KAMELOT, EVERGREY, VISIONS OF ATLANTIS

Nijmegen, Doornroosje, 08.03.2019

Heute steht mal eine Premiere an, der Besuch des über die Grenzen hinaus berühmten Klub Doornroosje, in dem  niederländischen Städtchen Nijmegen. So viele Jahre besuchen wir schon Konzerte in Europa, aber diesen Laden haben wir bisher noch nie betreten. Nach entspannter Fahrt steuern wir das Parkhaus Keizer Karel Garage an. Hier kann man ab Sechs Uhr abends für schlappe fünfzig Cent pro Stunde parken. Kein Vergleich zu einem Knöllchen für falsches Parken, das in den Niederlanden bei moderaten Achtzig Euro beginnt! Ein kurzer Fußweg zur Location, vorbei an einem guten China Restaurant, in dem man sich vor der Show noch stärken kann, oder einfach nur einen Drink nimmt. Vor der Halle treffen wir schon Bekannte, die auch aus Deutschland angereist sind, um die Auftakt Show der Tour zu sehen. Nun beginnt der Einlass, unserer Akkreditierung ist auf der Liste vermerkt, also alles total entspannt. Jetzt die Jacken abgeben und wie so oft, in den Niederlanden natürlich kostenlos! Ein Blick an den Merchandise Stand, der Verkäufer ist uns auch schon von einem anderen Treffen bekannt. Dann noch ein frisches Kalt Getränk und es kann losgehen.

 

Visions Of Atlantis live2019Den ersten Slot haben die Österreicher von Visions Of Atlantis und ihre charmante Chanteuse Clementine Delauney aus Frankreich. Diese Lady ist extrem groß und äußerst schlank, weshalb böse Zungen sie gelegentlich auch schon mal als eine Art Stabheuschrecke bezeichnen. Dabei ist sie super sympathisch und vollkommen ohne Star Allüren. Und schließlich geht es hier ja um ihre Sangeskünste, die ohne Zweifel vortrefflich sind. Was direkt auffällt ist der immense Platz, der den Musikern auf der Bühne zur Verfügung steht. Im Hintergrund kann man schon Teile der Bühnendekoration des Headliners erkennen. Dafür steht das Schlagzeug der beiden Vorbands bereits auf einem Podest mittig im hinteren Bereich der Bühne. Keine vorgebaute Backline stört den Bewegungsradius, wie so oft bei den Vorgruppen, die sich dann kaum bewegen können. Diesen vorteilhaften Umstand nutzen die Protagonisten auch reichlich aus. Es ist schon ein wahres Feuerwerk an Hits, das hier gerade abgebrannt wird. Das Publikum hat scheinbar auch schon „vorgeglüht“ denn die Stimmung ist von Anfang an auf hohem Level. Für das als relativ zurückhaltend verschriene Publikum in den Niederlanden absolut ungewöhnlich. Selbst der anfängliche Missmut des Gitarristen, aufgrund technischer Probleme an seiner Gitarre, legt sich bei diesem überschwänglichen Jubel sehr schnell. Ich habe Visions Of Atlantis gar nicht als solch eine Live Macht in Erinnerung, aber heute rocken sie das Doornroosje total. Sänger Michele Guaitoli und Miss Clementine überzeugen durch ihren fantastischen Gesang, ob jeweils solo oder auch im Duett. Wirklich sehr überzeugend für das erste Konzert diese Tour! Viel zu schnell ist daher dieser Auftritt zu Ende.

Setlist: The Deep And The Dark, New Dawn, Words Of War, Ritual Night, The Silent Mutiny, The Last Home, Return To Lemuria

 

Evergrey live2019Jetzt geht es ruck zuck mit dem Change Over, und schon entern die Progressive Rocker aus Göteborg die Bühne. Meister Tom Englund und seine Band Evergrey präsentieren uns einmal mehr ihre epische düstere Musik mit noch dunkleren Texten. Und sie schaffen es direkt, das nicht gerade niedrige Stimmungslevel im Saal, nicht nur zu halten, sondern noch weiter hoch zutreiben. Ein Blick ins Publikum lässt mich überall verzückte Gesichter sehen, die voller Inbrunst die Texte mitsingen und sich vollkommen in der Musik verlieren. So soll das sein, kein nerviges Handymeer und starrer Blick auf Display, sondern begeisterte Fans die ihre Helden feiern. Der heutige Auftritt der Schweden ist dermaßen kraftvoll und überwältigend, das ich wirklich überlegen muss ob ich sie schon einmal in so einer Top Form gesehen habe. Ich glaube nicht, ungelogen ist es mit Abstand eins der besten Konzerte der Jungs. Da ist es wirklich mehr als schade, dass sie heute nur begrenzte Spielzeit haben. Eine Headliner Tour wäre wünschenswert, diese steht nach Aussage von Tom Englund und Jonas Ekdahl aber erst im Herbst an. Da man ja auch gerade ein neues Album veröffentlicht hat, spielt man natürlich drei Stücke aus diesem Opus. Kein Problem für das Publikum, die auch diese Lieder schon verinnerlicht haben. Für Tom und sein Jungs ein wirklicher Spaziergang die Menge für sich zu begeistern. Natürlich mit Recht wie ich feststellen muss. Diese Mixtur aus Melodik Dark Power Metal lässt einfach niemanden kalt, zumal ich immer wieder Ähnlichkeiten zu Peter Gabriel in Toms Stimme erkenne. Vielleicht ist es ja auch nur meine Wahrnehmung, aber seine Art zu singen hat schon etwas Beschwörendes. Ein wahrer Genuss!

