HALESTORM - VICIOUS


Label:ATLANTIC
Jahr:2018
Running Time:45:10
Kategorie: Neuerscheinung
 
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Vor knapp einer Woche erschien mit "Vicious", das vierte Album der US-amerikanischen Hardrocker Halestorm, um die Sängerin und Gitarristin Elizabeth "Lzzy" Hale. Seit 1997 gibt es bereits die vierköpfige Truppe aus Red Lion, Pennsylvania und neben den offiziellen Studioreleases hat sich die Band insbesondere einen Namen mit dem Covern bekannter Songs namhafter Interpreten wie Pat Benatar, Heart, AC/DC, Whitesnake, um nur einige zu nennen, gemacht, die in regelmäßigen Abständen, und zwar schon seit 1999, auf EPs veröffentlicht werden. Ich komme dieser Tage wie eine Jungfrau zu der Truppe und bin mal gespannt, was mich auf dem dreiviertelstündigen Release so erwartet. Wie es sich für ein solch großes Label wie Atlantic Records gehört, gibt es den Output in allen erdenklichen Versionen. Im Infosheet wird unter anderem eine streng limitierte, kolorierte Doppel-Vinyl erwähnt und im Webstore soll es zudem Beigaben wie T-Shirts, Hundehalsbänder oder auch signierte Poster geben. Mit unverständlichem Gekreische der Shouterin eröffnet "Black Vultures", ein Midtempo-Rocker mit leicht alternativem Touch. Frau Hale hat eine gute aber keine überragende oder sich sogleich im Ohr festbeißende Stimme. "Skulls" hält das Tempo und arbeitet sogleich mit ein paar poppigen und chartorientierten Momenten. Zwischenzeitlich kam mir sogar eine Britney Spears in den Sinn. "Uncomfortable" wurde im Vorfeld als Single ausgekoppelt und dürfte so den interessierten Hörern bereits bekannt sein. Wieder begegnen uns erklärtermaßen rockige, hier mal etwas rotzigere Elemente mit gar leichten Skaeinflüssen.

Der Sinn die Scheibe möglichst gewinnbringend auf den Markt zu schmeißen ist aber auch hier unverkennbar und das gilt ebenso für etwas sleazige und leicht quere "Buzz" mit guten Refrains. Klar schnauzt Lzzy ordentlich raus, aber in sehr erträglichem Maße und keinesfalls darf zu viel Aggressivität an den Tag gelegt werden. "Do Not Disturb", stört bestimmt niemandem, sondern schiebt die Band auf der Erfolgsleiter immer weiter nach oben und dazu passen auch die schönen Leads an den sechssaitigen Klampfen. "Conflicted" arbeitet mit stromlosen Gitarren und einer schmachtenden Voice. Im Kopfkino räkelt sich da eine Lzzy in engen Ledershorts, durch die ziemliche bluesige Nummer. Richtig groovig kommt "Killing Ourselves To Live" um die Ecke und nicht nur weil die Sängerin hier mannigfache Varianten in der Stimme belegt, sondern weil es nach hinten raus mal ordentlich knallt, ist das der bislang beste Track. Nach der starken Powerballade "Heart Of  Novocaine" mit einer recht rauchigen Stimme, folgt das hardrockige "Painkiller" mit tollen Hooks und auch ganz langsamen, ruhigen Parts. Nach dem smashigen und direkt reingehenden "White Dress", gibt es mit dem Titeltrack "Vicious", nochmal vereinzelt skalastigen und poporientierten Alternative Rock. Hat man sich erstmal in die Scheibe reingehört, die übrigens von Track zu Track immer besser zu scheinen wird, zünden die Nummern recht ordentlich. Mit "The Silence", einer starken Ballade, gelingt dann ebenfalls der Rausschmiss. Ich war anfänglich ziemlich skeptisch, muss aber sagen, dass mich das amerikanische Quartett echt überzeugen konnte und es wirklich versteht, den guten Rock / Hardrock der 80er- und beginnenden 90er- Jahre, wenn auch charttechnisch ordentlich frisiert, ins Heute rüber zu bringen.

Note: 8 von 10 Punkten
Autor: Andreas Gey


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