gab es kein geeignetes Label, das an einer Veröffentlichung interessiert gewesen wäre?

Stef: Die Finanzierung des gesamten Albums war natürlich nicht einfach, wobei die Pressung am Ende noch das geringere Problem war. Es gab durchaus Interesse von Labels, jedoch hat es zeitlich nicht gepasst, weswegen wir uns letztlich dazu entschieden, das Album selbst zu veröffentlichen.

Daniel: Die Gestaltung ist einer Vinyl-Version würdig! Gibt es irgendwelche Pläne diesbezüglich?

Stef: Eine Vinyl-Version ist tatsächlich angedacht, zumal das Original des Frontcovers auf die Größe eines Vinylcovers ausgelegt ist. ;-)

Daniel: Bei drei Songs hat auch Dustin Brambach von Fyrnreich mitgesungen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Stef: Dustin und Fyrnreich sind schon seit Jahren sehr gute Freunde von uns, und das nicht nur als Band, sondern vor allem privat. Die Idee, ihn als Gastsänger dabei zu haben, besteht ungefähr genauso lange, wie wir befreundet sind. Jetzt gab es dann auch die Möglichkeit, das endlich umzusetzen.

JörmungandDaniel: Die Pagan Metal-Szene in Deutschland ist ja recht überschaubar. Habt Ihr – außer zu Fyrnreich – noch zu anderen Bands des Genres, zum Beispiel  Ferndal, Frigoris oder Goat Of Mendes, Kontakt?

Stef: Dadurch, dass wir viel auf Festivals und Konzerten unterwegs sind, lernt man auch viele andere Musiker kennen. Zwischen uns und einigen anderen Bands aus dem Pagan Metal und anderen Genres haben sich auch gute Freundschaften gebildet, und man trifft sich auch außerhalb des Bandgeschehens immer wieder. Die von dir genannten Ferndal zählen zum Beispiel genau zu diesen Freundschaften.

Daniel: Wie ich weiß, spielt Ihr auch live. Wann und wo kann man Euch demnächst mal sehen?

Stef: Das nächste Mal kann man uns auf dem Mead & Greed Festival in Oberhausen sehen, auf dem wir unser Release-Konzert spielen werden! Im August sind wir dann auf dem Wolfszeit Festival zu sehen. Weitere Konzerte folgen aber noch!

Daniel: Wie sehen Eure Zukunftspläne mit Jörmungand aus?

Stef: Vorerst steht auf dem Plan, das neue Album so oft es geht auf die Bühne zu bringen. Alles Weitere wird sich dann noch ergeben.

Daniel: Alles klar, Stef! Das Schlusswort soll Dir gehören!

Stef: Dir vielen Dank für das Interview! Und hoffentlich sieht man sich auf einem der kommenden Konzerte auf ein Bierchen!

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Autor: Daniel Müller