PAGAN, KOLARI

Köln, MTC, 02.12.2018

Pagan - live - 2018-1Bands aus Australien sind hierzulande nicht oft live zu sehen; okay, AC/DC vielleicht oder Rose Tattoo. Bei den kleineren Acts scheitert es ja meist schon an den enormen Reisekosten. Und so mache ich mich auf ins Kölner MTC, um eine neue aufstrebende Truppe vom unteren Teil des Globus zu sehen und zu hören. Pagan ist unterwegs auf kleiner Europatour, und so bleibt auch noch Zeit für ein Interview mit Sängerin Nikki Brumen. Doch auch mit den anderen Bandkollegen gibt es ein wenig Small Talk über die Musik und ihre ersten Erfahrungen hier in Deutschland. Der Basser erklärte mir, wie toll alles hier sei, nur der Verkehr wäre eine absolute Katastrophe. Ja, da hat der Junge vollkommen Recht. Schön wäre es dann noch, wenn die nächste Tour in Locations mit besserer Beleuchtung stattfinden würde. Weil die vorwiegend in rot leuchtenden LED-Scheinwerfer leider für den Fotografen eher suboptimal sind.

Kolari - live - 2018Mit im Gepäck sind die Hamburger von Kolari, die den Support Job erledigen und pünktlich um Acht ihren Gig starten. Nun wer oder was ist Kolari? Ihre Musik beschreiben sie auf der Bandeigenen Webseite so: „Stell Dir vor, Du hältst eine Kettensäge in einen Kühlschrank voller Katzenbabies, während Dir jemand 2000°C heißes Käsefondue über den Kopf kippt.“ Ja, das kann man so stehen lassen. Allerdings zünden sie im MTC nicht direkt, auch wenn Sänger Stefan sich direkt von der Bühne in den Saal aufmacht, um die für einen Sonntagabend doch recht zahlreich erschienenen Zuschauer anzuheizen. Es braucht durchaus mehr als eine Aufforderung, um die Leute näher an die Bühne zu bringen. Aber der Fünfer macht seine Sache gut, die Musik ist brutal und präzise auf den Punkt gespielt und der Frontmann geht durchweg ab wie ein Zäpfchen. Dafür gibt es dann auch mehr als den üblichen Anstandsapplaus, und gegen Ende der Show sind die Zuschauer dann doch näher an die Bühne gerückt.

Setlist: Too Big To Fail, A Modest Proposal, Consummate Denier, Cupid, Pay The Rant, Influenczar, Antimotivational, Mainline, Marilyn

Pagan - live - 2018-2Kurzer Change Over und das Objekt der Begierde, sprich der heutige Headliner Pagan,betritt die Bühne. Im Hintergrund prangt das Bandsymbol, ein Kopf stehendes Kreuz, das wie eine Kerze brennt. Wie mir Nikki versicherte, ist das Symbol aber vollkommen ohne tiefere Bedeutung. Glauben wir das mal so. Nur was jetzt hier abgeht, ist kaum zu glauben! Hatte mich die Debüt-Scheibe der Australier schon vom Stuhl gehauen, liefert die Live-Show jetzt noch mal eine schier unglaubliche Steigerung. Front Lady Nikki ist wie in Ekstase. Ach, was sage ich? Das ist schon fast Linda Blair-mäßige Besessenheit. Ich schaue mich vorsichtig um, aber es ist kein Exorzist in Sicht. Sie kullert mit den Augen, verdreht sich, zittert ekstatisch am ganzen Körper, schmeißt sich auf die Bühne, kriecht auf allen Vieren umher. Das ist eine Performance, wie Luzifer persönlich sie sich wünschen würde. Dazwischen immer wieder der Schluck aus der Rotwein-Pulle, sie sabbert sich voll lässt die blutrote Flüssigkeit aus dem Mund laufen und steht mit Wein getränkten T-Shirt vor der Menge und beschwört sie. Über allem die wahnsinnig abgehende Band und ihre alles zersägende Stimme! Ein wenig wie Queen Adreena, aber absolut eigenständig und einmalig. Die Menge tobt, ein Moshpit ist quasi Pflichtprogram, und das, was die Kapelle selber als Blackened Rock & Roll definiert, bringt den kleinen Laden zum Kochen. Und auch hier überzeugt absolut präzises Spiel das Publikum, jedoch vermag es kaum Nikkis Bühnen Aktivität zu übertreffen. Wieder und wieder wälzt sie sich über die mittlerweile von Wein und Bier getränkte Bühne, bäumt sich auf und zuckt wie in Ekstase zu den Songs. Der Hammer, definitiv! Leider ist der Set recht kurz, was einfach daran liegt, dass es noch nicht mehr Songs gibt. Auch auf die lautstarke Forderung nach Zugabe muss die Truppe leider schulterzuckend passen. Kleinlaut heißt es: „Sorry, but we have no more songs“. Kurz und knackig jedenfalls. Bleibt zu hoffen, dass Pagan uns bald wieder beehrt und mehr Songs im Gepäck hat. Kurz nach dem Aufritt findet sich der männliche Teil der Gruppe dann auch am Merchandise-Stand ein, leider ohne ihre Nachtigall. Die hat sich wohl während ihres energetischen Auftritts eine Blessur am Knöchel zugezogen, der jetzt geschont werden muss.

Setlist: Il Malocchio Si Apre, Death Before Disco, Holy Water, Year Of The Dog, Blood Moon, Wine And Lace, Imitate Me, Snakers, Silver, Il Malocchio Si Chiude



Autor: Pistol Schmidt - Pics: Andrea Breitenbach