Setlist: A Silent Arc, Weightless, Distance, Passing Through, My Allied Ocean, All I Have, A Touch Of Blessing, King Of Errors

 

Kamelot live2019 1Nun erfolgt ein etwas größerer Umbau, ein Keyboard Podest auf der linken Seite und der etwas umfangreichere Schlagzeug Umbau zur rechten Seite hin, dazu eine Art Laufsteg für Kamelot, der installiert werden muss. Das fällt mir aber auch erst währen der Show auf, da ich zwischenzeitlich mal an der Tränke war, ein paar Takte mit Clementine Delauney gewechselt habe und noch nebenbei Don Knüppel, dem amtierenden Schlagzeuger von Crash Gate Six aus Essen, im Foyer über den Weg gelaufen bin. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich Kamelot bislang eigentlich gar nicht so toll fand. Ich schaue sie mir meist nur an, da sie in der Regel grandiose Backgroundsängerinnen dabei haben. Letztes Jahr im September waren sie bereits schon mit Lauren Hart unterwegs und ich hatte die stille Hoffnung, sie würden auf der aktuellen Tour Laurens Band Once Human als Support mitnehmen. Nun ist das leider nicht der Fall, aber die Hoffnung stirbt nun mal zuletzt. Aber ich schweife ab, zurück zur Show. Und die haut mich nun wirklich aus den Schuhen, hey Jungs was ist da passiert? Ihr seid schweinegeil heute! Eine Breitseite nach der anderen feuern sie in die tobende Halle, das Stimmungsbarometer meldet „Tilt“ und sprudelt oben über, genauso wie das Bier jetzt in Strömen fließt. Kamelot live2019 2Und dann der erste Auftritt von Lauren! Vergesst die Alissas dieser Welt, das Mädel hier röhrt alle in Grund und Boden! Dazu eine Batterie funkelnde Goldregenfontänen auf der Bühne und CO2 Säulen am Bühnenrand. Diese benutzt man im Verlauf der Show auch redlich, und lässt immer wieder im wahrsten Sinn des Wortes die Funken sprühen. Sänger Tommy Karevik geht zudem immer wieder auf Tuchfühlung mit den begeisterten Fans, hockt auf dem Steg und lässt die Meute ins Mikrofon singen. Plötzlich steht er am anderen Ende der Halle um sich dann wieder zur Bühne zu kämpfen. Das ist einfach ein riesen Spaß heute Abend! Asche auf mein Haupt Jungs ihr seid live echt gigantisch geworden. Und auch Bassist Sean Tibbets, der nebenbei bemerkt tierisch abgenommen hat, rockt wie ein Derwisch über die Bühne. Dann wieder ein Song in dem Lauren mitgrowlt, mal im Goldregen, mal direkt auf dem Steg vorne. Die Halle kocht förmlich, da kommt eine kurze Verschnaufpause mit einer Soloeinlage von Keyboarder Oliver Palotai gar nicht ungelegen. Dazu nach dem Song „Amnesiac“, ein gemischtes Doppel zwischen Schlagzeuger Alex Landenburg und Keyboarder Oliver die sich gegenseitig übertreffen. Und weiter geht der Ritt mit Vollgas durch das Programm der mit Hits gespickten Setliste. Dann ganz unerwartet, taucht plötzlich Clementine Delauney und singt mit Tommy den Song „Sacrimony“  im Duett. Ja das hat was, und insgeheim glaube ich, dass Tommys Zusammenarbeit beim Ayreon Projekt von Arjen Lucassen, sehr förderlich für seine Gesangsleistung gewesen ist. Kamelot live2019 3Die tobende Meute in der Konzerthalle lässt die Truppe natürlich nicht ohne Zugabe von der Bühne, die sichtlich überwältigt auch gegeben wird. Lustigerweise habe ich bei der letzten Tour im Herbst 2018, auch die Eröffnungsshow gesehen. Im Vergleich zu der heutigen Darbietung liegen da Welten, ach was rede ich bloß, ganze Galaxien sind dazwischen! Es ist heute Abend einfach nur gnadenlos geil und ich geniesse jede Minute dieser Show. Chapeau Kamelot! Bevor wir uns nun auf die zweistündige Heimfahrt machen, treffen wir noch auf Tom Englund und Jonas Ekdahl im Foyer die uns direkt wieder erkennen, da wir im letzten Jahr ein Interview geführt haben. Alles in allem ein äußerst befriedigender Abend, der sich mehr als gelohnt hat.

Setlist: Phantom Divine (Shadow Empire) , Rule The World, Insomnia, Pandemonium, Lights Go Down, Veil Of Elysium, End Of Innocence, Vespertine (My Crimson Bride), Da Pacem Domine, March Of Mephisto, Karma, Amnesiac, Sacrimony, Burns To Embrace, Forever, Liar Liar (Wasteland Monarchy), Ministerium (Shadow Key)



Autor: Pistol Schmidt - Pics: Andrea Breitenbach